Welche Symptome begleiten ein Burn-out?

Hanspeter Flury: Burn-out ist ein phasenhafter Prozess: Bei anhaltend grossen Belastungen steht am Anfang meist eine Phase von vermehrtem Engagement, mit zunehmender Schwierigkeit, sich zu erholen, und dann häufig Energieverlust, Nervosität, Einengung der Interessen, Selbstzweifel, Schlaflosigkeit, psychosomatische Beschwerden, vermehrter Alkoholkonsum. Bei fortgeschrittenem Burn-out bestehen aus medizinischer Sicht meist ein psychophysischer - also seelischer und körperlicher - Erschöpfungszustand, eine Erschöpfungsdepression, Überforderungs- und Angstzustände oder psychosomatische Krankheitsbilder, mit beeinträchtiger Arbeitsfähigkeit.

Sind wegen der Wirtschaftskrise mehr Menschen am Burn-out-Syndrom erkrankt?

Flury: Viele Menschen sind durch die Wirtschaftskrise vermehrt unter Druck, durch Umstrukturierungen, Arbeitsverlust oder Angst davor. Burn-out läuft aber nicht rein linear zur Konjunkturentwicklung: Einerseits nehmen Burn-out-Fälle in Krisenzeiten etwas zu. Anderseits erhöhen in Krisenzeiten viele, die bereits stark belastet sind, aus Angst vor Jobverlust ihren Einsatz noch zusätzlich, weshalb sie eher längerfristig bedroht sind, an einem Burn-out zu erkranken. Gerade in Aufschwungzeiten mit mehr Mobilitätschancen auf dem Arbeitsmarkt stehen Burn-out-Betroffene manchmal mehr zu ihren Schwierigkeiten und suchen Behandlung.

Welche Personen sind vor allem gefährdet?

Flury: Häufig betroffen sind Männer, die lange einer grossen beruflichen Belastung ausgesetzt waren, insbesondere wenn diese nicht nur ein grosses Arbeitsvolumen beinhaltete, sondern mit geringen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, grosser emotionaler Belastung sowie fehlender Anerkennung oder gar Infragestellung verbunden war. Häufig handelt es sich dabei um Menschen aus dem Dienstleistungssektor, aus dem mittleren Kader grosser Firmen mit hohem Umstrukturierungsdruck, aus Kleinbetrieben in der Aufbauphase, Ärzte, Pflegepersonal oder Lehrer. Aber auch Frauen mit Mehrfachbelastung - alleinerziehend, unter finanziellem Druck teilzeiterwerbstätig, allenfalls noch in der Betreuung und Pflege eigener Angehörigen tätig - sind immer stärker betroffen.

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Wie werden Burn-out-Patienten in der Klinik Schützen in Rheinfelden behandelt?

Flury: Am Anfang stehen - ergänzend zu ambulanten Voruntersuchungen - Abklärungen aus psychiatrisch-psychotherapeutischer und ärztlich-somatischer Sicht. Darauf gestützt wird ein individuelles Behandlungsprogramm entworfen, das anfänglich auf Symptomreduktion - zum Beispiel Abbau depressiver Symptome - sowie körperliche und seelische Regeneration zielt. Parallel dazu wird besprochen, was in der individuellen Situation Burn-out auslöst und unterhält beziehungsweise wie Veränderung gefördert werden kann im Bereich der Lebenssituation der Betroffenen - in ihrer Arbeitssituation oder in der Freizeit- und Beziehungsgestaltung - und im Bereich persönlicher Haltungen und Bewältigungsstrategien. So werden perfektionistische Ansprüche abgebaut, und Selbstwahrnehmung wird gefördert.