MULTI-MANAGER .

Ende August 2007 konnten europäische Anleger nach Angaben des Londoner Datenanbieters Lipper FERI unter 3731 Multi-Manager-Fonds wählen. Der Begriff «Multi-Manager» umfasst Finanzprodukte wie Funds of Funds und Managers of Managers sowie neue Mischprodukte, sogenannte Hybrid-Fonds, die in den letzten Jahren allesamt stark an Beliebtheit gewonnen haben. Bei diesem umfangreichen Angebot müssen die Anbieter von Multi-Manager-Produkten zunehmend beweisen, dass sie klare Vorteile gegenüber ihren Wettbewerbern und traditionellen Fonds bieten.

Funds of Funds sind in der Regel die bevorzugte Wahl der Privatanleger. Mehr als 90% der Multi-Manager-Fonds, die zum 31. August in Europa verfügbar waren, waren Funds of Funds (siehe Tabelle). Mit einer kleinen Anlage in ein einzelnes Produkt erhalten Fund-of-Funds-Anleger Zugang zu mehr geografischen Regionen, Anlagekategorien und Anlagestilen als bei Einzelstrategie-Fonds. Dadurch können die Anleger Risiken vermindern und den Turbulenzen an den volatilen Aktienmärkten, wie sie in der zweiten Jahreshälfte 2007 auftraten, zumindest teilweise entgehen.Funds of Funds werden in zwei Kategorien unterteilt, die jeweils Vor- und Nachteile aufweisen: Fonds, deren Produktauswahl sich auf unternehmenseigene Fonds beschränkt (sogenannte «fettered» Fonds), sind in der Regel kostengünstig. Fonds mit offener Architektur («unfettered» Fonds) bieten dem Anleger Zugang zu einer breiteren Palette von Drittfonds, erheben jedoch in der Regel auch höhere Gebühren.

Spezialisierte Manager

Manager-of-Managers-Produkte investieren mittels spezialisierter Fondsmanager in unterschiedliche Anlagebereiche und können auf spezifische Risiko- und Peformanceanforderungen zugeschnitten werden. Managers of Managers wählen spezialisierte Fondsmanager aus, da sie sich von deren Expertise eine Outperformance gegenüber Einzelstrategie-Fonds erhoffen. Während Manager-ofManagers-Produkte bisher hohe Mindestanlagesummen voraussetzten, sind sie in letzter Zeit zunehmend auch für Privatanleger interessant geworden. Die Gebühren sind normalerweise niedriger als bei Funds of Funds, die Auflösung eines separat geführten Kontos kann sich jedoch als schwierig erweisen, da diese gewöhnlich mit einer Mindestkündigungsfrist versehen sind.Neu unter den Multi-Manager-Produkten ist der Hybrid-Fonds. Dabei handelt es sich um eine Mischform aus einem Manager-of-Managers-Fonds und einem Fund of Funds. Der Fondsmanager kann dabei in Drittfonds investieren und gleichzeitig Spezialisten einsetzen, die separate Mandate betreuen, wenn kein bestehender Fonds den Ansprüchen des Anlegers entspricht. Unter den Multi-Manager-Produkten, die in den 20 Monaten bis August 2007 aufgelegt wurden, dominierten die Fund-of-Funds-Produkte (siehe Tabelle). Sie verzeichneten auch den grössten Anteil der Mittelzuflüsse.Obwohl Multi-Manager-Produkte zunehmend beliebter werden, fragen sich einige Anleger, ob der zusätzliche Mehrwert die zumeist höheren Gebühren, vor allem bei Funds of Funds mit offener Architektur, rechtfertigt. Ins Blickfeld gerückt wurde diese Frage durch die steigende Anzahl von Fondsplattformen, die den Anlegern die Möglichkeit bieten, auf relativ einfache Weise ihr eigenes Portfolio zu kreieren und zu verwalten. Die Gesamtkostenquote der Funds of Funds kann in einigen Fällen 3% oder mehr betragen. Anleger müssen deshalb analysieren, was sie für diese Gebühren erhalten.

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Kritische Anleger

Um den wachsenden Erwartungen der Anleger gerecht zu werden, müssen Multi-Manager-Produkte ausgefeilte Verfahren für die Asset-Allokation und das Risikomanagement vorzeigen können. Es reicht nicht aus, die führenden Fonds der verschiedenen Sektoren auszuwählen oder Manager aufgrund ihrer Anlageregion einzusetzen. Anleger ziehen absolute Erträge den relativen Gewinnen vor und hinterfragen zunehmend die Methoden zur Manager- und Fondsauswahl sowie das Risiko-Rendite-Profil, das sich aus der Fondszusammensetzung ergibt.Multi-Manager müssen deshalb belegen, dass sie mittels quantitativer und qualitativer Analysen der Portfoliokonstruktion und einer aktiven Asset-Allokation einen Mehrwert erzielen. Ihnen stehen zunehmend komplexere Instrumente zur Verfügung, und Anleger wollen sehen, dass diese auch tatsächlich effektiv eingesetzt werden. Grundvoraussetzung ist dabei der Zugang zu einer breiten Palette von Wertpapieren, darunter Exchange Traded Funds, Rohstoffe, Immobilien, Anlagefonds, Hedge-Fonds, strukturierte Produkte und Derivate. Daneben investieren einige der erfolgreichen Multi-Manager auch in Agrarrohstoffe wie Zucker, Baumwolle, Weizen und Getreide sowie in Metalle, darunter Silber und Gold.Einige Fondsgruppen legen die Messlatte für die Anlegererwartungen höher, indem sie komplexe Anlageinstrumente und -techniken verwenden. Einigen wenigen ist es gelungen, eine ausserordentlich starke Outperformance zu erzielen. Diese Anbieter werden sich voraussichtlich in den kommenden Jahren von der breiten Masse abheben, indem sie ihre Anlagekapazitäten voll ausschöpfen und dadurch die Vorteile des Multi-Manager-Ansatzes aufzeigen.