Den ersten Test besteht Oliver P. Künzler mit Bravour: Beim Rundgang durch die geschmackvoll möblierten Arbeitsräume entsteht keine falsche Hektik, wenn der Chef auftaucht. Wer gerade Pause macht, verdrückt sich nicht. Ein untrügliches Zeichen für ein gutes Betriebsklima.

«Uns liegt viel daran, dass sich die Mitarbeitenden wohl fühlen», sagt Künzler. Mit «uns» meint er auch seinen Partner Filippo Zanchi. Zusammen haben die beiden alle Höhen und Tiefen eines Start-up durchgemacht. Dass ein gutes Betriebsklima bei Trendcommerce so hoch gewichtet wird, hat nicht zuletzt mit dem grossen Bedarf an spezialisierten Mitarbeitern zu tun. Alleinstellungsmerkmal des KMU ist eine Art Generalunternehmertum. Der Begriff stammt zwar aus der Baubranche, wo es darum geht, den Bauherrn von zeitraubenden Verhandlungen mit Ansprechpartnern zu entlasten. Aber er lässt sich nahtlos auf diesen Dienstleister übertragen, der im Laufe seiner Firmengeschichte zum Vollservice-Anbieter für das Dialogmarketing mutiert ist.

Die Entwicklung dazu erfolgte harmonisch. So harmonisch, dass sogar die ersten Sackgeldquellen des jungen Künzler ins Bild passen. Sein Grossvater handelte bereits mit Adressen und gehört zu den Pionieren: Aufgrund von Geburtsanzeigen adressierte er sich beispielsweise an glückliche Eltern und machte ihnen Nestlé-Babynahrung schmackhaft. Sein Enkel verdiente ziemlich gut, indem er bei seinem Vater, der das Geschäft mittlerweile zu einem grösseren Direktmarketing-Betrieb ausgebaut hatte, jobbte. «Der Stundenlohn war anständig, an Wochenenden sogar lukrativ. Mit Sonntags- und Nachtschichtzulage gegen die 40 Fr.», erinnert sich Künzler.

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Auch ein Katzenfutter-Händler

Die Weichen für die Gründung von Trendcommerce wurden, wie so oft, durch wenig erfreuliche Umstände, die sich hinterher als Glücksfall erwiesen, gestellt. Um es kurz zu machen: Oliver P. Künzler und sein Weggefährte Filippo Zanchi fühlten sich nach einer Management-Rochade im väterlichen Geschäft nicht mehr verstanden und wählten den Weg in die Selbstständigkeit. «Nicht, dass alles auf Anhieb einfach geklappt hätte», räumt Künzler ein. Aber selbst dort, wo es noch haperte, wird heute erfolgreich operiert.

Die Rede ist etwa von der Idee, sich einen Teil vom stark wachsenden Markt für Katzenfutter abzuzwacken. Der ausgewählte Partner - damals Effems - musste passen, weil das Mutterhaus in den USA den Zorn der Detailhändler fürchtete. Heute gehört dieser auf eigene Rechnung und unter eigenem Tiernahrungs-Label lancierte Unternehmenszweig zu den erfolgreichsten, weil immer mehr Tierfreunde froh sind, wenn sie das Menü für ihre Lieblinge à la carte und per Abo bestellen können.

Künzler und Zanchi setzten ihren Weg unbeirrt fort und eroberten sich Stück um Stück vom angestrebten Vollservice-Angebot für das Dialogmarketing. In atemraubend kurzen Abständen wurden die Geschäftsfelder mosaikartig aufgebaut, aber so zielgerichtet, dass sie erlauben, dem Kunden alles aus einer Hand anzubieten. «Unser Ziel war immer, dass er sich auf seine Kernaktivitäten konzentrieren kann», umschreibt Zanchi die Unternehmensphilosophie.

Sie steht auf vielen Pfeilern, die sich ergänzen. Trendcommerce erlaubt einem Kunden, Mailing-, Lettershop und Document-Fulfillment-Aktivitäten in x-beliebigen Sorten und Varianten zu produzieren und zu verwalten. Bei «Printone» stehen ihm sämtliche Möglichkeiten des klein- und grossformatigen Farbdigitaldrucks in Offsetqualität zur Verfügung und bei «Callworld» und «Dialogworld» die Kundeninteraktion auf der Basis des topmodernen Telefonmarketings. Wobei Künzler betont, dass die Stärke im Outbound-Bereich liegt. Darunter wird das anspruchsvollere Geschäft mit Nachfass-Calls, Kundenakquisition sowie -reaktivierung verstanden. «Es geht nicht darum, Angerufene zu belästigen, sondern sich mit ausgewählten Kunden über ihre Präferenzen zu unterhalten», erklärt Künzler. Die Erfolgquote ist hoch. Pro Jahr werden 3,8 Mio solcher Calls gemacht. In zwei von zehn Fällen sind sie von Erfolg gekrönt.

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Grossauftrag aus dem «Ländle»

Vor Kurzem wurde der jüngste Mosaikstein eingefügt. Mit dem Outsourcing-Auftrag der Druck- und Verpackungsdienstleistungen für die Liechtensteinische Landesbank und die Verwaltungs- und Privat-Bank ist Trendcommerce in den Olymp der Dienstleister im sensitiven Document-Fulfillment aufgerückt: Künftig werden alle vollfarbigen Bankbelege - FMA/FINMA-konform und SAS70-auditiert - im eigenen Hochsicherheitsdruckzentrum in Schaanwald FL aufbereitet, gedruckt, gesammelt und verpackt. All dies unter höchsten Sicherheitsbedingungen.