Cloud Sourcing hat viele Bedeutungen: Es ist eine revolutionäre Technologie, die nächste Generation des Web, eine fundamentale Veränderung der gesamten IT-Umwelt und eine vielversprechende Opportunität für die Operationalisierung neuartiger Geschäftsmodelle.

Doch es ist auch eine Tatsache, dass das Thema heute nicht sehr scharf umrissen ist. Der häufig zitierte Nebel, der die Wolke umgibt, erschwert bei der Umsetzung geplanter Massnahmen aktiver Organisationen die Sichtbarkeit des erhofften Nutzens. Analystenberichte, wie zum Beispiel der oft zitierte Hype-Cycle von Gartner, stiften wegen kreativer weiterer Begriffskonstruktionen zum Teil Verwirrung. Will man die Wolke genauer verstehen, so ist das Verständnis des Grundprinzips des Konzeptes der «Virtualisierung» vonnöten. Die Wolke nutzt die Idee der Virtualisierung, um mittels webbasierter Dienste dynamisch gesteuert (also «on demand») an bestimmte Ressourcen, Fähigkeiten oder Kompetenzen verschiedenster Art und Ausprägung zu gelangen.

Public, Private oder Hybrid

Heute bereits bekannte Nutzenpotenziale liegen im Bereich der Optimierung der Ressourcennutzung, der Reduktion des Management-Aufwandes, der Konsolidierung von Infrastruktur, der Ersparnis von Platz, der Reduktion des Energieverbrauchs oder der Reduktion eines Ausfallrisikos interner Dienste mittels optimierter Notfallplanung. Dabei rückt die Fragestellung der «Sicherheit» in den Mittelpunkt der Diskussion und damit gekoppelt eine Risikoabwägung im Hinblick auf Private-, Public- oder Hybrid-Cloud-basierten Lösungen. Und hier wird die Diskussion meistens schon hitzig. Während eine Private Cloud eine nutzereigene, also vom Nutzer selbst betriebene Cloud-Umgebung darstellt, bei der sich der Zugang zu diesen Diensten auf den Nutzer selbst sowie autorisierte Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten beschränkt, befindet sich eine Public Cloud im Eigentum eines externen Dienstleisters. Der Zugriff erfolgt über das Web. Solche Public Clouds zeichnen sich durch die flexible und schnelle Nutzung durch Subskription aus und der Anbieter stellt eine Auswahl von hochstandardisierten Diensten zur Verfügung. Beispiele sind etwa Amazon Web Services, Google App Engine oder Salesforce.com. Eine Hybrid Cloud hingegen stellt eine Mischform von Private und Public Clouds dar, bei der die Organisation ihre eigene Private Cloud betreibt und etwa zur Abdeckung von Belastungsspitzen eine Public Cloud nutzt.

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Aus organisationaler Betrachtung umfasst die Sicherheit typischerweise sowohl den sicheren Zugriff auf benötigte Ressourcen als auch Belange des Datenschutzes. Generell gelten hier allerdings genau die gleichen Regeln, wie sie auch im Kontext eines lokalen Rechenzentrums mit einer klar definierbaren physischen Existenz üblich sind. Insofern kann der Sicherheitsaspekt aus der Sicht der Nutzer bestimmter Dienste mit entsprechenden Service Level Agreements (SLA) vereinbart werden.

Vom IaaS, SaaS, PaaS zum HuaaS

Synonyme sorgen vielerorts für Kopfzerbrechen. Dabei handelt es sich meist um komplementäre oder evolutionäre Begrifflichkeiten, die einfach zu erklären sind. War anfänglich von Diensten aus dem IaaS, also dem Infrastructure-as-a-Service-Bereich, die Rede, so spricht man heute bereits vom HuaaS, dem Human-as-a-Service. Bei Letzterem steht die Anwendung von menschlichen Ressourcen, Fähigkeiten oder Kompetenzen im Vordergrund. Hier ist das «Crowd»-Sourcing dominierend, bei welchem eine Gruppierung von menschlichen Ressourcen im Web bestimmte Aufgaben von unterschiedlicher Komplexität und Umfang übernimmt. Basieren die Dienste auf informationstechnologischen Lösungen, so werden auf der physikalischen Ebene In-frastructure-as-a-Service-basierte Dienste (IaaS) in Anspruch genommen. Beim IaaS werden virtuelle IT-Komponenten in einer Cloud angeboten. IaaS-Dienstleister sind als Äquivalent von SaaS für Hardware zu verstehen. Diese bieten spezifische Infrastrukturdienste wie zum Beispiel Speicher-, Rechen- oder Netzwerkdienste an, welche «höheren» Ebenen in dieser Architektur (SaaS, PaaS) zur Verfügung gestellt werden. Auf einer nächsthöheren Abstraktionsebene wird Platform-as-a-Service (PaaS) beansprucht. Beim PaaS handelt es sich um eine Weiterentwicklung des SaaS-Modells, wo Virtualisierungstechnologie angewendet wird, bei der Gast-Betriebssystemen eine Anwendungsschnittstelle zur Verfügung steht.

Der Nutzen von Cloud Sourcing

PaaS-Dienstleister bieten Portale oder Plattformen an, die den Zugang zu Software-Services erleichtern und Kombinationen von Services ermöglichen sollen. Beim Software-as-a-Service (SaaS) wird letztlich Software von Dienstleistern betrieben, die über das Web genutzt wird. Dabei hat der Anwender weder Kenntnis noch Kontrolle über die darunter liegende Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt nach Nutzungsdauer oder Volumen. Die Frage, ob sich Cloud Sourcing für eine Organisation auszahlt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Strebt eine Organisation zum Beispiel die Halbierung der Lieferfrist einzelner Produkte oder Dienstleistungen an und konnte dies mittels minutiöser Prozesskosten-Analyse in der Vergangenheit bislang nicht erreicht werden, so könnte für diese Organisation der Einsatz bestimmter Cloud-Sourcing-Lösungen zu einer erfolgreichen Umsetzung dieser Massnahme führen. Doch auch das Potenzial zur Entwicklung innovativer Geschäftsprozesse sowie ganz neuartiger Geschäftsmodelle - dank Cloud Sourcing - ist nicht zu unterschätzen.

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