Die Globalisierung der Märkte ist in Zeiten von EDI (Electronic Data Interchange), Videokonferenzen und dem Internet mit seinem unerschöpflichen Zugang an Informationen weit vorangeschritten. Lange ist es her, seit es in der Logistik «nur» darum ging, ein Produkt von A nach B zu bringen. Denn in den letzten Jahren sind die Anforderungen an die Fashion-Logistik immer komplexer geworden.

Dabei spielt einerseits die Globalisierung eine wesentliche Rolle, welche die Wertschöpfungskette der Fashion-Branche in den letzten Jahren signifikant verändert hat, und anderseits auch die steigende Anzahl von Kollektionswechseln, verbunden mit immer kürzer werdenden Order-Zyklen, und die konsequente POS-Orientierung der Industrie (POS - Point of Sale/Verkaufsstellen). Diese entfernt sich mehr und mehr vom klassischen Stammabteilungslieferanten hin zum Systemlieferanten. Dieser sourct weltweit die Ware und koordiniert die Dienstleister beziehungsweise die Dienstleistungen für die Value Added Services. Dazu gehören Aufbereitung und Warensicherung und die Steuerung der Waren just-in-time auf die POS-Flächen. Selbst die Bewirtschaftung der Flächen in der Saison für den Handel wird unabhängig davon, ob der Händler in der Schweiz, in Deutschland oder in Osteuropa sitzt, übernommen. Alle Waren- und Informationsströme müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass am Ende das Hemd aus der Türkei, der Pullover aus China und der passende Schal aus Madagaskar für eine stimmige Kollektionsaussage zeitgleich am POS präsentiert werden können. Kein leichtes Unterfangen, wenn man weiss, dass an einem solchen Prozess neben zahlreichen Lieferanten weitere Zulieferer, Prüfinstitute, Spediteure, Aufbereiter und Läger beteiligt sind.

Enge Zeitfenster

Hinzu kommen die internen Abteilungen Einkauf, Qualitätssicherung und Logistik. Bei dieser Komplexität und dem engen Zeitfenster, welches durch die erhöhte Taktung der Kollektionen vorgegeben ist, können Zeitverluste, die bereits zu einem frühen Zeitpunkt in der Wertschöpfungskette entstehen, beispielsweise bei der Abstimmung von Grössentabellen, Farbmustern oder Worksheets, oft nicht mehr aufgeholt werden. Unter diesen Prämissen wird deutlich, dass in der Fashion-Branche nur die Unternehmen überleben und nachhaltig Erfolg haben werden, die exzellente Produkte anbieten und zeitgleich auch ihre gesamte Wertschöpfungskette im Griff haben -und zwar effizient und zu optimalen Kosten. Dies ist heute nur möglich, wenn alle Beteiligten der Wertschöpfungskette untereinander vernetzt sind, und damit ist keine bilaterale 1:n-, sondern eine multilaterale n:n-Beziehung gemeint. Die Vernetzung muss für alle Beteiligten eine grösstmögliche Transparenz auf alle relevanten Prozesse, Informationen, Waren und Ressourcen bereitstellen.

Anzeige

Genau hier muss ein Unternehmen über ein funktionierendes Supply Change Management verfügen, welches den durchgängigen Informationsfluss über alle Stufen der Wertschöpfungskette sicherstellt. Die Integration und die Vernetzung aller an der Produktentstehung und dem Produkttransport Beteiligten müssen sichergestellt sein, damit Zutaten-, Waren- und Dienstleistungsfluss optimal aufeinander abgestimmt sind.

Bei der Vielzahl der Prozessbeteiligten findet man in der Praxis die unterschiedlichsten IT-Systeme mit komplexen Schnittstellenstrukturen. Die nötige integrierte Vernetzung spielt sich unter diesen Bedingungen häufig per Telefon, Fax oder E-Mail ab und insbesondere ohne eine entsprechende Systemintegration, die alle Informationen und Statusveränderungen direkt ins System übernimmt und für alle dokumentiert.

Ein Logistikdepartment kann einen solchen Prozess nur effizient und zielgerichtet steuern, wenn es über ein systemgestütztes Supply Change Management verfügt, das als kooperatives Netzwerk organisiert ist und Systembrüche ausschaltet. So ist es möglich, auf Veränderungen und Abweichungen hinsichtlich gesetzter Termine, Quantitäten, Qualitäten oder Kosten frühzeitig zu reagieren. Soll-Vorgaben können täglich kontrolliert werden, ein Frühwarnsystem meldet die kritischen Fälle und bei Abweichungen kann umgehend in den Produktions- oder Transportprozess eingegriffen werden.

Kürzere Durchlaufzeiten

So macht die zentrale Informations- und Kommunikationsplattform die Warenströme zu jedem Zeitpunkt der Wertschöpfungskette plan- und steuerbar. Das verkürzt auch die Durchlauf- und Pufferzeiten, indem beispielsweise avisierte Verschiffungsdaten automatisch in die Warenwirtschaft einfliessen und Entladelisten frühzeitig generiert werden können. Die Aufbereitung der Ware sowie die Kommissionierung und Verteilung an die Kunden können optimal vorbereitet und gesteuert werden. Der Abstimmungsaufwand wird deutlich reduziert, die gewonnene Zeit kommt der Kollektionsleistung zugute - und damit den Händlern und Verbrauchern. Notwendige Entscheidungsprozesse werden beschleunigt. Gleichzeitig können aber auch die Beschaffungs- und Prozesskosten nachhaltig optimiert werden. Der Anteil der Luftfrachten reduziert sich ebenso wie Sonderabfertigungen am Flughafen oder Expressfahrten. Gleichzeitig wird die Auslastung der Transporteinheiten gesteigert.

Summa summarum führt dies zu einer deutlich verbesserten Lieferqualität gegenüber dem Handel. Ein gutes Produkt zeichnet sich eben auch dadurch aus, dass es immer zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Menge zur Verfügung steht. Nur dann findet der Endkonsument die Auswahl, die er sich wünscht, und der Umsatz des Händlers ist sichergestellt.