Die Aufzucht von Fisch rückt in den Fokus der Lebensmittel­industrie. Denn: Erstmals in der Geschichte verzehrt die Welt mehr Fisch aus der Zucht als vom offenen Meer, milliardenschwere Übernahmen in der Branche sind die Folge. So kaufte der US-Gigant Cargill jetzt für 1,5 Milliarden Dollar den norwegischen Fischfutterhersteller Ewos. Bereits im April wurde Konkurrent ­Nutreco für vier Milliarden veräussert.

Der Akquisitionsreigen kommt nicht von ungefähr. Der Fischkonsum nimmt in einem schnelleren Tempo zu als der Verzehr von Rind- und Hühnerfleisch. Das liegt an der wachsenden und zunehmend wohlhabenden Weltbevölkerung, die sich des gesundheitlichen Nutzens von Fischen und Meeresfrüchten bewusst ist.

Die Nachfrage nach Fisch soll bis 2050 um 70 Prozent zulegen und in den kommenden Jahren das Angebot übertreffen. Sie ist nur mit Hilfe von Aquakulturen - die Zucht in Seen und Küstengewässern - zu befriedigen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird der Fischkonsum bis 2030 auf 261 Millionen Tonnen steigen, das Angebot wird auf 211 Millionen Tonnen geschätzt.

«Aquakulturen sind in der Schweiz ein Trend»

In der Schweiz werden jährlich 72'000 Tonnen Fisch verspeist, 96 Prozent davon sind importiert. Das soll sich ändern. «Aquakulturen sind in der Schweiz ein Trend, man will lokal produzieren», sagt Ronald Herculeijns. Zusammen mit 15 Investoren lässt er derzeit in Lostallo für ­einen zweistelligen Millionenbetrag eine Anlage zur Aufzucht von Lachs bauen. Jährlich will Herculeijns dort 600 Tonnen produzieren. Weitere Projekte für afrikanischen Raubwels oder den Barramundi sind in der Schweiz in frühen Entwicklungsphasen.

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Zurzeit gibt es weltweit eine regelrechte Welle an Übernahmen und Fusionen. Im April übernahm die niederländische SHV Holdings den Lachsfutterlieferanten Nutreco für vier Milliarden Dollar – nachdem Cargill ein Konkurrenzangebot zurückgenommen hatte. Im November hatte die Mitsubishi Corporation, Japans grösstes Handelshaus, den norwegischen Lachsfarmer Cermaq für 1,4 Milliarden Dollar erworben.

(mit Bloomberg-Material)