MERCEDES-BENZ TRANSPORTER. Ein neuer Chef hat das Kommando übernommen, und vom Transportermodell Sprinter wurde eine neue Generation im Markt eingeführt. Dazu kommt, dass mit einem voraussichtlich neuen Gesamtabsatzrekord im laufenden Jahr, der über den im Jahr 2006 abgesetzten rund 257000 Mercedes-Benz Transportern liegen dürfte, das erste von Wilfried Porth vollständig verantwortete Geschäftsjahr zu einem Erfolg für den 48-jährigen Diplom- Ingenieur wird. «Die Nachfrage für Mercedes-Benz Transporter ist in diesem Jahr so gross wie nie zuvor. Aber leider lassen unsere Kapazitäten in den Werken Düsseldorf und Ludwigsfelde in Brandenburg keine Produktionsausweitung zu.» Diese Aussage Porths umreisst die derzeitige Situation jenes Nutzfahrzeugsegments, in dem sich alle europäischen Automobilhersteller tummeln, auch die sonst reinen PW-Hersteller wie Ford, Peugeot/Citroën oder Opel.

Seit einem Jahr hat Porth die Leitung des Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Transporter im DaimlerChrysler-Konzern inne. Zuvor war er unter anderem Chef der Omnibusfertigung und -entwicklung von MercedesBenz do Brasil, hatte eine leitende Managementaufgabe in der südafrikanischen Tochtergesellschaft und verantwortete von 2003 bis Juli 2005 als Präsident und CEO der Mitsubishi Truck and Bus Corporation die vollständige Integration der japanischen Nutzfahrzeugmarke in den DaimlerChryslerKonzern. Im April 2006 hat er als Führungskraft wieder Neuland betreten: Er übernahm den Geschäftsbereich Mercedes-Benz Transporter mit über 15500 Mitarbeitenden und acht Produktionsstätten in Deutschland, Spanien, USA, Argentinien und Vietnam. Darüber hinaus werden in den deutschen Werken für Mercedes-Benz Transporter jährlich auch über 50000 Vans für die Marken VW (Crafter) sowie Freightliner und Dodge für den US-Markt produziert. Konzernchef Dieter Zetsche hat die Sparte Transporter wegen ihrer grösseren technischen Nähe bei Antriebsstrang und Komponenten zu den Personenwagen in die Mercedes Car Group eingegliedert. Für die Mercedes-Benz Transporter gilt im Besonderen, dass es Nutzfahrzeuge sind, die in Hinsicht Komfort, Sicherheit und Dynamik nahe dem PW stehen und auch so gefahren werden können.

Umweltfreundliche Antriebe

Mit der Übernahme des Geschäftsbereichs Mercedes-Benz Transporter im Jahr 2006 war auch der komplette Modellwechsel nach elf Jahren beim Sprinter mit 1,3 Mio verkauften Einheiten verbunden. «Der Erfolg unserer Transporter liegt in ihrer Nähe zum PW. Das heisst, die Markenpräferenz zu Mercedes-Benz wirkt sich in Kundenbindung sowie der Erwartungen der Betreiber hinsichtlich Qualität und Sicherheit positiv auf Kaufentscheidungen aus», unterstreicht Porth. Und so wird der technisch versierte Manager sein Augenmerk auf kundennahe Unterscheidungsmerkmale wie Antriebstechnologien und Fahrzeugsicherheit legen. Porths Standpunkte und Ziele sind von diesen Aufgabenstellungen geprägt. Seine Aussagen dazu: «Bei den Antrieben werden wir verstärkt auf Erdgasmotoren mit Compressed Natural Gas (CGN) setzen und auf die Hybrid PluginTechnologie, mit deren Hilfe die Batterien des Hybridfahrzeugs über Nacht an der Steckdose aufgeladen werden können. Doch über allen technischen Neuheiten dürfen wir nicht vergessen, dass bei den Kunden in Europa leistungsfähige Dieselmotoren an erster Stelle stehen. Das ist für uns der Grund, weshalb wir mit Technologien wie Russpartikelfilter beim Vito, Viano, Sprinter und BlueTec beim Vario sowie weiteren innermotorischen Massnahmen auch den kommerziellen Gesichtspunkt für die Kunden fokussieren. Die Wege zum umweltfreundlichen Automobil müssen bezahlbar sein, und hier sind wir bei DaimlerChrysler auf einem guten Weg. In Japan beispielsweise fördert die Regierung die Hybridtechnologie für den Fahrzeughersteller und für den Anwender gleichermassen, und die Konzernmarke Mitsubishi Fuso ist nicht zuletzt deshalb weltweit führend auf diesem Gebiet. In Europa sind aber die Betreiber in dieser Hinsicht ziemlich auf sich allein gestellt, und deshalb werden sich auch die neuen Antriebstechnologien nur langsam durchsetzen, denn der Kostendruck spielt ja bei den Verteilerspeditionen eine sehr grosse Rolle. Für uns ist es aus den vorgenannten Gründen eine ständige Verpflichtung, Massnahmen, die der Reduzierung des Spritverbrauchs dienen, zu präferieren und den Kunden in Fragen des Energiemanagements und der Nebenkosten beratend zur Seite zu stehen.»Der Kostendruck hat längst zu einer Reihe von Kooperationen zwischen einzelnen Wettbewerbern geführt. So baut beispielsweise DaimlerChrysler in seinen Transporterwerken Düsseldorf und Ludwigsfelde für VW den Crafter. Ein anderes Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Renault und Opel im Transportersegment. Dieser Trend wird allerdings im Markt nicht weiter geführt. Der Kampf um die rund 1,2 Mio Einheiten Transporter (über 3,5 t) einschliesslich der Grosstransporter (bis zu 7,0 t) wird mit allen Haken und Ösen eines unerbittlichen Wettbewerbs geführt. Grösster Anbieter ist der Turiner Fiat-Konzern, der im Markt unter den Marken Fiat und Iveco auftritt. Zusammen bringen es die Italiener auf 190019 Einheiten, und sie haben sich auch im 1. Quartal 2007 noch einmal um 0,7 % (Fiat) bzw. 0,2 % (Iveco) gesteigert. Mercedes-Benz konnte 2006 insgesamt 181958 Fahrzeuge in diesem Marktsegment absetzen und hat im 1. Quartal 2007 nochmals den Marktanteil um 0,1% ausgebaut. Dabei ist der Sprinter (über 3,5 t) mit einem Marktanteil von 15,5 % bis zum 1. Quartal 2007 in der EU die Nr. 1 im Transportermarkt. Dichtauf folgt dann VW mit 179404 Einheiten. Die Wolfsburger mussten aber in den ersten drei Monaten 2007 beim Marktanteil einen Rückgang von 0,6% hinnehmen. Schärfster Konkurrent der Produktions-Kooperationspartner Mercedes-Benz und VW ist Ford in Köln. Im vergangenen Jahr lag diese Marke mit 153333 Einheiten zwar nur auf Rang 3, aber im 1. Quartal 2007 stieg der Marktanteil der Kölner um 0,9%. Bleiben noch die Franzosen. Renault lag 2006 mit 159200 Einheiten noch vor Ford, musste aber im 1. Quartal 2007 eine Stagnation auf der alten Position hinnehmen. In diesem Vergleichszeitraum musste Peugeot/Citroën (2006 insgesamt 135344 Einheiten) sogar einen Rückgang von 0,7% verzeichnen.

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Anspruchsvolle Kunden

Viele nationale Einzelmärkte ergeben den heiss umkämpften westeuropäischen Gesamtmarkt. Die Schweiz spielt hierbei mit rund 20 000 Einheiten naturgemäss nur eine untergeordnete Rolle, ist aber als Referenzmarkt für jeden Hersteller bedeutend. Im Jahr 2006 wurden insgesamt 20481 Einheiten in der Schweiz zugelassen, davon 3855 Mercedes-Benz. Wilfried Porth sieht in diesem Zusammenhang nicht nur die Stückzahl: «Der Schweizer Markt ist für uns auch eine technische Herausforderung. So haben wir auf Kundenwunsch einen Sprinter-Sattelschlepper 518 DCI mit 184 PS starkem V6-Motor und für leichtere Einsätze einen 515 CDI mit 150 PS im Angebot, der nur in der Schweiz erhältlich ist.» Eine weitere «Schweizer Spezialität» ist der 318 CDI Sprinter mit V6-Motor und 184 PS für Anhängerzüge mit 3,5 t. Dieses Fahrzeug ist von der LSVA befreit, unterliegt nicht dem Nacht- und Sonntagsfahrverbot und stellt sich damit auf ausdrückliche Kundenwünsche ein. Nicht vergessen werden darf auch, dass die Entwicklung des neuen Allradantriebs für den Sprinter durch wesentliche Impulse aus Schweizer Kundenkreisen realisiert worden ist.