Nein, Grösse an sich ist nicht unbedingt erstrebenswert. Kleinere Unternehmen können strategisch besser aufgestellt sein als grosse Konzerne – was derzeit besonders in der Automobilindustrie augenfällig ist. Aber: Grösse ist ein Leistungsausweis. Denn die helvetischen Umsatzgiganten sind nicht vom Himmel gefallen. Ihre Grösse ist das Resultat von unermüdlichem Einsatz von Hunderttausenden von Angestellten, meist über Jahrzehnte hinweg.

Sie ist die Folge von richtigen Managemententscheidungen in Serie. Sie ist die Konsequenz davon, dem Markt genau das zu bieten, was er sucht; nicht einmal oder zweimal, sondern immer wieder und immer wieder anders; schliesslich ändert sich das, was der Markt von den Unternehmen verlangt, stetig. Nur wenn ein Unternehmen solche Veränderungen immer wieder antizipiert, schafft es über die Jahre den Einzug in das Ranking der grössten Unternehmen der Schweiz.

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Erst Nahrung, dann Rohstoffe: Die Verschiebungen unter den 10 umsatzstärksten Konzernen in den letzten 20 Jahren.
Quelle: Handelszeitung

Kleinarbeit und tiefe Recherche

Wie schon im Vorjahr sind die Top 100 – sowie die Rankings der grössten Banken und Versicherungen, welche am 9. Juli erscheinen werden – das Resultat von aufwendiger Kleinarbeit und tiefer Recherche. Und das Produkt der Zusammenarbeit zwischen der «Handelszeitung» und Bisnode Schweiz. Die Daten des auf Kredit-, Geschäfts- und Marktinformationen spezialisierten Unternehmens mit Sitz in Urdorf ZH helfen nicht nur der «Handelszeitung» dabei, die Top-100- und die Top-70-Rankings zu erstellen, sondern auch anderen Unternehmen, Geschäftsentscheidungen auf solider, verlässlicher Grundlage zu fällen.

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Nun aber hinein in die Daten. Auffällig sind zunächst vor allem fünf Besonderheiten:

Erstens ist die Schweiz zwar ein rohstoffarmes Land, aber ein Land, das reich an grossen – sehr grossen – Rohstoffhändlern ist. Dreistellige Milliardenumsätze machen in der Schweiz nur Unternehmen der ­Rohstoffbranche – und gleich fünf von ihnen rangieren auf den fünf Spitzenplätzen: Vitol als Nummer 1, Glencore als Nummer 2, Tra­figura als Nummer 3. Und auf den folgenden beiden Rängen 4 und 5 haben Cargill und Mercuria die Plätze getauscht.

Fast unveränderte Spitzenplätze

Zweitens sind die Spitzenplätze der Top 10 scheinbar fast fix ver­geben. In den Top 12 gab es von 2018 und 2019 nur eine einzige Verschiebung – das leichte Wachstum von Cargill hat es dem Unternehmen ­erlaubt, Mercuria bei gleichem Umsatz um einen Rang nach unten zu drücken.

In den Top 20 kam es ebenfalls bloss zu fünf Rangverände­rungen. Nur ein einziges Unternehmen – der Verpackungsgigant Tetra Laval im Besitz der schwedischen Familie Rausing – schaffte es neu unter die grössten zwanzig Firmen.

Die Top-Listen

Die grössten Unternehmen der Schweiz: Wer sind die Umsatzmilliardäre in der Schweiz? Wo sind sie domiziliert? Welche Branchen schwingen obenauf? Die digitale Liste zu den Top-100-Unternehmen können Sie ab sofort online bestellen.

Die Liste der grössten Banken und Versicherungen erscheint am 9. Juli 2020 in der «Handelszeitung». Die digitalen Listen können Sie ab Erscheinungsdatum online bestellen.

Drittens fällt auf, dass viele der ganz grossen Unternehmen nicht an der Börse präsent sind, sondern privat gehalten werden. Dazu gehören neben diversen Rohstoffhändlern und der bereits erwähnten Tetra Laval in den Top 50 die beiden Detailhändler Coop und Migros, der Genfer Reederei-Konzern MSC im Besitz der Familie Aponte, der Baumaschinenriese Liebherr, Europas grösster Autohändler Emil Frey, die Staatsbetriebe SBB und Post, die Bauerngenossenschaft Fenaco, der Werkzeughersteller Hilti (wir zählen ihn, obwohl in Liechtenstein domiziliert, gerne zu den Schweizer Unternehmen), der Genfer Retail-Konzern Maus Frères und der Vorzeigeuhrenhersteller Rolex.

Viele unbekannte Unternehmen

Viertens gibt es unter den grössten Schweizer Unternehmen erstaunlich viele erstaunlich ungeläufige Namen.

  • CRH Gétaz zum Beispiel. Die Holding mit Sitz in Näfels GL ist im Handel mit Baustoffen aktiv und macht geschätzte 2,5 Milliarden Franken Umsatz (Rang 89).
  • Oder die Kolmar Group (Rang 61): Sie ist Zug beheimatet, im Ölhandel aktiv – und wurde von einer Frau gegründet, von Ruth Sandelowsky, Chefin und Präsidentin des Unternehmens.
  • Oder Rehau (Rang 64), der Kunststoffkonzern der Familie Wagner mit Sitz in Muri bei Bern.

Fünftens schliesslich zeigt die Liste, dass auch noch richtig junge Unternehmen schnell wachsen können, wenn sie den Nerv der Zeit treffen. Lidl Schweiz zum Beispiel eröffnete erst 2009 die erste Filiale im Land und setzt zehn Jahre später bereits 1,4 Milliarden Franken um (Rang 147). Ebenfalls Milliardenkonzerne sind die noch jungen Unternehmen Zur Rose (Rang 151), mittlerweile Europas grösste Versandapotheke, oder der Online-Händler Digitec Galaxus (Rang 168).

Unter Milliardenschwelle gesunken

Diverse Unternehmen gehören 2019 nicht mehr zu den Umsatz­milliardären, sind also nicht mehr im Ranking enthalten: Bei Bystronic Lasser, Cisco Systems, Rieter und Ringier (der Verlag ist über ein Joint Venture mit der «Handelszeitung» verbunden) ist der Umsatz 2019 unter die Milliardenschwelle gesunken.

Andere grosse Unternehmen liefern keine Informationen mehr für das Ranking, dazu gehören Delicia und Siemens Building Technologies (der Umsatz des Unternehmens ist jedoch enthalten bei Siemens Schweiz, Rang 99).

Die Liste der Umsatzmilliardäre des Jahres 2019 enthält mit 186 Einträgen sieben Einträge mehr als die Liste des Jahres 2018. Aufgestiegen sind unter anderem Agrola, SoftwareOne, Tech Data und die Service Industriel ­Genève.

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Nächstes Jahr – das ist bereits heute klar – wird die Liste wieder kürzer werden. Denn aufgrund der Corona-Krise werden die Uhrenmarken Tissot und Audemars Piguet 2020 so gut wie sicher weniger verkaufen als 2019. Und auch für diverse andere Unternehmen ab Platz 170 könnte es eng werden.

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