Die Problematik ‹too big to fail› muss nun rasch gelöst werden», sagt Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisen-Gruppe, zu den Entwicklungen im Steuerstreit der UBS mit den USA. Es dürfe nicht das Ziel sein, dass auch grosse Banken von einer impliziten Staatsgarantie abhängig seien. Trotzdem fordert Vincenz aber die Unterstützung aus Bern für die Grossbank: «Es geht um den Finanzplatz als Ganzes und um die Schweizer Volkswirtschaft.» Entsprechend dürfe die Grossbank nun nicht allein gelassen werden.

Erneut stützen

Ins gleiche Horn stösst auch die Regionalbanken-Gruppe Valiant. «Die heutige Situation kann von der UBS nicht allein gelöst werden», sagt der Valiant-Verwaltungsratspräsident Kurt Streit. Umso mehr müsse das nun stark geforderte politische Umfeld eine für die Schweiz zukünftig tragbare Lösung anstreben.

Dieser Aufruf der Regionalbanken zur Stützung der UBS erstaunt zumindest teilweise. Zwar hatten sie immer wieder betont, die Hilfsaktion des Bundes komme dem ganzen Finanzplatz zugute. Sie bemängelten jedoch, dass die Staatskrücken für die UBS keine Konsequenzen hatten. «Es kann nicht sein, dass ein Institut vom Bund gestützt wird und sich anschliessend wieder in den Markt integriert, als wäre nichts gewesen», hatte Vincenz kürzlich in einem «Handelszeitungs»-Interview gesagt. Die Marktwirtschaft zeichne sich dadurch aus, dass diejenigen Unternehmen untergingen, die falsch im Markt agierten.

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Neue Unsicherheit, neue Kunden

Die neue Unruhe um die Grossbank dürfte die noch bestehenden UBS-Kunden weiter verunsichern. «Dies ist in der heutigen Situation zu befürchten», sagt Streit. Allerdings dürfe die jetzige Situation rund um die Grossbank nicht mit derjenigen im Herbst 2008 verglichen werden. «Damals ging es um eine existenzielle Bedrohung des gesamten Bankensektors und um grosse mögliche Auswirkungen auf die Schweizer Volkswirtschaft», sagt PostFinance-Mediensprecher Alex Josty.

Trotzdem könnte die neu angeheizte Unsicherheit dafür sorgen, dass einige UBS-Kunden ihre bestehende Bankbeziehung kündigen und ihre Ersparnisse zu den Regionalbanken bringen. «Es gibt vereinzelte Anfragen, die im Zusammenhang mit der aktuellen Situation stehen», sagt Valiant-Verwaltungsratspräsident Kurt Streit.

Seit Ausbruch der Finanzkrise hatte sich die UBS wieder vermehrt auf den Heimmarkt Schweiz konzentriert. Dabei habe sie «mit nicht marktkonformen Margen, die nun quasi staatlich garantiert sind», um Kunden gebuhlt, wie Kurt Streit der «Handelszeitung» im November 2008 sagte. Wegen der neu entfachten Brandherde könnte sich die Grossbank wieder vermehrt dem Steuerstreit in den USA anstatt der lokalen Wettbewerbsstrategie widmen. «Kurzfristig ist es denkbar, dass die UBS ihre Wettbewerbskraft etwas einschränkt», sagt Streit. Jedoch: Am Schluss entscheide der Kunde.