Die Logistik wird als Wettbewerbsfaktor immer wichtiger. Sie ist heute weit mehr als das Verschieben von Gütern von A nach B und längst zu einer Führungsaufgabe im Unternehmen geworden. Moderne Logistik basiert auf dem Verständnis von Geschäftsprozessen und Wertschöpfungsketten und orientiert sich konsequent am Kundennutzen. Sie hat sich seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts von der reinen Gütertransportlösung zu einer Managementfunktion entwickelt, die Daten-, Waren-, Dienstleistungs- sowie Finanz- und Personalströme steuert. Logistik wird als Teil der angebotenen Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens verstanden.

Zusätzliche Herausforderung

Inzwischen hat die Nachhaltigkeitsdebatte – die heute in der gesamten Wirtschaftswelt Einzug gehalten hat – auch die Transportlogistik erreicht, womit für diesen wichtigen Wirtschaftszweig eine neue, zusätzliche Herausforderung dazugekommen ist. Ein Drittel des gesamten Energiebedarfs (30,8%) wird heute durch den Transport beansprucht, 82,5% davon durch den Strassentransport.

Optimierungspotenzial ist also ganz offensichtlich vorhanden. Bloss: Wie findet ein Unternehmen heraus, wo die Schwachstellen liegen, wie diese am besten zu beheben sind und welche Alternativen bestehen? Dafür hat eine breit abgestützte Arbeitsgruppe von ECR Europe jetzt ein geeignetes Instrument geschaffen mit dem Titel «Beurteilung Nachhaltiger Transport» (Sustainable Transport-Road Map Self Assessment Tool), mit dem jedes Unternehmen die eigene Kompetenz im Bereich des nachhaltigen Transportes eruieren und auf einfache Art und Weise Verbesserungsmöglichkeiten erkennen kann.

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Dreizehn Messpunkte

Dieses Selbsteinschätzungs-Instrument ist in 8 «Hebel» und 13 «Messpunkte» gegliedert. Die 13 Messpunkte (siehe Grafik) bilden das eigentliche Raster, an dem die «Nachhaltigkeitsreife» eines Unternehmens gemessen und analysiert wird. Die «Hebel» sind:

1. Effiziente Auslastung der Transportmittel (modulare Standards, alternative Lademittel, Ladungsoptimierung).

2. Effiziente Lieferung (Zusammenarbeit und Transportpooling, Routenplanung).

3. Miteinbezug der Menschen (Der Fahrer macht den Unterschied, Organisationsentwicklung).

4. Nutzung der besten Technologie (verbesserte Ladekapazität, Treibstoffverbrauch und Emissionen).

5. Nutzung des Netzwerkes (Vernetzung der Marktteilnehmer).

6. Transportmodus, (alternative Transportmittel).

7. Informationsaustausch (kompatible Systeme).

8. Steuerung (einheitliche Messkriterien).

Pragmatischer Einstieg

Jeder dieser 13 Messpunkte wird je nach Nachhaltigkeitsreife in fünfstufige Reifegrade eingeteilt (Stufen 0 bis 4). Das Resultat dieser Selbstbefragung wird sodann optisch in einem gleichmässigen, 13-eckigen «Spinnennetz» (Radar Chart) dargestellt, dessen 13 Ecken unterschiedlich stark eingefärbt sind. Jene Messpunkte, die noch weitgehend «weiss» bleiben (also nicht eingefärbt sind) bedürfen der Optimierung. Jeder Unternehmer erkennt sofort: Je weisser die Messgrösse, desto dringender der Handlungsbedarf.

GS1 Schweiz kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Valentin Wepfer, Mitglieder der GS1-Geschäftsleitung: «Es ist ein Glücksfall, dass eine Arbeitsgruppe von ECR Europe ein derart pragmatisches und praxistaugliches Instrument erarbeiten konnte. Bereits Anfang 2009 werden wir unseren Mitgliedern die deutsche Version kostenlos zur Verfügung stellen können.» Mit dem neuen Tool «Beurteilung Nachhaltiger Transport» steht praktisch allen Branchen ein ebenso hochwertiges wie einfaches Instrument zur Verfügung und dürfte den Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Transportgüterlogistik zu einem breiten Durchbruch verhelfen. «Jede Firma, die Transporte durchführt oder in Auftrag gibt, hat hiermit einen pragmatischen Einstieg in das Thema und kann sehr schnell mögliche Verbesserungsansätze erkennen», fasst Valentin Wepfer die Vorteile des Tools zusammen.

GS1 hat damit sein bereits breites Logistik-Dienstleistungsangebot mit einem neuen, wichtigen Tool ergänzt. Heute schon bietet GS1 Unterstützung unter anderem in den Bereichen Logistikmanagment und -organisation, Beschaffungs-, Lager- und Produktionslogistik an.