Neulinge bezahlen zumeist Lehrgeld, auch im Golf-sport; im Fall von Damian Ulrich ist es irgendwie umgekehrt. Um einen Tag verpasste er im Herbst 2006 die Anmeldung für die Qualifikation zur Alps Tour, zu jener Satellite Tour, auf der die meisten jungen Schweizer Professionals den Zugang zu höheren Ehren anstreben. Ein Nachhaken bei der Alps Tour nützte nichts, der Zugang zum Qualiturnier blieb geschlossen.

So weit, so schlecht. Im Nachhinein jedoch hat Ulrich nichts mehr zu bereuen: Der Griff zur Notlösung EPD-Tour erwies sich als Griff ins Glück. Mit Akribie und Zielstrebigkeit kämpfte er sich 2007 durch den Circuit, auf dem sich nicht – wie auf der Alps Tour – Franzosen, Italiener und Österreicher tummeln, sondern Holländer, Briten, Dänen und zur Hauptsache Deutsche. Mit zwei 2. Plätzen, einem 3. Platz und zahlreichen weiteren guten Klassierungen holte Ulrich den 3. Gesamtrang heraus. Die besten Fünf wurden mit dem Aufstieg in die Challenge Tour belohnt; neben Damian Ulrich waren dies der deutsche Gesamtsieger Tino Schuster, die Holländer Taco Remkes und Will Besseling sowie der Engländer Lee Corfield.

Schweizer essen hartes Brot

In einer Zeit, in der keiner – wie früher Paolo Quirici, André Bossert und zuletzt 2004 Julien Clément – der «grossen» PGA European Tour angehört, bleibt den Schweizer Professionals nichts anderes übrig, als sich Schritt für Schritt und Jahr für Jahr voranzutasten. Das Ziel muss die Europa-PGA-Tour sein, denn in den tieferen Etagen lässt sich auf die Dauer zu wenig Geld verdienen.

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Nach der ersten Saison im Profi-Business liegen für Ulrich objektiv messbare Werte einer Verbesserung vor. Ein verlässlicher Indikator ist beispielsweise der Schlagdurchschnitt pro Runde; diesen konnte er um satte zweieinhalbSchläge auf 71,08 Schläge verbessern. Einen anderen Wert, wie die 29,28 Putts pro Runde, könnte er in den kommenden Jahren ebenfalls noch um weitere rund zwei Einheiten senken, um in den Bereich der Besten zu gelangen. Als «ungenügend» taxiert er die Sand-Save-Quote von 48%; diese gibt an, wie oft er aus den Green-Bunkern heraus höchstens noch zwei Schläge benötigte, um den Ball ins Loch zu bringen.

Zum Vergleich: Im Klassement der US PGA Tour per Mitte April dieser Saison nahm der Amerikaner Jonathan Byrd in dieser Sparte mit 70,3% die 1. Stelle ein; Tiger Woods war mit 60,9% 16. Ulrich hätte mit seinen 48% die 100. Position eingenommen, ex aequo mit dem renommierten Schweden Henrik Stenson.

Lernen, mit Erfolg umzugehen

Ebenso wichtig wie die Zahlen ist die subjektive, gefühlsmässige Wahrnehmung. Ein Amateurgolfer neigt dazu, nach schlechten Löchern oder schlechten Runden aufzugeben und sich damit zu trösten, dass er am nächsten Turnier die nächste Chance bekommt. Als Jungprofi ist Ulrich dabei zu lernen, dass man mit guten Ergebnissen ebenso geschickt umgehen muss wie mit Phasen der Schwäche.

Ulrich: «Ich begreife, dass man sich oft ‹ins Füdli klemmen› muss. Wenn man auf der Runde bei drei, vier Schlägen über Par liegt, muss man das akzeptieren. Man darf niemals aufgeben.» Vielleicht hole man dann auf der gleichen Runde noch etwas heraus, das einem schon für den nächsten Tag weiterhelfen könnte. Auf diese Weise hat der Zuger schon in seiner ersten Saison drohende schwache Klassierungen in akzeptable (Preisgeld-) Ränge verwandelt – auch im Wissen, dass am Ende der Saison jeder Euro zählen könnte. Die dazugewonnene Beharrlichkeit zahlte sich aus; zuletzt betrug Ulrichs Reserve auf den nicht mehr zum Aufstieg zur Challenge Tour ausreichenden 6. Platz rund 2200 Euro. Das ist nicht allzu viel.

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2008 ist eine Zwischenstation

Auf den Satellite-Circuits wird keiner reich, Ulrichs Gesamtpreisgeld betrug im letzten Jahr 17518 Euro. «Wenn man leben will, gibt es hier nur die Europa-PGA-Tour.» Zu dieser will er aufsteigen, «je früher, desto besser». Deshalb soll auch die Challenge Tour nur eine Zwischenstation sein. In dieser Saison will er seine Statistiken weiter verbessern. In Bezug auf den Schlagdurchschnitt beispielsweise bedeutet dies, dass er den Wert zumindest wiederholen will. Dies würde eine Steigerung darstellen, weil die Plätze auf der Challenge Tour generell anspruchsvoller und schwieriger sind als jene auf der EPD-Tour.

Mit der Unterstützung seiner bewährten Coaches und Helfer (Julian Myerscough für die Technik, Rolf Stauffer für den mentalen Bereich, Sonja Müller für die Fitness) will Damian Ulrich seinen Weg konsequent weitergehen.

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