Ein durchschnittlicher Unternehmensleiter bezieht ein Jahresgrundsalär von 240000 Fr. Ein Direktor bekommt 180000 Fr. und ein Abteilungsleiter 137000 Fr. Auch die 28. Ausgabe der Kadersalärstudie, die von der Kienbaum Managementberatung in Zusammenarbeit mit der «Handelszeitung» erstellt worden ist, bietet für sich allein betrachtet wenig Anlass, nun gleich die Abzocker-Initiative zu forcieren. Auch nach Einbezug der variablen Lohnbestandteile sind die Saläre im Schweizer Kader kaum dazu angetan, die Vorkämpfer für gerechtere Löhne so richtig in Rage zu versetzen. Denn es handelt sich dabei um Durchschnittswerte.

Die Kienbaum-Kadersalärstudie zeichnet sich im Gegensatz zu den gängigen Untersuchungen dadurch aus, dass sie weder auf die Spitzenverdiener zielt noch die Vergütungssysteme von Führungsinstanzen in einzelnen Unternehmen untersucht, wie beispielsweise die Ethos, sondern sich völlig unpolitisch auf die Durchschnitte konzentriert. Und das in vielfältiger Art und Weise: Nach Funktion, Hierarchiestufe und Geschäftsbereich, nach Branche, Ausbildung oder Personalverantwortung (siehe Tabellen links), nach Geschlecht, Region oder Unternehmensgrösse.

Die Untersuchung ist somit als Arbeitsinstrument für die interne Gehaltspolitik gedacht und soll den Geschäftsführern und Unternehmensleitern Basisinformationen für die Salärgestaltung ihrer Kader liefern. Und zwar mehr und mehr nicht mehr nur im KMU-Bereich, sondern auch bei grösseren Firmen, sind doch dieses Jahr fast 50% der einbezogenen knapp 10000 Führungskräfte in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden tätig.

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Breiter gestreute Boni

Im Schnitt und über alle Branchen haben die Vertreter der obersten Führungsebene, also die Geschäftsführer, im Umfragezeitraum weniger hohe Gehaltszuwächse verzeichnen können als im Vorjahr: Inklusive der variablen Lohnbestandteile kommen sie neu auf 315000 Fr. Die Vertreter der zweiten Führungsebene, also die Direktoren, haben 209000 Fr. ausbezahlt bekommen, auf der Stufe der Abteilungs- und Ressortleiter sind es 150000 Fr..

Wie Kienbaum festgestellt hat, werden neuerdings die Boni breiter gestreut: Der Anteil der Empfänger einer variablen Vergütung ist im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 6% gestiegen. Gleichzeitig sind jedoch in vielen Branchen 2009 die Boni auf der 1. Ebene um durchschnittlich 6000 Fr. geringer ausgefallen. Auf der 2. Ebene beträgt der Rückgang 4000 Fr., auf Stufe 3 noch 1000 Fr. Darin sind die langfristigen Anreizprogramme nicht enthalten - auch sie haben jedoch gemäss separater Berechnung auf allen drei Ebenen um 4 bis 7% abgenommen.

Energie und Pharma gewinnen

Und welche Branchen haben dieses Jahr die grössten Veränderungen gesehen? Direkte negative Veränderungen sind insbesondere in der Logistik und in der Luftverkehrsbranche, dem Bereich Elektrotechnik sowie dem Druck- und Verlagswesen sichtbar. Bei anderen Branchen, allen voran den Banken und Versicherungsinstituten, dürften sich die getätigten Veränderungen in den nächsten Jahren zeigen. Am positivsten stehen zurzeit die Branchen Energie und Pharma da. Als positiver Ausreisser zeichnet sich auch die Branche Steine und Erden aus, die im Branchenschnitt mit 2,1% höheren Grundsalären aufwartet.

Wenig überrascht, dass bei den regionalen Vergleichen Zürich, Bern, Genf und Basel an der Spitze liegen. Eher erstaunlich ist die Tatsache, dass die stärkste Absenkung der Gesamtsaläre bei Unternehmen mit Schweizer Mutterhaus festzustellen ist. Alexander von Preen, der Geschäftsführer von Kienbaum, erklärt das folgendermassen: «Die Schweizer Muttergesellschaften stehen im internationalen Wettbewerb. Insbesondere die Schweizer Kernbranchen in den KMU haben im vergangenen Jahr den Nachfragerückgang in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und in der Chemieindustrie zu spüren bekommen.»