Das behagte ihm am meisten: Als Nummer zwei der Schweizer Detailhändler segelte Coop-Chef Hansueli Loosli im Windschatten des orangen Riesen und versetzte ihm gerne strategische Nadelstiche. Anfang November jedoch holte der Aargauer zum entscheidenden Schlag aus und kündigte die vollständige Übernahme des Gastro-Grosshändlers Transgourmet an. Bis anhin gehörte dieser zur Hälfte der Kölner Rewe. Mit der Konsolidierung des Engroshändlers - 8 Milliarden Franken Umsatz und 21 000 Mitarbeiter - überholt Coop nun seine Konkurrentin.

Der Akquisitionsschritt hat die Schweizer Wirtschaftsjournalisten dazu veranlasst, den Coop-Chef in der «Handelszeitung»-Wahl zum Unternehmer des Jahres 2010 zu küren. An der Abstimmung teilgenommen haben die Wirtschaftsjournalisten der wichtigsten Zeitungs-, Radio-, Fernseh- und Online-Redaktionen der deutschsprachigen Schweiz. «Das ehrt mich und spornt mich an weiterzumachen», kommentiert Loosli die Wahl.

Für die Coop-Gruppe, die im gesättigten Schweizer Detailmarkt kaum noch wachsen kann, ist Transgourmet mit ihrem internationalem Verpflegungsgeschäft und den Abholmärkten ein willkommener Umsatztreiber. Ein schwacher Trost verbleibt der Erzrivalin Migros: In der Schweiz hat sie mit einem Umsatz von knapp 25 Milliarden Franken nach wie vor die Nase vor Coop (18,7 Milliarden).

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Letztes Jahr war Loosli auf dem siebten Platz gelandet. Damals gab Coops Preisoffensive den Ausschlag. Der Konzernchef senkte die Preise von über 600 Markenartikeln um durchschnittlich 12 Prozent, setzte die Mitbewerber, darunter den deutschen Discounter Lidl, unter Druck und steigerte Umsatz und Marktanteile. Loosli wird 2011 den Chefposten abgeben und das Präsidium von Coop und Swisscom übernehmen.

Eine Hommage an den Uhrenkönig

Ein Vollblutunternehmer war der im Juni dieses Jahres verstorbene Nicolas G. Hayek. Lediglich wenige Stimmen fehlten dem Uhrenkönig, und er wäre nach 1992 zum zweiten Mal Unternehmer des Jahres geworden. Mit dem zweiten Platz wird das Lebenswerk eines Visionärs und grossen Patrons gewürdigt. In der schlimmsten Krise der hiesigen Uhrenindustrie seit den 1970er-Jahren hatte Hayek einmal mehr bewiesen, dass er als Unternehmer alter Schule über eine ausgeprägt hohe soziale Kompetenz verfügte. Als die Umsätze einbrachen, reagierte er zwar mit Kurzarbeit, aber ohne Entlassungen. Die rasch wieder anziehenden Umsätze der Swatch-Gruppe gaben ihm - einmal mehr - recht.

Der Retter der Schweizer Uhrenindustrie galt als Mann der klaren Worte und als unbequemer Querdenker. Er nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte das wirtschaftliche Establishment - einmal war es die Schweizerische Nationalbank, dann kriegten die Grossbanken ihr Fett ab. Ihnen warf er schädigendes Verhalten vor - obschon die von ihm angeprangerten Millionen-Boni sicher den einen oder anderen spontanen Uhrenkauf an der Zürcher Bahnhofstrasse ermöglichen.

Der dritte Platz in der «Handelszeitung»-Wahl ist eine Überraschung: Der 67-jährige Moritz Suter wurde am 24. November plötzlich wieder ins nationale Rampenlicht katapultiert, obwohl er sich als Unternehmer - oder in diesem Fall besser als Krisenmanager - noch nicht beweisen konnte. Der leidenschaftliche Flieger und Crossair-Gründer Suter wurde über Nacht zum Verleger und damit zum Retter der «Basler Zeitung» stilisiert. Nach heftigen Turbulenzen, ausgelöst durch ein Beratungsmandat an Christoph Blochers Firma Robinvest, verkauften die beiden Eigentümer Tito Tettamanti und Martin Wagner die defizitäre Basler Zeitung Medien zu 100 Prozent an den Basler. Er ist damit alleiniger Besitzer des Medienunternehmens und Verleger.

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Moritz Suters Höhenflug

Suter, der während 18 Jahren im Verwaltungsrat von Zürichsee Medien sass, ergriff erste Massnahmen, die das aufgeheizte Klima in Basel beruhigten. Die «Basler Zeitung» wird unter dem bisherigen, vom Duo Tettamenti/Wagner berufenen Chefredaktor und Ex-«Weltwoche»-Mann Markus Somm weiterentwickelt. Der eingeschlagene publizistische Kurs wird nicht verändert. Suter beendete das Beratungsmandat mit Blocher und verlegte den Holdingsitz der Basler Zeitung Medien zurück von Zug nach Basel.

Die Banker fallen zurück

Nachdem Oswald Grübel 2009 auf Platz zwei gelandet war, rutschte er dieses Jahr auf Platz vier ab. Mit dieser erneuten Top-Ten-Platzierung anerkennen die Wirtschaftsjournalisten die vom UBS-Management eingeleiteten Konsolidierungs- und Wachstumsschritte. Nicht mehr unter den ersten zehn der besten Schweizer Firmenlenker figurieren dieses Jahr der Credit-Suisse-Chef Brady Dougan sowie der Bank-Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler. Dafür sind dieses Jahr aus der Finanzbranche neu Philipp Hildebrand von der Schweizerischen Nationalbank (Rang 8) und Jürg Bucher (Rang 6) in seiner Doppelfunktion als Chef von PostFinance und der Post vertreten.

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Der Patron der Schneider-Amman Group und Präsident von Swissmem, Johann Schneider-Ammann, wurde im September in den Bundesrat gewählt, wo er nun als Volkswirtschaftsminister amtet. Die Wirtschaftsjournalisten wählten ihn auf den fünften Platz wegen seiner Verdienste zugunsten des Industrie- und Wirtschaftsstandorts Schweiz.

Valentin Chapero, der Chef des Hörgeräteherstellers Sonova, figuriert 2010 erneut unter den zehn besten Unternehmern des Jahres. Neu dabei sind Jörg Wolle, Chef und Präsident des traditionsreichen Schweizer Handelshauses DKSH, sowie Harry Hohmeister, Chef der Fluggesellschaft Swiss.