Für die Pensionskassen wird es zum Jahresende hin immer enger. Bereits zur Jahresmitte sank der Deckungsgrad für alle Kassen auf durchschnittlich gut 100%. Mittlerweile ist dieser Eckwert im Sog der deutlich verschlechterten Situation an den Aktienmärkten nochmals markant nach unten gerutscht. Als sich der SMI-Index Ende September um rund 6500 Punkte bewegte, sprach Michael Brandenberger, Chef des St. Galler Beratungsbüros Complementa Investment-Controlling, von knapp 20% der Firmen-Pensionskassen, die sich in Unterdeckung befinden. Die anhaltend schlechte Beurteilung der globalen und nationalen Wachstumsaussichten hat die Aktienindizes zwischenzeitlich weiter gedrückt. Der SMI hat Tiefstwerte von nur mehr gut 5000 Punkten getestet. Damit ist die Zahl der privatrechtlichen Pensionskassen in Unterdeckung auf gegen ein Drittel angestiegen.

Historische Tiefs

Besonders ungünstig sieht es für die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen aus. Der Swiss Institutional Survey von Lusenti Partners hat für diese Kassen per Mitte Jahr einen Deckungsgrad von lediglich 90,6% ermittelt. September und Oktober waren nach vergleichsweise stabilen Verhältnissen in den Sommermonaten Juli und August durch eine seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in diesem Ausmass nicht mehr erlebte Finanz- und Bankenkrise geprägt. Entsprechend hat sich die Performance in den ersten drei Quartalen 2008 nach den Schätzungen der Lusenti-Studie um 6% verschlechtert. Die Gesamtperformance wurde am stärksten negativ durch die ausländischen Aktien beeinflusst.

Bei der Präsentation des AWP/Complementa Risiko Check-up, der sich auf 427 Pensionskassen stützt, die vier Fünftel des Gesamtkapitals in autonomen und teilautonomen Einrichtungen abdecken, wurde die aktuelle Situation als wenig dramatisch umschrieben. «Derart schlimm sieht es für die Pensionskassen nicht aus», sagte Michael Brandenberger. Im historischen Vergleich trifft das zu. 1990 waren die Kassen mit 97% in einer deutlichen Unterdeckung. Auch 2002 wies nach dem Börsenkollaps knapp die Hälfte der Vorsorgewerke eine Deckungslücke auf, bevor eine vierjährige Hausse an den Aktienmärkten für neue Reservenpolster sorgte.

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Die öffentlich-rechtlichen Kassen stecken gemäss der AWP/Complementa-Studie zu zwei Dritteln in einer Unterdeckung. Obwohl sich die Lücke zwischen Leistungsverpflichtung und Vorsorgevermögen im Laufe des Jahres weiter geöffnet hat, gibt es in diesem Bereich technisch betrachtet keine Unterdeckung. Der Staat garantiert in der 2. Säule die Verpflichtungen. Ein Grossteil der öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen ist gar nicht ausfinanziert. Das soll gemäss Bundesrat bis in 40 Jahren geschehen.

Von den Reserven zehren

Anders präsentiert sich die Ausgangslage für die privaten Pensionskassen. Sinkt der Deckungsgrad bei dieser Vorsorgekategorie unter 90%, muss der Stiftungsrat als Führungsgremium die notwendigen Sanierungsmassnahmen einleiten. Diese reichen von einer Anhebung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge über die Kürzung der Renten bis zu einer Absenkung der Mindestverzinsung. Im letzteren Fall hat der Bundesrat Ende Oktober für alle Kassen bereits die Weichen gestellt: Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten wurde der Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge für 2009 von 2,75 auf 2% vermindert. Das verschafft den Pensionskassen etwas Luft, nachdem sie im laufenden Jahr bei der Gutschrift auf die Sparkonten der Arbeitnehmer von den Reserven zehren müssen.

Aktienquote reduziert

Als taktische Massnahme haben die Pensionskassenverwalter die Aktienquote reduziert. Das hängt auch damit zusammen, dass der Anteil an Risikopapieren am Gesamtvermögen wegen der massiven Kursverluste rückläufig war. Auf ein Rebalancing, das Wiederherstellen der alten Quote über Aktienzukäufe, wurde verzichtet. Gleichzeitig waren die PK-Manager gezwungen, grössere Aktienbestände abzustossen. Das hat die Börsen in einer ohnehin heiklen Phase zusätzlich belastet. Gemäss Swisscanto-Chef Gérard Fischer ist die Aktienquote seit Jahresbeginn von rund 27% auf weniger als 20% gesunken. Zudem fand eine stärkere Diversifizierung im Aktienportfolio statt: Die inländischen Titel wurden innerhalb eines Jahrzehnts von 23% Anteil auf 10% zurückgefahren, während die ausländischen Papiere von 10% auf 17% zulegten.

Deutlich im Vormarsch sind die alternativen Investments (siehe Kasten). Die Hedge-Fonds, Private Equity und Rohstoffe nähern sich gemäss der Lusenti-Studie dem Niveau von 7%. Etwa die Hälfte aller Pensionskassen investiert in diese junge Anlagekategorie. Bei den Hedge-Fonds und den Private-Equity-Funds lag die Performance im laufenden Jahr allerdings auch im Minusbereich. Einzig die Rohstoffe verzeichneten im ersten halben Jahr eine beachtliche Rendite, die jedoch zu Beginn des 3. Quartals ebenfalls in den Negativbereich geriet.