Die Traumhochzeit zwischen Sulzer und Dresser-Rand ist geplatzt. Quasi auf dem Weg zum Altar wurde der Schweizer Industriekonzern noch stehen gelassen. «Sulzer hat die Gespräche mit Dresser-Rand beendet», teilte das Unternehmen am Montag mit. Es hat sich mit Siemens vermählt. Und während die Sulzer-Aktien am Morgen deutlich nachgaben, stellt sich die Frage, wie die Winterthurer nun weitergeschäften wollen.

Sulzer befindet sich in einer Umbruchphase. Bereits der Verkauf der hochrentablen Abteilung Metco an OC Oerlikon im letzten Jahr liess die Aktie tauchen. Dafür war die Kriegskasse danach prall gefüllt. Und die Strategie war klar: Mit gezielten Akquisitionen und der geplanten Fusion mit Dresser-Rand sollte das Kerngeschäft gestärkt werden. «Sulzer konzentriert sich auf die Bereiche Öl, Gas und Wasser. Und dazu passt Dresser-Rand», sagte Analyst Reto Hess von der Credit Suisse letzte Woche zu den Fusionsgerüchten.

Restrukturierung fortsetzen

«Dresser-Rand wäre eine gute Ergänzung gewesen», sagt auch ZKB-Analyst Armin Rechberger. Der Preis, den Siemens nun für die Firma zahle, ist aber hoch. «Zudem wurde die Braut eventuell schöner gemacht als sie tatsächlich ist.» Er sei deshalb froh, dass Sulzer kein Gegengebot mache. «Der Konzernumbau wird auch ohne Dresser-Rand weitergehen.» Allerdings werde sich Sulzer wohl in nächster Zeit auf die Übernahme von kleineren Konkurrenten konzentrieren.

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Für Industrie-Expertin Britta Simon von der Bank Julius Bär ist ebenfalls klar: «Die Fusion wäre positiv gewesen, denn grössere Aquisitionen wären in der momentanen Phase des Konzernumbaus schwerer zu verdauen als eine Fusion.» Es sei aber klar, dass Sulzer die Restrukturierung fortsetzen müsse, wenn auch nicht unbedingt mit ganz grossen Deals. Wie der Umbau konkret aussehen werde, sei aber schwer zu beurteilen. «Die Visibilität ist tief und es ist oft nicht ganz klar, was sie eigentlich vorhaben.»

Attraktive Liquidität

Ob Sulzer nach der gescheiterten Fusion selbst zum Übernahmekandidaten wird, können die Analysten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Es stimmt, dass Sulzer wegen der hohen Liquidität interessant sein könnte, für Firmen, die ihre Bilanz aufpolieren wollen», sagt Armin Rechberger von der ZKB. Unter Druck zu verkaufen, stünden die Winterthurer aber nicht. «Es gibt diverse kleinere Pumpenhersteller wie Sulzer, die in der Nische gut existieren können.»

In welcher Richtung sich Sulzer entwickeln wird, ist im Moment noch offen. Vieles hängt von den Plänen der Beteiligungsgesellschaft Renova von Milliardär Viktor Vekselberg ab. Sie hält 30 Prozent an Sulzer. Der Verkauf von Metco an OC Oerlikon, die wie Sulzer von Vekselberg dominiert wird, hat gezeigt, dass Überraschungen jederzeit möglich sind.

Sulzer gibt sich bedeckt

Tatsächlich lässt sich Sulzer alle Optionen offen. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber handelszeitung.ch schreiben die Winterthurer: «Wir haben immer mehrere M&A-Projekte in der Pipeline und konzentrieren uns nun wieder auf diese sowie auf die Evaluation weiterer Möglichkeiten und auf das eigene operative Geschäft.»