Die Wirtschaftskrise sorgt in der Luftfahrt für rückläufige Passagierzahlen, vor allem bei Geschäftsreisen. Wie stark leidet Swiss?

Rudolf Schumacher: Die Nachfrage aus dem Geschäftsreisesegment hat in der Schweiz generell um rund ein Viertel abgenommen. Dazu kommt, dass die Geschäftsreiserichtlinien teilweise geändert wurden. Einige Firmen lassen nur noch für die Geschäftsleitung Europaflüge in der Business zu, einige haben auch auf der Langstrecke Einschränkungen erlassen.

Gibt es nebst all den Sorgen auch Freuden?

Schumacher: Dank vielen frühzeitig eingeleiteten Massnahmen, etwa Aussteuerung der Verbindungen, attraktiven Preise für die Business oder internen Kostenreduktionen, steht Swiss im Vergleich zu andern Mitbewerbern sehr gut da. Wir haben auch Marktchancen genutzt und mit Oslo und Lyon zwei neue Ziele ab/bis Zürich eröffnet. Wir sind mit der Entwicklung dieser beiden Strecken auch sehr zufrieden.

Wann geht es endlich wieder aufwärts?

Schumacher: Es gibt deutliche Anzeichen, dass die Talsohle zumindest im Geschäftsreiseverkehr erreicht ist. Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage allmählich erholen wird. Genaue Prognosen sind aber momentan einfach nicht machbar.

Wohin geht der Trend bei den Geschäftsreisenden: Buchen sie nicht mehr, fliegen sie weniger oder reisen sie billiger?

Schumacher: Wir sehen unterschiedliche Trends. Auf den Europastrecken stellen wir fest, dass nicht weniger, dafür öfter in der Economy geflogen wird. Auf den Langstrecken nutzt die Mehrzahl unserer Geschäftskunden nach wie vor die Business.

Gibt es überhaupt noch Konzerne oder KMU, die sich die First leisten können?

Schumacher: Ja, das gibt es. Auf der anderen Seite gibt es Firmen, die auf Business Jets verzichten und die Geschäftsleitung nun mit dem Linienflug unterwegs ist.

Ist die Business wieder besser ausgelastet, seit Swiss günstige Upgrades verkauft?

Schumacher: Die Offerte für Europastrecken haben wir schon länger im Angebot. Die Offerte für Langstrecken war eine Sommeraktion und für die Ferienzeit bis Ende August buchbar. Wir werden die Resultate nun auswerten. Die Verfügbarkeit richtete sich nach der Auslastung der Business und war so konditioniert, dass sie Individualreisende ansprach.

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Wurde das Business-Upgrade in Europa auch von Geschäftsreisenden genutzt?

Schumacher: Es ging nicht darum, die Geschäftsreiserichtlinien zu umgehen, sie blieben auch beim Upgrade bestehen und waren daher für Geschäftsreisende wenig geeignet. Vor allem bei sehr langen Flügen wurde vom Angebot rege Gebrauch gemacht. Aber auch die Entwicklung in Europa hat uns positiv überrascht.

Was hat die Upgrade-Aktion bislang gebracht und wird sie allenfalls verlängert?

Schumacher: Diese Zahlen veröffentlichen wir nicht. Ob die Upgrade-Aktion verlängert wird, ist noch offen.

Was unterscheidet Swiss in der Business von der Konkurrenz?

Schumacher: Mit der Einführung des Airbus A330-300 bieten wir ein innovatives Konzept mit optimaler Anordnung in der Kabine. Der neue Sitz verwandelt sich in eine horizontale Zwei-Meter-Liege mit individuell einstellbarem Luftkissensystem. Zum Arbeiten stehen grosszügige Flächen zur Verfügung. Mit dem prämierten Menükonzept Swiss Taste of Switzerland und dem modernen Inflight-Entertainment- System ist für Gaumenfreuden und Entspannung an Bord gesorgt. Im Weiteren bietet Swiss mit Lufthansa und den Partnern der Star Alliance ein umfassendes Streckennetz, bequeme Direktflüge sowie vielseitige Umsteigemöglichkeiten.

Und was macht Swiss in der Business besser als die Konkurrenz?

Schumacher: Diese Frage müsste man den Kunden stellen. Neben der Pflege unserer bekannten Stärken wie Gastfreundschaft und Qualität investiert Swiss laufend in Technik, Produkt oder Flotte.

Zwei Schlüsselfaktoren für Geschäftsreisende sind Flexibilität und Kurzfristigkeit - heute wissen sie, dass sie morgen fliegen müssen oder nicht. Wird infolge der Krise mehr umgebucht oder annulliert?

Schumacher: Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Firmen heute in der Lage sind, ihre Geschäftsreisen nach Bedarf kurzfristig zu planen. Die Möglichkeit, Swiss-Tarife innerhalb eines Tickets zu kombinieren, erhöht die Flexibilität und ermöglicht massgeschneiderte Fluglösungen.

Wie entwickeln sich für Geschäftsreisende bei Swiss auf den Winter 2009/10 die Tarife? Wird Fliegen noch billiger?

Schumacher: Wir überprüfen die Preisstrukturen regelmässig. In Europa werden die Tarife seit Juli schrittweise überarbeitet. Interkontinental passt Swiss ab September die publizierten Langstreckentarife in der Business aus der Schweiz nach all ihren Flugzielen an. Dies trägt der heutigen Nachfragesituation Rechnung und bringt unseren Kunden attraktivere Business-Tarife mit einer Vereinheitlichung der Konditionen. Je nach Destination und Buchungsklasse ergeben sich dadurch deutliche Vergünstigungen.

Konzerne haben mit Swiss ausgehandelte Verträge. Was bietet Swiss den KMU?

Schumacher: Das kostenlose Programm Swiss Partner Plus Benefit ist auf sie zugeschnitten. Das KMU sammelt dabei Punkte bei Flügen mit Swiss, Lufthansa und sieben weiteren Partnern. Diese lassen sich in Freiflüge, Upgrades, Barauszahlungen oder Sachprämien eintauschen. Als Ergänzung empfehlen wir unseren Kunden ein Reisekostenmanagement mittels eines Company Account von AirPlus. Damit haben sie Zugriff auf ein einfaches und zentrales Abrechnungssystem zum Bezahlen und Auswerten ihrer Geschäftsreisen.

Worin unterscheidet sich dieses Programm von Swiss Business Direct?

Schumacher: Swiss Business Direct ist ein kostenloser und individueller Service für Schweizer Firmen, die ihre Geschäftsreisen auf www.swiss.com direkt einbuchen möchten. Dabei haben sie Zugriff auf vordefinierte Reiseprofile sowie Vorzugstarife auf ausgewählten Strecken. Im Vergleich zu normalen Online-Buchungen fallen keine zusätzlichen Gebühren an.

Mit Partner Plus Benefit kann man für die Firma Punkte sammeln. Was heisst dies für die privaten Miles-&-More-Punkte?

Schumacher: Beides sind Incentive-Modelle und unabhängig voneinander - man profitiert also zweimal.

Lassen sich die KMU ihre Punkte in Zeiten der Krise häufiger auszahlen?

Schumacher: Wir stellen fest, dass unsere Kunden Meilen- und Punkteprogramme vermehrt nutzen. Dabei ist der Anteil der Freiflüge nicht zurückgegangen.