Welche Indikatoren haben Sie für das Weihnachtsgeschäft?

Reinhard Lange: Das Weihnachtsgeschäft ist derzeit sehr stark. In der Luftfracht haben wir in China und Asien das Problem, dass wir nicht alles fliegen können, was wir gebucht haben. Die Nachfrage kam quasi über Nacht. Betroffen sind die Verbindungen Asien-Europa und Asien-Nordamerika.

Müssen Sie Aufträge ablehnen?

Lange: Nein, die Wettbewerber können auch nicht fliegen. Jetzt bemühen wir uns um zusätzlichen Frachtraum. Allerdings haben die Airlines viel Tonnage abgebaut.

Wann hat sich der Boom abgezeichnet?

Lange: In der ersten Oktoberwoche war in China ferienhalber noch wenig los. Der Ansturm ist erst zwei Wochen alt.

Spielt sich in der Seefracht Ähnliches ab?

Lange: Die Nachfrage hat auch angezogen, aber es gibt wenig Kapazitätsprobleme.

Seit Sommer steigen die Seefrachtraten. Wirkt sich das auf die Volumen aus?

Lange: Im 3. Quartal hatten wir nur noch einen Volumenrückgang von 3,5% im Vergleich zum Vorquartal, während der Markt zweistellig schrumpfte.

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Der Margendruck wird aber anhalten?

Lange: Ja. Wenn die Raten so kräftig ansteigen, können wir das nur mit Zeitverzug weitergeben.

Werden die Seefrachtvolumen im 4. Quartal wieder zulegen?

Lange: Gegenüber dem Vorjahresquartal werden wir in den nächsten Monate zulegen. Ein Minus von 5% für 2009 scheint realistisch zu sein.

Sie konnten die Ebitda-Marge in den schwierigen ersten drei Quartalen in allen Bereichen steigern oder halten. Wird sich das bis Ende Jahr noch ändern?

Lange: Wir werden Ende Jahr sicherlich nicht wesentlich andere Margen haben als 2008 - vielleicht geringfügig niedrigere.

Nächstes Jahr wird der Gesamtmarkt wieder wachsen. Darf man von Kühne + Nagel zweistelliges Wachstum erwarten?

Lange: Ich rechne für den Markt mit einstelligen Wachstumsraten. Wir wollen mehr wachsen als der Markt, und wir haben gute Voraussetzungen dafür.

Deuten Sie die überraschende Nachfrage der letzten Tage als Zeichen einer nachhaltigen Erholung?

Lange: Das ist schwierig zu beurteilen. Die Mehrzahl der Spediteure zweifelt an der Nachhaltigkeit, was sich möglicherweise im 1. Quartal 2010 negativ auswirken kann. Insgesamt werden wir 2010 wieder ein Wachstum haben, aber so schnell werden wir nicht mehr die Volumen von 2007 und 2008 erreichen.

Profitieren Sie vom Outsourcing in der Kontraktlogistik?

Lange: Wir profitieren davon, dass wir auch in der Kontraktlogistik global aufgestellt sind. Wir sind in 60 Ländern präsent - kaum ein Mitbewerber ist grösser. Wir folgen unseren Grosskunden und können dadurch neue Länder erschliessen. Unter dem Strich wird die Kontraktlogistik dieses Jahr deshalb besser abschliessen als letztes Jahr. Dies obwohl nicht alle Kapazitäten ausgelastet sind.

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Planen Sie im Landverkehr weiterhin, bis Ende Jahr eine Übernahme in Italien oder Spanien zu tätigen?

Lange: Es bleibt unser Ziel, aber es wird langsam eng. Gute Firmen wollen lieber zuwarten, damit sie einen besseren Preis kriegen, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

Werden Sie im Landverkehr auf Ebit-Ebene erst Gewinne erzielen, wenn die Übernahme getätigt ist?

Lange: Unser Ziel ist es, das Ergebnis im Jahr 2010 gegenüber 2009 zu verbessern, unabhängig von Übernahmen.

Wie viel Prozent des Personals haben Sie bisher abgebaut? Planen Sie weitere Reduktionen?

Lange: Wir reduzierten dieses Jahr 7,1% des Personals. Weiter werden wir höchstens punktuell abbauen. Je nach Wachstum nächstes Jahr werden wir auch punktuell wieder Leute einstellen. Wir haben heute eine Produktivität, die wir noch nie erreicht haben. Wir sind sehr gut aufgestellt für einen Aufschwung.

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