Die Unsicherheit rund um die hiesigen Grossbanken bewegt immer mehr Kunden dazu, ihre Gelder bei konservativer agierenden Instituten, wie beispielsweise Raiffeisen, anzulegen. Es stellt sich die Frage, ob sich diese Entwicklung nun auch auf den Versicherungsmarkt niederschlägt, zumal einige Schweizer Assekuranzen, wie beispielsweise Swiss Life, ebenfalls stark unter der Finanzkrise leiden. «Direkt profitieren wir nicht von der teilweise angeschlagenen Konkurrenz», sagt Mobiliar-CEO Urs Berger. Dasselbe sagt auch Alfred Leu, CEO Generali Schweiz, gegenüber der «Handelszeitung»: «Wir haben grundsätzlich denselben Kundenzulauf wie im Vorjahr.»

Der Grund liegt darin, dass die meisten abgeschlossenen Versicherungsverträge langfristiger Natur sind. Hinzu kommt, dass die Sicherheit der Assekuranzen weniger in Frage gestellt wird als bei den Bankinstituten. «Die Kunden gehen davon aus, dass ein Unternehmen, welches Versicherungsdeckung gewährleistet, solvent ist», sagt der Mobiliar-CEO. Entsprechend findet der Verteilungskampf hauptsächlich über das Preis-Leistungs-Verhältnis statt.

Dennoch hohes Wachstum

Trotz des trägen Naturells der Versicherungsbranche erfreuen sich die Versicherer dennoch an guten Zuwachsraten. «Die Neukundengewinnung ist bei unserer Gesellschaft weiterhin auf hohem Niveau», so der Generali-CEO (Schweiz). Das bestätigt auch der Mobiliar-Chef für sein Unternehmen und räumt ein, dass die Mobiliar derzeit gar deutlich über dem Markt wachse.

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Die beiden Assekuranzen halten zudem fest, dass sich die Kundenanbindung zurzeit deutlich einfacher gestaltet. So spreche, gemäss CEO Urs Berger, für die Mobiliar vor allem der Fakt, dass das Unternehmen nicht an der Börse kotiert sei und auch eine solide Eigenkapitalbasis aufweise. Und Alfred Leu führt die tiefe Kundenabwanderung bei Generali darauf zurück, dass in Krisenzeiten in der Regel eine erhöhte Sparquote festzustellen ist.

Zunehmende Nachfrage erwarten die beiden Versicherungskonzerne künftig vor allem bei den Lebensversicherungen. «Ich rechne damit, dass in der kurz- und mittelfristigen Zukunft die Akquisition von Kunden im Lebensversicherungsbereich eher vereinfacht wird. So dürften Kunden komplexe Produkte, die sie nicht verstehen, eher meiden», sagt Alfred Leu. Dies widerspiegelt sich auch beispielsweise in den von Bâloise ausgewiesenen Zahlen für das 3. Quartal im laufenden Jahr. So stiegen die Einnahmen der Lebensversicherungen im Vergleich zur Vorjahresperiode um 8,9%.

Gemäss Leu stossen besonders Produkte mit Kapitalgarantie vermehrt auf Zuspruch bei den Versicherungsnehmern. Damit können bestimmte Anlagerisiken bis zu einem gewissen Betrag minimiert werden.

Während der Kapitalschutz bei den traditionellen Lebensprodukten gegeben ist, bringen immer mehr Versicherer auch bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen Produkte mit Kapitalgarantie auf den Markt.

2009 wird ein schwieriges Jahr

Trotz der positiven Aussichten dürfte sich aber das kommende Jahr für die Lebenssparte dennoch schwierig gestalten. So geht der Mobiliar-CEO davon aus, dass im nächsten Jahr kein zusätzliches Wachstum erzielt werden kann. Vor allem weist er darauf hin, dass sich eine Rezession negativ auf die Einnahmen von Kollektiv-, Unfall- und Krankentaggelderprämien auswirken wird. «Die Einnahmen stehen in Abhängigkeit zur Lohnsumme. Entsprechend müssen wir aufgrund zunehmenden Stellenabbaus und geringeren Lohnerhöhungen mit Einbussen in diesem Segment rechnen», so Berger.

Allerdings führe die drohende Krise dazu, dass bei einer zunehmenden Zahl von KMU das Bedürfnis nach einer ganzheitlichen Versicherungsdeckung durch private Versicherungen steigt, so Berger. So schichten vermehrt KMU ihre BVG-Gelder von autonomen Pensionskassen zu Privatassekuranzen um. Damit kann das Anlagerisiko ausgelagert werden. «Ob dies aber die rezessionsbedingten Einbussen bei den Kollektivversicherungen decken kann, wird sich weisen müssen», sagt er.

Positiver dürfte sich das Nichtlebengeschäft entwickeln. Alfred Leu, CEO Generali Schweiz, rechnet in diesem Bereich mit steigenden Prämien für den Schweizer Markt. Dies hänge damit zusammen, dass die Finanzerträge in der Branche auch im nächsten Jahr eher tief ausfallen würden, so Leu. Und bei den bestehenden Prämiensätzen lassen sich derzeit die teilweise tieferen Anlageerträge nicht quersubventionieren.