Mehr Effizienz und ein gutes Angebot an professionell verwalteten Anlagefonds im europäischen Markt, um die Vermögensbildung für die eigene Vorsorge zu erleichtern - wer wollte dieses Ziel schon in Frage stellen? Das Ziel formulierte die EU in ihrem Weissbuch für den Ausbau des Binnenrahmens für Investmentfonds vor vier Jahren («Weissbuch der EU-Kommission» vom 15. November 2006). Damals hat sie schon festgestellt, dass viele kleinere Fonds mit zu hohen Durchschnittskosten einen Wohlfahrtsverlust zur Folge haben. Durch Senkung der Betriebskosten würden die Anlagerenditen schätzungsweise um 3 Prozent gesteigert. Mit mehr Wettbewerb, Ausbau der Freiheiten im Binnenmarkt, Erleichterung des grenzüberschreitenden Vertriebs und auch Erleichterung des Vertriebs nicht harmonisierter Fonds an institutionelle und versierte Anleger sollte dieser Wohlfahrtsgewinn realisiert werden. Trotzdem hat von 2006 bis 2010 die Anzahl Fonds in der EU gemäss Statistik des Branchenverbandes Efama um 14 Prozent von 46 200 auf 52 700 zugenommen!

Mit der Realisierung der sogenannten UCITS-IV-Richtlinie erfolgt ein weiterer Anlauf zur Realisierung des oben genannten Ziels, nachdem UCITS I bereits 1985 in Kraft gesetzt worden ist. UCITS IV erleichtert den internationalen Vertrieb in der EU durch Vereinfachung des «Vertriebsanzeigeverfahrens» (das heisst, die Aufsichtsbehörden dürfen sich selbst miteinander beschäftigen) und vereinfacht und vereinheitlicht die Informationsanforderungen an die Anleger mit einem einheitlichen Informationsdokument, den Key Investors Informations. Ausserdem regelt sie die Verfahren bei internationalen Fondsfusionen und soll so zur Marktbereinigung beitragen.

Grosse Bedeutung für die Schweiz

Die Schweizer Anbieter bleiben mit ihren Fonds weiterhin aussen vor. Obwohl die Schweiz alle UCITS-Neuerungen jeweils einseitig übernommen hat, fehlt mangels Abkommen mit der EU der Marktzugang. Der Effekt ist, dass auch die Schweiz mit EU-Fonds, die aus Sicht der EU-Kommission im Schnitt zu klein und zu teuer sind, überschwemmt wird. Die einseitige Öffnung hat weder Anlegern noch Anbietern wirkliche Vorteile gebracht. Nur eine kleinere Anzahl Fonds, die im Durchschnitt grösser und kostengünstiger sind, bedeuten für die Anleger bessere Renditen. UCITS IV ist insgesamt zu begrüssen. Leider sind aber die Steuer- und Vertriebsvorschriften in der EU nicht harmonisiert, sodass auch in der vierten Auflage der UCITS-Direktive der gewünschte Effekt kaum eintreten wird.

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Als Reaktion auf die Finanzkrise 2008/2009 und basierend auf einem Generalverdacht gegen Spekulanten präsentierte die EU-Kommission im Frühjahr 2009 einen Vorschlag zur Regulierung der Fonds und Asset-Manager von alternativen Anlagen (Alternative Investment Fund Managers Directive, kurz AIFM-Richtlinie). Unter Alternativen Anlagen wurde alles subsumiert, was nicht durch die UCITS-Richtlinie abgedeckt wurde, also alle Fonds und neu auch die Asset-Manager, die nicht öffentlich und vor allem an institutionelle Anleger gerichtete Dienstleistungen anbieten. Darunter fallen auch alle Hedgefonds, Dach-Hedge-fonds, Immobilienfonds, Private-Equity-Fonds usw. Dieser erste Entwurf sorgte bei Asset Managern ausserhalb der EU und somit auch bei jenen aus der Schweiz für Unruhe.

Dank Grossbritannien liberalere Lösung

Unter dem Deckmantel des Anlegerschutzes, der erhöhten Transparenz und Kontrolle der Spekulation waren nämlich auch klar protektionistische Vorschläge enthalten, die mit der angekündigten Stossrichtung nicht zu begründen waren. So sah der erste Entwurf einen Ausschluss von Managern und Fonds von ausserhalb der EU vor sowie eine klare Einschränkung der Anlagemöglichkeiten für institutionelle Kunden auch für Geschäfte, die ausserhalb der EU abgeschlossen worden wären. Eine Zulassung für Asset-Manager ausserhalb der EU wäre nur nach einer Frist von drei Jahren unter hohen Auflagen vorgesehen gewesen.

Gerade für das gut etablierte internationale institutionelle Geschäft aus der Schweiz heraus wäre der EU-Markt nicht mehr zugänglich gewesen. Dies hätte fatale Folgen gehabt. Die AIFM-Richtlinie widersprach damit den im Weissbuch selbst formulierten Absichten zu mehr Wettbewerb sowie zu besseren und günstigeren Produkten für alle Anleger. Eine Korrektur des ersten Vorschlags war deshalb bitter nötig.

Vor allem Grossbritannien hat die protektionistischen Elemente klar abgelehnt, lebt doch der Londoner Finanzplatz gerade von seiner Offenheit. Der Rat der EU-Finanzminister (Ecofin) einigte sich im Oktober auf einen Entwurf, der klare Verbesserungen für Asset-Manager aus Drittstaaten beinhaltete. Bis es so weit war, mussten jedoch Differenzen bezüglich Zugang von Asset-Managern und Fonds aus Nicht-EU-Staaten bereinigt werden. Auch das EU-Parlament hat inzwischen dieser Richtlinie im Grundsatz zugestimmt. Aus Schweizer Sicht bringen die nun verabschiedeten Bestimmungen wesentliche Verbesserungen im Vergleich zum ersten Vorschlag (siehe Kasten).

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Ein Marktzutritt ohne zu grosse Hürden bleibt nach wie vor die wichtigste Forderung der Schweizer Fonds- und Asset-Management-Branche. Dazu wird die Schweiz noch einige Vorkehrungen treffen müssen, ist doch die Vermögensverwaltung in der Schweiz ausser im Bereich der kollektiven Kapitalanlagen ohne Aufsicht und somit für In- und Ausländer erlaubt. Die Erweiterung der Aufsicht über die Vermögensverwaltung ist unabdingbar. Dazu wird es auch notwendig sein, den Marktzugang in die Schweiz zu regeln, wenn nicht Umgehungsmöglichkeiten offengelassen werden sollen.

Im Sinne des Schweizer Finanzplatzes

Eine Stärkung der Schweiz als Standort für diese Industrie ist ganz im Sinne der Stärkung des Vermögensverwaltungsstandortes Schweiz: Sicherheit, Verlässlichkeit der Marktteilnehmer und des Rechtssystems, kompetente Beratung und beste Qualität in der Vermögensverwaltung für versteuerte Vermögen internationaler Kunden - dies alles wird nicht ohne zusätzliche Vorschriften möglich sein. Mit einer liberalen Regelung, die in erster Linie den fairen Wettbewerb und nicht die Allmacht der Aufsicht stärkt, können die Kunden des Finanzplatzes Schweiz und dieser selbst durchaus einen Gewinn daraus ziehen.

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