VOLKSWAGEN. Nachdem der Europäische Gerichtshof das VW-Gesetz gekippt hat, ist der Weg für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch frei, die Macht am Volkswagen-Hauptsitz in Wolfsburg endgültig zu übernehmen. «Das Ende des VW-Gesetzes ist der entscheidende Schritt zum Piëchtum und zur Porschekratie in Wolfsburg», sagt der Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer. Schon bald, darin sind sich alle Beobachter einig, werden sich Porsche und Piëch die Kontrolle über Europas grössten Autobauer sichern.

VW: «Ein Familienunternehmen»

Bereits jetzt hält der Sportwagenhersteller 31% der VW-Anteile. Porsche wiederum gehört den Familien Piëch und Porsche. VW ist daher, sagt Uwe Treckmann, Autoanalyst der Dresdner Bank, «weiterhin auf dem Weg zu einem Familienunternehmen von Piëchs und Porsches Gnaden». Das fürchten auch die VW-Betriebsräte. Sie sehen zugleich das nahende Ende des Wolfsburger Konsensmodells. Denn künftig, ist man sich sicher, werden Vorstand und Aufsichtsrat unter wohlwollender Beobachtung der Landespolitik nicht mehr gelassen über Stellen und Standorte diskutieren und am Ende stets einen für alle Beteiligten akzeptablen Kompromiss finden – so wie etwa in den 90er Jahren, als VW 30000 Stellen zu viel hatte. Doch statt das Personal anzupassen, wurde – ganz im Sinne des heiligen Betriebsfriedens – die Vier-Tage-Woche eingeführt. Im Gegenzug liessen die Betriebsräte Piëch seine automobile Sammlung mit sündhaft teuren, aber unprofitablen Marken wie Bugatti oder Lamborghini oder Modellen wie dem VW Phaeton ausweiten. Das dürfte künftig nicht mehr passieren. Stattdessen wird mit härteren Bandagen gekämpft. Porsche-Chef Wiedeking hat bereits betont, es dürfe «keine heiligen Kühe» bei VW geben. Sein und Piëchs Ziel: VW auf Augenhöhe mit dem Branchenprimus Toyota zu bringen. Vor allem Piëch, berichten Wegbegleiter, habe immer schon auf Toyota geschaut. Der japanische Autobauer war für ihn die kulturelle, technologische und wirtschaftliche Vereinigung aller seiner Träume. Doch bis die Wirklichkeit wird, vergehen noch Jahre – erst müssen die Kosten weiter sinken und die Qualität steigen. «Wenn VW in vier oder fünf Jahren dasteht, wo sich Toyota heute befindet», sagt Autoanalyst Treckmann, «haben die Wolfsburger bereits sehr gute Arbeit geleistet.» Vor allem für Piëch wäre die Zusammenführung von Porsche und VW eine grosse Genugtuung. Sein Grossvater war der Käfer-Erfinder und Porsche-Gründer Ferdinand Porsche.