Der US-Saatgut-Hersteller Monsanto ist heiss auf den Schweizer Rivalen Syngenta. Der Agrochemiekonzern hat sich zunächst gewehrt, soll jetzt aber doch bereit zu Verhandlungen sein, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Stimmt das, rückt eine Elefantenhochzeit in Reichweite. Der Zusammenschluss könnte unter anderem Syngenta-Chef Michael Mack selbst den Kopf kosten.

Der Ball liegt bei den Amerikanern – und diese dürften schon bald ein neues Angebot auf den Tisch legen. Das gilt umso mehr, sollte BASF im Wettstreit um Syngenta tatsächlich mit einer Offerte in den Ring steigen. Der deutsche Chemieriese erwägt derzeit laut Insidern ein Angebot, hat sich aber noch nicht entschieden.

Anders der viel kritisierte Produzent aus St. Louis: «Monsanto hat deutlich gesagt, dass sie von einem Zusammenschluss überzeugt sind», sagt Vontobel-Analyst Patrick Rafaisz. Es sei also wahrscheinlich, dass das Management mit einem höheren Preis als Vorschlag an die Geschäftsleitung gelange. Allenfalls unterbreiten die Amerikaner den Publikumsaktionären direkt ein Angebot, ist der Experte überzeugt.

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Zuschlag bei 500 Franken

Die letzte Offerte lag bei 449 Franken pro Aktie. Die Geschäftsführung um Syngenta-Chef Mack und den Präsidenten des Verwaltungsrates Michel Demaré haben das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Wenn die Amerikaner aber knapp 50 Franken pro Aktie drauflegen, sieht es gut aus für den Deal. Es sei denn, BASF funkt noch dazwischen.

«Alles was bei 500 Franken oder höher liegt, wird schwierig sein abzulehnen», sagt Rafaisz. «Schliesslich lag der Syngenta-Kurs vor den Fusionsgesprächen noch bei 314 Franken, was in Anbetracht des Marktumfeldes gerechtfertigt war», begründet der Bankenanalyst seine Einschätzung.

200 Franken in Cash

Ähnlich sieht es auch Martin Schreiber, Experte der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Er geht davon aus, dass Monsanto «in den nächsten Wochen» eine neue Offerte vorlegen wird. «Das zweite Angebot könnte etwa 10 Prozent höher ausfallen», schätzt Schreiber. Die Mehrheit des Kaufpreises werde Monsanto wohl in eigenen Titel entrichten, die Cash-Komponente dürfte unverändert bei 200 Franken liegen.

Wo die Schmerzgrenze für Monsanto liegt, ist umstritten. ZKB-Experte Schreiber geht davon aus, dass ein Aufschlag von 10 Prozent bereits an dieser Grenze kratzt. Vontobel-Analyst Rafaisz sagt, dass allenfalls auch ein höherer Preis pro Aktie bezahlt werden könnte. Der Analyst kalkuliert ein Sparpotenzial von bis zu einer Milliarde Dollar. «Damit lässt sich der Preis von 450 Franken pro Aktie im aktuellen Null-Zinsumfeld rechtfertigen», sagt er. Sollten die Synergien aber sogar noch mehr Ersparnis bringen, «könnte man durchaus auch über 500 Franken gehen».

Mack wird verschwinden

Die zweite Knacknuss in den Übernahmeplänen ist, was mit Syngenta-Chef Mack geschieht. Ob ein zusammengeführter Saatgut-Koloss mit dem Harvard-Absolventen als CEO in die Zukunft gehen würde, ist höchst unsicher. Dies umso mehr als Hugh Grant, sein Gegenpart bei Monsanto, als machtbewusst gilt und als CEO und VR-Präsident alle Fäden in den Händen hält.

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«Bei einem freundlichen Zusammenschluss wird es eine Rolle für Mack geben», ist Rafaisz überzeugt, «. Bei einer unfreundlichen Übernahme sähe das anders aus. Dann könnte es ungemütlich werden für den Jungen aus Detroit, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs, im Alter von 15 Jahren die Schule beendete und später beim Autohersteller Ford in der Nachtschicht arbeitete.

Steuerflüchtiges Monsanto

Die dritte offene Frage ist der künftige Firmensitz. Schreiber hält für wahrscheinlich, dass Monsanto nach Abschluss der Fusion den Sitz in die Schweiz verlegen werde. In Basel residierte dann ein neuer Mega-Konzern mit über 30 Milliarden Dollar Umsatz und einem Steuervolumen von geschätzten 1,4 Milliarden Dollar.

Lukrative Vorteile, dennoch sprechen auch Argumente gegen eine Niederlassung in der Schweiz. «Man wird natürlich versuchen, von Syngentas tiefer Steuerrate zu profitieren», ist auch Rafaisz überzeugt. «Allerdings ist das US-Finanzministerium sehr klar in seinen Bestrebungen, die sogenannte ‹Tax Inversion›zu unterbinden», fügt der Vontobel-Experte an. Entsprechend hält er es für unwahrscheinlich, dass Monsanto den Sitz nach Basel verlegen wird. «Politisch hat sich sofort Widerstand geregt. Zudem würden Steuervorteile – wohl der Hauptgrund für eine Verlegung – kaum nachhaltig sein.»

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Basels Regierung beobachtet das Geschehen

In Basel gibt man sich jedenfalls bedeckt. Syngenta will sich nicht zum Thema äussern. Das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt des Kantons Basel-Stadt will auch nichts dazu sagen. «Zu laufenden Verhandlungen und Vorgängen zwischen Firmen nehmen wir keine Stellung», teilt Pressesprecherin Cornelia Kilchherr mit.

Einzig der Vorsteher des Wirtschaftsamtes gewährt einen winzigen Einblick. Zu «spekulativen Sachverhalten» über eine bevorstehende Fusion und potenzielle Steuergewinne will Christoph Brutschin zwar keine Stellung nehmen. Der SP-Regierungsrat meint aber: «Selbstverständlich beobachtet das Departement für Wirtschaft aber die Entwicklung sehr sorgfältig und steht mit zuständigen Aktoren im Austausch.»