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Die neue Bescheidenheit der Bankenchefs

Neue Bescheidenheit? Die mächtigsten Chefs von Wall Street verdienen nur noch 124 Mal so viel wie ein Angestellter. Das ist halb so viel wie 2006. Die Abwärtskorrektur zeigt sich auch in der Schweiz.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 07.04.2015

Banker-Boni und die Löhne der Wall-Street-Chefs gelten als Sinnbild der Exzesse im Vorfeld der Finanzkrise. Aktuelle Zahlen zeigen dagegen die neue Nüchternheit in der amerikanischen Finanzenwelt, die sich auch in der Schweiz breitgemacht hat: Die fünf mächtigsten Wall-Street-Chefs verdienten  2014 noch 124 Mal so viel wie ein Angestellter ihrer Bank, berichtet das « Wall Street Journal». 2006 lag das Verhältnis noch bei 1:273.

Der Abstand hat sich damit um mehr als die Hälfte verringert, die Gehälter der Chefs von J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, und der Citigroup zusammengenommen betrugen 2014 noch 92,5 Millionen Dollar. Das sind pro Kopf 18,5 Millionen Dollar – 47 Prozent weniger als noch vor neun Jahren.

17 Prozent mehr für die Angestellten

Die Diskrepanz zwischen den Top- und Normalgehältern hat sich aber auch deswegen erholt, weil die US-Banker ordentlich zugelegt haben. Rund 17 Prozent mehr haben die Angestellten heute in der Tasche als noch 2006 – pro Kopf laut «Wall Street Journal» immerhin 148'740 US-Dollar.

Die gleiche Entwicklung hat auch die Schweiz vollzogen, und nicht nur bei den Gehältern der Bankenchefs. Obwohl die 1:12-Initiative lange gescheitert ist – nach der Firmenchefs noch maximal das Zwölffache ihrer Angestellten hätten verdienen dürfen – hat sich bei den Chefs einiges verändert. Bei den 20 Unternehmen im SMI nahmen die Topmanager 2014 im Durchschnitt noch knapp Hälfte ihres Vorkrisengehaltes ein, wie ein Vergleich zeigt.

UBS und Credit Suisse senkten Gehälter

Das gilt insbesondere für die grossen Schweizer Geldhäuser: Hatte der damalige UBS-Chef Marcel Ospel 2006 noch 26,6 Millionen Franken verdient, kassierte sein Nachfolger Sergio Ermotti im vergangenen Jahr 11,2 Millionen Franken. Auch bei der Credit Suisse haben sich die Verhältnisse verändert: Bankenchef Brady Dougan hat sein Gehalt ebenfalls von weit über 20 Millionen Franken jährlich auf 9,7 Millionen Franken reduziert. Er war allerdings 2011 auch schon einmal bei 6 Millionen Franken angekommen, nachdem im Vorjahr noch ein Rekordbonus von 70 Millionen Franken für Aufsehen gesorgt hatte.

Doch auch wenn sich damit das Verhältnis zwischen Top- und Normalverdienern annähert, gilt weiterhin: Die Schweizer Konzernchefs leiden ebensowenig wie ihre Kollegen aus den USA. Zumindest finanziell nicht.

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