Die Regulierungsvorschriften für Unternehmen werden immer strenger, die Handbücher immer dicker. Das kostet Schweizer Firmen Millionen von Franken. Am meisten belasten die Regulierungskosten jene Unternehmen, die in New York kotiert sind. Sie müssen bis Ende 2005 dem neuen US-Börsengesetz entsprechen: Dem Sarbanes-Oxley Act. Novartis ist bereits heute Sarbanes-Oxley-tauglich. Deswegen sind beim Pharmamulti allein die Revisionskosten um über 30% gestiegen.

Auch Firmen wie UBS, Credit Suisse, Adecco oder Swisscom sind daran, ihre interne Kontrolle dem neuen Gesetz entsprechend anzupassen. Wirtschaftsprüfer schätzen die Gesamtkosten der Umstellung für ein Unternehmen auf 10 bis 99 Mio Fr. ­ je nachdem, wie gross und wie komplex ein Unternehmen ist. «Wir haben den Aufwand massiv unterschätzt», sagt ein Experte eines Schweizer Grossunternehmens. In den USA melden einzelne Firmen sogar Zusatzkosten von über 100 Mio Dollar, weil sie sich Sarbanes-Oxley-tauglich trimmen mussten.

Angesichts der explodierenden Kosten macht sich in vielen Schweizer Firmen zunehmend Unmut breit. «Der Sarbanes-Oxley Act bringt einen riesengrossen Aufwand für ein Resultat, das in keiner Art und Weise Garantie gibt, dass Fälle wie Enron oder Worldcom nicht mehr passieren», ist Nestlé-Pressechef Francois-Xavier Perroud überzeugt. Der Nahrungsmittelkonzern ist nicht in New York kotiert und bleibt deshalb vom neuen Börsengesetz verschont. Allerdings steigt in der Schweiz der Druck auf Firmen, die nicht in den USA kotiert sind, sich dem US-Börsengesetz anzupassen.

Nicht nur Grosskonzerne, auch mittelgrosse Unternehmen leiden unter dem Regulierungstrend. Stellen sie ihre Rechnungslegung auf die international anerkannten IFRS-Standards um, so kostet sie dies laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens BDO Visura bis zu 1 Mio Fr. Für über 60 der 325 Firmen im Hauptsegment der Schweizer Börse wurde eine Umstellung unumgänglich: Seit Anfang 2005 sind entweder die amerikanische Rechnungslegung US GAAP oder die britisch beeinflussten IFRS (International Financial Reporting Standards) Pflicht. Nicht nur der Aufwand für die Umstellung, sondern auch die steigenden laufenden Kosten belasten die Rechnung.

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