Welche Signale erhalten Sie im Moment von Ihren Mitarbeitern an der Front?

Dieter Scheiff: Unsere Mitarbeitenden in den Niederlassungen sind häufig sehr optimistisch, aber wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und uns auf das Wirtschaftswachstum fokussieren. Es ist heute sehr schwierig zu sagen, wie es im 1. Quartal 2009 aussehen wird. Wir können aber heute selbstverständlich nicht davon ausgehen, dass 2009 ein Jahr verbesserten Wachstums sein wird.

Welche Unterschiede sehen Sie bezüglich Branchen und Märkten?

Scheiff: Wir passen uns dem wirtschaftlichen Zyklus an. In den USA haben wir schon seit zwei Jahren rückläufige Umsätze, aber die Profitabilität ist erfreulich. In Europa kommt es zu einer Abkühlung, dabei sind sicher Spanien und Grossbritannien am ehesten betroffen. In unserem wichtigsten Markt Frankreich haben wir uns nach dem 2. auch im 3. Quartal besser entwickelt als der Gesamtmarkt.

Im September haben sich alle Märkte verlangsamt. Hat sich diese Entwicklung im Oktober fortgesetzt?

Scheiff: Das kann ich nicht kommentieren, aber wir rechnen mit einer weiteren Abkühlung der Märkte und gehen deshalb sehr vorsichtig mit unserer Kostenbasis um.

Adecco möchte ja vor allem auch in den Emerging Markets weiter wachsen.

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Scheiff: Wir haben in den Emerging Markets eine führende Marktposition und werden dort weiterhin investieren. Ich bin sehr froh über die solide Entwicklung in diesen Ländern. Wir werden sicher auch dort eine Abschwächung sehen. Aber mittelfristig bin ich für diese Märkte sehr optimistisch.

Das Ebita-Margenziel von über 5% für 2009 ist nicht erreichbar. Haben Sie sich für 2009 neue Ziele gesetzt?

Scheiff: Das Ebita-Margenziel haben wir im Jahr 2006 gesetzt, unter der Voraussetzung von guten wirtschaftlichen Bedingungen. Diese können wir im Moment nicht ausmachen. Dennoch haben wir eine Ebita-Marge von 5% erreicht. Darauf sind wir stolz. Berücksichtigen wir, was die Wirtschaftsexperten für 2009 erwarten, ist ein Ziel über 5% im nächsten Jahr nicht zu erreichen. Mittelfristig bin ich jedoch überzeugt, dass wir 5% oder mehr erzielen können. Wir müssen akzeptieren, dass sich unsere Industrie sehr zyklisch bewegt.

Sie können sich nicht auf eine neue Zahl für 2009 festlegen?

Scheiff: Nein, das wäre spekulativ. Aber sobald sich die wirtschaftliche Situation erholt hat, werden wir dieses Ziel erreichen.

Sie wollen aber auch in schwierigen Zeiten die Margen hochhalten. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Scheiff: Es ist ganz wichtig, dass wir auch in schwierigen Zeiten die Preise stabil halten. Dies ist uns zum Beispiel im 3. Quartal gelungen. Das sehen Sie an unserer Rohmarge, die wir bei 18% halten konnten.

Müssen Sie stärker auf die Kostenbremse treten?

Scheiff: Als zyklisches Unternehmen müssen wir einer solchen Situation gerecht werden und sind gezwungen, unsere Kapazitäten und Kosten rasch anzupassen.

Wird es zu einem weiteren Stellenabbau kommen?

Scheiff: Dies können wir in diesem wirtschaftlichen Umfeld nicht ausschliessen. Da wir in unserer Branche jedoch eine relativ hohe Fluktuation haben, können wir diese gerade in solch schwierigen Zeiten nutzen und Stellen nicht wiederbesetzen. Wir haben in diesem Jahr den Personalbestand der Adecco-Gruppe bereits um 3% reduziert.

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Wo fassen Sie Zukäufe ins Auge?

Scheiff: Wir schauen vor allem im Bereich Fachkräfte (Professional Staffing) nach geeigneten Übernahmen. Über die Zukunft kann man bei Akquisitionen erst sprechen, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.

Werden Sie angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten bei Zukäufen zurückhaltender agieren?

Scheiff: Wir bleiben sehr diszipliniert, wenn es zu Übernahmen kommt. Aber sollten wir das richtige Übernahmeziel ausfindig machen und gemeinsam entscheiden, zusammenzugehen, werden wir uns auch weiterhin engagieren.