Wäre die FDP ein Unternehmen, würde man den Zustand der Partei damit beschreiben, dass es berechtigte Hoffnung für einen Turnaround gebe, der Beweis dafür aber im operativen Geschäft erst noch erbracht werden müsse. Tatsächlich ist die FDP daran, sich aus einer ihrer schwersten Krisen herauszuarbeiten, zumindest deutet die straffere Führungsstruktur darauf hin. Wie bei einem Unternehmen, das nach Jahren des Erfolgs von Konkurrenten arg in die Defensive gedrängt wurde, sich nach Rückschlägen aber wieder aufgefangen hat, ist die Marschrichtung bei der FDP in vielen Punkten noch unklar. Irritierend für die Wählerinnen und Wähler ist vor allem die Tatsache, dass die FDP selbst in der Wirtschaftspolitik profillos wirkt. Dabei sollte gerade dieses Dossier zu den Kernthemen der Partei zählen. Zwar wurde mit dem Verein «Freunde der FDP», der von UBS-CEO Peter Wuffli präsidiert wird, ein Schritt in die richtige Richtung getan. Nach wie vor fehlt es der FDP aber an genügend Nähe zu den Wirtschaftsakteuren. Wenn Top-Führungskräfte wie Nestlé-Chef Peter Brabeck oder André Kudelski vehemente Kritik an der Politik in unserem Land üben und wie im Falle von Kudelski mit einem Wegzug aus der Schweiz drohen (siehe «HandelsZeitung» Nr. 24 vom 15. Juni 2005), ist dies indirekt auch eine Ohrfeige für die FDP. Viele Unternehmer und Manager fühlen sich und ihre Anliegen zu wenig vertreten.

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Die FDP sollte den Mut haben, sich klar als Wirtschaftspartei zu profilieren. Damit kann sie nicht nur die oberste Führungsspitze der Wirtschaft wieder stärker einbinden, sondern auch das mittlere und das breite untere Kader sowie viele Selbstständigerwerbende. Der Umstand, dass sich kürzlich die SP mit dem Thema Corporate Governance und den daraus abgeleiteten Streitpunkten Doppelmandate, Managersaläre und Aktionärsrechte in den Medien breit in Szene setzen konnte, lässt tief blicken und deutet auf ein Vakuum seitens der bürgerlichen Parteien hin. Dabei müsste gerade die FDP bei dem für die Wirtschaft wichtigen Thema Corporate Governance die Federführung haben. Wenn die FDP an ihre früheren Erfolge anknüpfen will, sollte sie entschieden die Nähe zur Wirtschaft suchen. Früher war es für viele Unternehmer und Manager eine Selbstverständlichkeit, Mitglied der FDP zu sein. Heute hüten sich viele Chefs vor einem Engagement in der Partei, weil sie Nachteile für ihre berufliche Tätigkeit befürchten.

Die FDP muss die Anliegen der Wirtschaft aufnehmen und diese politisch umsetzbar machen. Von der FDP darf ein kompromissloses Bekenntnis zur Wirtschaft und zu einer liberalen Wirtschaftspolitik mit deutlich weniger Regulierung und tieferen Steuern erwartet werden. Deutlich mehr Profil braucht die FDP auch in der Frage der Aussenbeziehungen: Als Wirtschaftspartei sollte sie sich eindeutig gegen einen Beitritt der Schweiz zu einer zentralistisch geführten und auf eine sozialdemokratisch geprägte Umverteilungsideologie ausgerichteten EUstellen, da dieser unserem Land ökonomische Nachteile brächte. Stattdessen sollte sich die FDP für den bilateralen Weg gegenüber der EU und für die Intensivierung der Handelsbeziehungen gegenüber den Wachstumsmärkten USA und Asien engagieren. Nicht zuletzt sollte sich die FDPvon ihrer Fixierung auf die SVP, die ihr u. a. mit der Forderung nach tieferen Steuern einige Wähler abgejagt hat, lösen. Unabhängig von der SVP muss die FDP zu ihrer Stärke und einem klaren, eigenständigen Profil als Wirtschaftspartei finden.