Bedingt durch die Globalisierung der Kapitalmärkte stehen Banken unter dem Zwang zur internationalen Ausrichtung. Das künftige Wachstum wird daher weniger aus den Heimatmärkten, sondern vielmehr aus den Boomregionen Asien, Lateinamerika und den Golf-Staaten generiert werden müssen. Da aufgrund der Finanzkrise die Phase der stetigen Verbesserungen der Profitabilität zumindest kurzfristig beendet sein sollte, stehen die Banken vor der Herausforderung, ihre Positionierung kritisch zu überprüfen.

Finanzkrise beeinträchtigt

Zweifelsfrei wird die Krise an den amerikanischen Immobilienmärkten die Finanzdienstleistungsbranche für einen längeren Zeitraum beeinträchtigen. Bisher mussten Banken im Zuge der Subprime-Krise rund 500 Mrd Dollar abschreiben und 400 Mrd Dollar an Kapital aufnehmen. Zugleich haben die Banken weltweit rund 1,6 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung eingebüsst. Des Weiteren bleibt abzuwarten, ob die Kapitaldecke der Finanzinstitute ausreichend ist, denn die Vorstände haben diese in den letzten Jahren bewusst dünn gehalten, um ihren Aktionären eine hohe Eigenkapitalrendite zu bieten.

Investment Banking abspalten?

Gezählt sein dürften auch die Tage der grossen Finanzkonzerne vom Zuschnitt der Citigroup. Falls es der Bank nicht gelingt, die Profitabilität zu verbessern, werden Investoren dafür sorgen, dass Universalbanken mit Investment Banking, Privat- und Firmenkundengeschäft sowie Vermögensverwaltung aufgespalten und teilweise verkauft werden. Gleiches könnte auch der UBS drohen, wenn der Turnaround im Investment Banking nicht gelingt. Aktionärsaktivisten wie Olivant oder der ehemalige Chef der UBS-Investmentbank, Markus Granziol, haben bereits darauf hingewiesen, dass ihnen die Restrukturierung der Investmentbank zu langsam voran- und zu wenig weit geht.

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Selbst die reinrassigen Investmentbanken dürften ihr Geschäftsmodell in der derzeitigen Form nicht beibehalten können. Auch wenn das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen wieder anzieht, dürften verschärfte Aufsichtsregeln mehr eigene Mittel erfordern, die aber nur wenige haben. Auch für erstklassige Investmentbanken wie Goldman Sachs führt deshalb kein Weg daran vorbei, sich noch stärker in Richtung Asset Management und Private Equity zu orientieren.

Des Weiteren dürfte das Originate-to-Distribute-Modell zur Disposition stehen. Dahinter steckt das Prinzip, dass Banken Finanzierungslösungen nur noch organisieren und die daraus resultierenden Kredite nicht in den eigenen Büchern halten, sondern über komplexe Instrumente an den Kapitalmarkt weiterverkaufen. Schon jetzt ist abzusehen, dass Originate-to-Distribute ein Auslaufmodell ist. In Zukunft werden die Banken zumindest einen Teil der Kredite selbst in den Büchern behalten müssen, was wiederum Eigenkapital bindet und die Rendite drückt.

Inwieweit Investmentbanken ihr Geschäft deutlich redimensionieren müssen, hängt auch davon ab, wie es ihnen gelingt, die Opportunitäten in den Emerging Markets zu nutzen.

Denn selbst wenn sich die Lage an den Kapitalmärkten in Nordamerika weiter verschlechtert, dürften die Länder in den Wachstumsregionen Osteuropa, Asien, Lateinamerika und Naher Osten den Banken in den nächsten Jahren ein ansehnliches Ertragswachstum bescheren. Laut einer Analyse von McKinsey dürften die Erträge aus dem Investment Banking in den Wachstumsregionen im Jahr 2010 das gleiche Niveau erreichen wie in Nordamerika vor der Finanzkrise. Viele Faktoren deuteten darauf hin, dass die Schwellenländer dank der soliden konjunkturellen Entwicklung und der wachsenden Zuflüsse sich als die Gewinner zumindest in der nahen Zukunft herausstellen werden. Zudem wachse eine Welle an neuen grösseren Playern vor allem in China, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten heran, deren Nachfrage nach hochentwickelten Invest-ment-Banking-Dienstleistungen mit dem der westlichen Unternehmen durchaus vergleichbar sei.

McKinsey geht davon aus, dass sich die Erträge aus dem Investment Banking in den Emerging Markets im Zeitraum von 2007–2010 um 16% erhöhen werden, was rund 30% des Gesamtvolumens entsprechen würde (siehe Grafik). Von dem erwarteten Ertragspool in Höhe von 120 Mrd Dollar würde der Grossteil – nämlich 66% – auf Asien entfallen. Damit würde sich der Anteil der Erträge im Investment Banking aus den Schwellenländern im Vergleich zu 2005 fast verdoppelt haben.

Chance Lateinamerika

In Lateinamerika dürfte der brasilianische Kapitalmarkt, in dem rund die Hälfte der Erträge aus dieser Region generiert wird, sich am stärksten entwickeln, gefolgt von Mexiko und Chile. Ähnliches gilt für Osteuropa, wo in Russland etwa 40% der Kapitalmarkterträge zu verdienen sein dürften. Noch deutlicher dürften die Erträge aus dem wohl am schnellsten wachsenden Kapitalmarkt der Welt kommen – dem Nahen Osten. McKinsey rechnet mit einer Steigerung des Ertragpools der Banken je nach Szenario zwischen 16 und 25% im Zeitraum von 2007–2010. Die GCC-Staaten wollen bis 2020 Investments von rund 3 Billion Dollar tätigen.

Zweifelsfrei wird sich die Finanzbranche auf einen wachsenden Einfluss neuer Kräfte einstellen müssen. Dazu gehören Finanzriesen aus den Wachstumsmärkten, die verstärkt Akquisitionen in der westlichen Wirtschaft anstreben, aber auch Staatsfonds und Private-Equity-Firmen werden nach neuen Investitionsmöglichkeiten bzw. Übernahmekandidaten suchen.