Der Chemiekonzern Bayer hat eine erste Offerte für Monsanto unterbreitet: 62 Milliarden Dollar wollen die Deutschen für den amerikanischen Saatguthersteller bezahlen. Kommt der Kauf tatsächlich zustande, würde Bayer zum weltweit grössten Agrarchemie-Produzenten aufsteigen und den Basler Wettbewerber Syngenta überrunden. Für ein erstes Angebot sei der Preis «ziemlich hoch», kommentierte ein Händler den Vorstoss. Ähnlich sehen es offenbar auch die Aktionäre, die Bayer-Titel verloren bis 13 Uhr über 3 Prozent.

Tatsächlich ist die Branche seit Monaten im Fusionsfieber, die kolportierten Preise erreichen immer neue Superlative. Monatelang mühte sich Monsanto um Syngenta, im vergangenen Sommer blitzte man beim Basler Konzern jedoch ab – zuletzt hatten die Amerikaner nach schier endlosem Hin und Her 47 Milliarden Dollar für die Schweizer geboten. Doch der Coup scheiterte am Widerstand der Syngenta-Führung.

Noch im März wollte Monsanto bei Bayer zukaufen

Nach der Absage wuchs bei den Amerikanern  ausgerechnet der Appetit auf die Agrarchemie-Sparte von Bayer: Medien berichteten noch Mitte März von einem Monsanto-Interesse an Crop Science. Im Raum stand eine Übernahme von über 30 Milliarden Dollar. Insidern zufolge sah Monsanto wertvolle Synergien zwischen dem eigenen Saatgutgeschäft und dem Pflanzenschutzgeschäft von Bayer. Nun scheinen die Deutschen diese Synergien offenbar selbst zu sehen – und drehen den Spiess mit ihrem Kaufangebot an Monsanto um.

Für grosse Dynamik am Markt brachte zu Jahreswechsel die Mammutfusion der beiden führenden Chemiekonzerne Dupont und Dow Chemical. Beide waren Ende Dezember 2015 mit knapp 59 Milliarden Dollar bewertet. Der neue Konzern soll sich nach der Fusion wieder in drei verschiedene börsennotierte Unternehmen aufspalten, die sich auf die Bereiche Agrarchemie, Kunststoffe und Spezialchemikalien konzentrieren.

Syngenta-Deal von Chemchina bricht chinesische Rekorde

Kurz vor der Fusion hatte Syngenta Ende 2015 selbst mitgeteilt, sich eine Partnerschaft mit Dupont gut vorstellen zu können. Mittlerweile kam alles anders: Im Frühjahr wurde bekannt, das sich die chinesische Chemiefirma Chemchina die Basler einverleiben und dafür 43 Milliarden Franken auf den Tisch legen will. Dafür müssen sich die staatlich unterstützten Chinesen offenbar kräftig verschulden. Wie so oft in den vergangenen Monaten sprengt auch dieser Deal die bislang beobachteten Dimensionen: Nie hat eine chinesische Firma mehr Geld für einen Firmenkauf in Aussicht gestellt.

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