Ob hohe Nahrungsmittelpreise, Klimawandel oder die Herstellung von Biotreibstoffen: Syngenta profitiert von jeder dieser Entwicklungen. Denn sie führen alle bei den Bauern zu einer vermehrten Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln und nach Saatgut, den beiden Standbeinen des Agrochemiekonzerns, der im Jahr 2000 als Folge eines Spin-offs von Novartis und Astra-Zeneca an die Börse gebracht wurde.

Kein Wunder, hat die Syngenta-Aktie im laufenden Jahr bisher als einziger Wert im Swiss Market Index (SMI) zugelegt, sogar mit mehr als 5% – während der Index 21% abgestürzt ist.

Auch in Zukunft hat Syngenta wenig zu befürchten. Auch wenn die Preise der für Syngenta wichtigsten Getreidesorten Mais und Soja in den letzten Wochen nach ihren Höchstständen Anfang Juli wieder leicht nachgegeben haben.

Preise steigen langfristig

Das ändert aber kaum etwas am langfristigen Aufwärtstrend dieser Preise. Die Weltbevölkerung nimmt drastisch zu und in aufstrebenden Ländern wie China, Indien, Brasilien oder Osteuropa steigt der Reichtum. Das führt weltweit zu einem grösseren Fleischkonsum, was die Nachfrage vor allem nach Mais und Soja erst recht anfacht. Für eine Kalorie Rindfleisch sind 10 Kalorien Getreide notwendig. Mais und Soja werden dabei den Tieren bevorzugt verfüttert.

Die weltweit zunehmende Wasserknappheit und witterungsbedingte Herausforderungen – auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel – machen Syngenta-Produkte für Bauern besonders attraktiv, um ihre Pflanzen vor den Umwelteinflüssen zu schützen.

Mit ihren Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden ist Syngenta Weltmarktführer. Die Sparte der Pflanzenschutzmittel dominiert im Konzern noch immer. Das zeigt sich sowohl beim Umsatz wie auch bei der Profitabilität: 7,3 Mrd Dollar hat Syngenta im letzten Jahr mit diesen Produkten umgesetzt. Die Ebitda-Marge belief sich auf beachtliche 25%.

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Auf den ersten Blick schwach erscheint dagegen das zweite Standbein des Konzerns, das Segment Saatgut. Nach Monsanto und DuPont steht Syngenta hier weltweit an dritter Stelle. Die Ebitda-Marge des Bereichs belief sich im letzten Jahr bloss auf 5%, die Umsätze beliefen sich weltweit auf 2 Mrd Dollar (wovon mit 900 Mio Mais und Soya dominierten). Nach Abzug aller Kosten resultierte sogar ein Verlust von 16 Mio Dollar.

Tatsächlich geht in diesem Segment die Post ab. Syngenta hat sich zum Ziel gesetzt, die Ebitda-Marge von Saatgut bis 2011 auf 15% zu verdreifachen. Analysten trauen dem Unternehmen das auch zu. Der Konzern investiert hier viel in Forschung und Marketing. Nur dank diesen Kosten weist das Saatgutgeschäft derart tiefe Gewinnzahlen aus. Der Umsatz dagegen wächst weiterhin zweistellig, allein im 1. Quartal 2008 um 13%.

Höhere Margen mit GM-Food

Deutlich höhere Margen verspricht vor allem die Gentechnologie. Hauptsächlich durch ein stärkeres Engagement im Bereich der GM-Produkte (für Genetically Modified) will Syngenta seine hoch gesteckten Ziele beim Saatgut erreichen.

Weil die Europäer davon noch immer wenig halten, findet diese Entwicklung hauptsächlich in den USA statt, dem weltweit grössten Agrarmarkt. Dank dem Kauf der GM-Unternehmen Garst und Golden Harvest hat Syngenta in den USA bereits einen Marktanteil von 14%.

Wie hoch die Gewinnerwartungen in diesem Bereich sind, zeigt sich bei Monsanto, deren Saatgut bereits zu 95% genmodifiziert ist. Die Monsanto-Aktie hat in den letzten zwölf Börsenmonaten um ganze 73% zugelegt.