Auch die Download-Szene in der Schweiz hat eine Phase der Konsolidierung hinter sich. Einige Anbieter wie one2joy haben ihre Internetpräsenz bereits wieder eingestellt oder werden sie wie i-m von Migros bald beenden. Andere beschränken sich auf den Bestellkanal World Wide Web, liefern aber nur per Post. Wieder andere wie Mycokemusic haben sich dem mit deutlichem Abstand grössten Anbieter an die Brust geworfen, dem iTunes Store von Apple, der unterdessen auch Software und Filme anbietet – zumindest in den USA; hierzulande wird das Geschäft erst ins Rollen kommen.

Markt von 7,5 Millionen Franken

Über die Geschäftszahlen schweigt sich die Branche aus, auch von Apple ist über Marktzahlen nichts zu vernehmen. Doch inzwischen sickern aus den schmalen Ritzen der grossen Labels wie Warner Music, EMI, Universal und Sony BMG doch einige wenige Zahlen durch. So beherrscht der iTunes Store von Apple in der Schweiz einen Marktanteil von mindestens 75% (siehe Grafik) – und das trotz der Tatsache, dass sich die Lieder nur im gleichnamigen Programm kaufen und verwalten lassen. Zudem akzeptiert iTunes nur die hauseigenen MP3-Player, die iPods und das iPhone. Immerhin läuft die Software auch auf Windows-Rechnern. Apple hat es geschafft, den Begriff iPod fast zu einem Gattungsbegriff zu machen: Oft, wenn allgemein von MP3-Playern die Rede ist, wird der Markenbegriff erwähnt. Dabei gibt es noch eine Reihe weiterer Hardware-Hersteller.

Befreite Musikwelt

Der Erfolg von iTunes liegt im frühen Bekenntnis, die einzelnen Titel zwar in einem kopiergeschützten Format (AAC) anzubieten, das sich jedoch auch mit dem weltweit beliebtesten, bedienungsfreundlichen Komprimierverfahren MP3 versöhnen lässt. Vor Jahren wurde Apple-Chef Steve Jobs für sein MP3-Bekenntnis von der Musikbranche noch gegeisselt, heute hat sich seine Haltung durchgesetzt – nicht zuletzt wegen der Klagen über die Gängelung durch andere Kopierschutzverfahren.

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Strengere Vorschriften bezüglich Kopiermöglichkeiten kennt nämlich die Microsoft-Welt mit ihrem Kopierschutz-Dateiformat «WMA-DRM» (Digital Rights Management – Windows Media Audio). Dessen Fesseln lassen sich erst über das Brennen auf eine Audio-CD abstreifen, wobei die Titelinformationen, die MP3-Tags, verloren gehen. Eine weitere iTunes-Stärke ist der Einheitspreis von 1.50 Fr. pro Titel und 15 Fr. pro Album sowie die weltweite Präsenz mit inzwischen fast 7 Mio Titeln im «Regal».

Mit den attraktiveren Bedingungen soll auch die immer noch riesige illegale Download-Szene zu gesetzestreuem Tun bewegt werden. «Schwarzbrenner» müssen sich nämlich trotzdem vorsehen: Zwar ist das Kopieren auf Player und für nähere Bekannte und Verwandte ein weitgehend akzeptiertes Verhalten. Taucht aber ein Song in einer Tauschbörse auf, lässt sich der Käufer aufgrund des in der Datei hinterlegten Wasserzeichens rückverfolgen, das Kaufdatum und Kunde registriert.

Zweitgrösster Anbieter ist Ex Libris mit einem geschätzten Anteil von knapp 25%, rund 100000 Titeln pro Monat. Die Schwäche von Ex Libris ist der geringe Anteil an MP3-Titeln (20%); seine Stärke ist der mögliche Re-Download, falls die Songs verloren gingen, sowie das Angebot an Musik aus der Schweiz, das auch kleinere Labels unter Vertrag hat. Ex Libris ging zudem Partnerschaften mit Anbietern wie der Entlebucher Soundmedia ein.

Doch auch Konsolidierungen bringen neue Anbieter: So stieg der deutsche Anbieter Musicload.de, hinter dem die Deutsche Telekom steckt, kürzlich auch in den Schweizer Markt unter musicload.ch ein. Trotzdem wird das Geschäft von Darmstadt aus gesteuert. Musicload.ch kennt je nach Titel unterschiedliche Preise. Hinter den Preisen stehen für alle Download-Anbieter harte Verhandlungen vorab mit den grossen Plattenfirmen, die je nach Album, Land und Künstler rund 85% des Verkaufspreises für sich beanspruchen.

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Neben iTunes und Ex Libris haben die anderen Anbieter – Musicload.ch, Jamba (Berlin), die drei grossen Schweizer Telekomanbieter sowie das Duo MSN Music/od2music, das von Nokia gespeist wird – kaum Marktanteile. Mit Nokia ist aber ein grosser Mobile-Anbieter im Spiel, und dieser Bereich dürfte deutlich wachsen (siehe unten).