Die Wirtschafts- und Finanzkrise wirft ihre Schatten auf die Branche und wird den anstehenden Konsolidierungsprozess beschleunigen. Der Leidensdruck nimmt zu. Neue Marktentwicklungen und weitere anspruchsvolle Herausforderungen werden nachhaltige Auswirkungen auf die künftige Marktstruktur der stark fragmentierten Industrie haben.

Für viele Marktteilnehmer bedeutet dies früher oder später das Aus, für andere bieten sich neue Chancen; denn es gibt viele Kunden, die das Vertrauen in die Banken verloren haben und eine bank- und produktunabhängige Beratung oder auch eine «Second opinion» suchen. Die unabhängigen Vermögensverwalter verwalten derzeit rund 650 Mrd Fr. Dieser geschätzte Anteil von rund 14% an den insgesamt in der Schweiz verwalteten Vermögen wird aufgrund der wachsenden Nachfrage weiter steigen. Die Anzahl der Vermögensverwaltungsgesellschaften hingegen wird sich in den kommenden Jahren stark reduzieren, und zwar nicht nur aufgrund der Altersstruktur. Zurzeit dominieren Klein- und Kleinstfirmen die Industrie. Rund die Hälfte sind Ein- oder Zweipersonenbetriebe. Abgesehen von häufig fehlenden Stellvertretungs- und Nachfolgelösungen erreichen viele Firmen die für ein längerfristiges Überleben notwendige Mindestgrösse nicht.

Im Zuge der Finanzkrise haben sich die verwalteten Vermögen im Vergleich zum letzten Jahr um 20% bis 25% reduziert, und es braucht erfahrungsgemäss lange, diese Verluste wieder wettzumachen - dies umso mehr, als die Folgen der Finanzkrise noch nicht ausgestanden sind. Gleichzeitig werden die Kundenbedürfnisse zunehmend anspruchsvoller. Bei den Vergütungsmodellen zeichnet sich ein klarer Trend weg von Retrozessionen - die ich im Übrigen für längst überholt erachte - hin zu Performance- und Beratungs-Fees ab. All dies führt zu Mindererträgen bei tendenziell steigenden Kosten.

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Damit nicht genug: Das internationale Klima wird rauer. Der wachsende Druck auf das schweizerische Bankgeheimnis wird Vermögensabflüsse zur Folge haben. Einen Vorgeschmack liefert das derzeitige Vorgehen des italienischen Fiskus gegenüber italienischen Bankkunden im Tessin. Bereits seit einiger Zeit zeichnet sich ab, dass das Offshore-Banking mehr und mehr an Bedeutung verliert und der aufsteigende Trend in Richtung des Onshore-Geschäfts geht.

Am bedeutendsten für die Zukunft der Branche werden jedoch die verschärften Regulierungstendenzen sein. Die nach wie vor tiefen Eintrittshürden in den Berufsstand werden sich als Bumerang erweisen. Die Selbstregulierung stösst an ihre Grenzen, insbesondere angesichts des zunehmenden Einflusses internationaler Regulierungsstandards auf die regulatorischen Entwicklungen in der Schweiz. Unabhängige Vermögensverwalter werden sich auf rigidere Bewilligungsvoraussetzungen in Verbindung mit staatlicher Aufsicht einstellen müssen. Die Einführung von Mindeststandards für Vermögensverwalter gemäss Rundschreiben der Finma von Anfang 2009 ist ein erster Schritt. Mittel- bis langfristig dürfte ein Vermögensverwaltungsgesetz geschaffen werden, das Marktzugang, Organisation und Geschäftsführung, Qualifikations- und Kapitalanforderungen, Transparenz, Offenlegung, Revisionspflicht einheitlich und verbindlich regelt.

Einschneidende Folgen

Bis dahin werden sich unabhängige Vermögensverwalter ihre Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im internationalen Bereich, nur durch freiwillige Unterstellung unter staatliche Aufsicht sichern können. Aufgrund der hohen Compliance-Anforderungen und des damit verbundenen administrativen und finanziellen Aufwands ist dies nur grösseren Gesellschaften oder Gruppierungen möglich. Die Konsequenzen für die Branche sind einschneidend: Das schwierige Marktumfeld, der internationale Druck auf den Finanzplatz, die wachsenden regulatorischen Auflagen, anspruchsvollere Kundenbedürfnisse sowie leistungs- und performanceabhängige Vergütungsmodelle stellen höhere Anforderungen an die Professionalität und die Infrastruktur, vor allem im IT-Bereich.

Damit einhergehende Investitionserfordernisse und steigende laufende Kosten bei gleichzeitig schrumpfenden Gewinnmargen werden zwangsläufig zu einer tief greifenden Strukturbereinigung innerhalb der Branche führen, der vor allem die zahlreichen Klein- und Kleinstfirmen zum Opfer fallen werden.

Gute Chancen für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit in der Zukunft hingegen haben gemäss einer kürzlich publizierten Studie der Universität St. Gallen zum Parabankenmarkt unabhängige Vermögensverwalter, welche die notwendigen strategischen und organisatorischen Massnahmen frühzeitig in neuen Geschäftsmodellen in Form von Allianzen, Kooperationen oder partnerschaftlichen Netzwerkstrukturen umgesetzt haben beziehungsweise rasch einleiten. Denn nur grössere Einheiten haben die Möglichkeit, die nötigen Investitionen zu tätigen, Effizienzsteigerungen zu erzielen und die zukünftigen Anforderungen sowohl professioneller als auch regulatorischer Natur zu erfüllen.

Im Zuge der von mir seit langem vorhergesehenen Konsolidierung im Bereich der unabhängigen Vermögensverwalter wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Das wird die Qualität und damit die Reputation der Branche heben und diese letztlich stärken.