Dass Standard & Poors den Ausblick für das Rating AAA Grossbritanniens von «stabil» auf «negativ» gesenkt hat, war ein Grund für die Debatte um die Kreditwürdigkeit der USA.

In der Tat schwillt die Schuldenlast der USA massiv an. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird sie 2009 81,2% des Bruttoinlandprodukts betragen (2008 waren es noch 68,7%). 2010 werden voraussichtlich 90% erreicht.

Trotz dieses zügigen Anstiegs der Verschuldung hat Moody’s das AAA der USA bestätigt. Im Kommentar zum Entscheid wurde gesagt, woran das Rating hängt: An einer breit diversifizierten, belastbaren Wirtschaft, starken Regierungsinstitutionen, einem hohen Pro-Kopf-Einkommen und der zentralen Position der USA in der Weltwirtschaft. Zudem trage die globale Rolle des Dollar dazu bei, dass sich die Wirtschaft erholt und die Staatsfinanzen ins Lot kommen.

Zweifel an Stabilität

Aber gerade an der Stabilität dieser Pfeiler muss gezweifelt werden. Da wäre die internationale Rolle des Dollar. Der Präsident des Dallas Fed, Richard Fisher, hat gegenüber dem «Wall Street Journal» gewarnt, hochrangige Vertreter der chinesischen Regierung hätten ihn mit Fragen gelöchert, ob die USA die steigenden Staatsausgaben monetarisieren würden. Dass sich China dafür interessiert, verwundert wenig: China verfügt über Devisenreserven von 1,9 Billionen Dollar, die weitgehend in US-Staatsanleihen investiert sind.

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China ist jedoch nicht das einzige Land, das zweifelt, ob der Dollar die richtige Währung ist, auf der das globale Währungssystem basiert: Auch in Brasilien und Russland wird über Reformen nachgedacht. Fällt der Dollar weiter, dann wird es für Ausländer, die US-Staatsanleihen in der Grössenordnung von 3200 Mrd Dollar halten, immer undurchsichtiger, weshalb sie noch mehr von diesen Papieren kaufen sollten.

Der Verweis von Moody’s auf das hohe Pro-Kopf-Einkommen und die robuste Wirtschaft heisst: Es gibt eine solide Steuerbasis, die zwecks Bedienung der Schulden ausgequetscht werden kann. Doch auch hier könnten sich die Rating-Spezialisten täuschen. Eine Warnung ist eine am 19. Mai durchgeführte Abstimmung im Bundesstaat Kalifornien. Die Bürger lehnten Vorschläge zur Sanierung der Finanzen ab.

Nun steckt Kalifornien, die achtgrösste Volkswirtschaft der Welt, derart in einer finanziellen Klemme, dass es die Bundesregierung um Unterstützung ersuchen musste. Die Konsolidierung der Staatsfinanzen könnte sich somit als deutlich schwieriger erweisen, als dies einige Beobachter denken. Ein Anleger, der sich mit einer solchen Sicht der US-Staatsfinanzen und dem daraus folgenden Szenario eines mittelfristig weiter sinkenden Dollar anfreundet, sollte nicht nur von US-Staatspapieren Abstand nehmen. Besonders gefährdet wären auch die Aktien hiesiger grosser Finanzinstitute. Deren Kurse könnten noch einmal massiv einbrechen. Denn implodiert die Bonität der USA, dann sind auch all die vermuteten Garantien für die bedeutenden US-Finanzinstitute, aber auch für Fannie Mae und Freddie Mac unterminiert.

Die USA müssten damit rechnen, dass mit jeder neu ausgesprochenen Garantie und jeder neuen Zahlung an schwache Institute weniger Anleger daran glauben, dass die Schulden in harter Währung zurückbezahlt werden.

Hochklassige Antiquität kaufen

Auch von Schweizer Staatsanleihen ist Abstand zu nehmen. Zwar wäre damit zu rechnen, dass der Franken gegenüber dem Euro nochmals aufwertet, was Schweizer Staatsanleihen stützen würde. Aber sie werden sich einem Aufwärtsdruck der globalen Renditen nicht entziehen. Zudem dürften die internationalen Notenbanken versuchen, den USA beizustehen. Das kann aber nur durch massive Käufe von Dollar und Treasuries geschehen. Die Folge: Die Qualität der eigenen Währungen leidet, die Inflationsrisiken nehmen zu.

So wie die SNB zurzeit agiert, muss davon ausgegangen werden, dass sie sich der internationalen Hilfskavallerie zugunsten der USA anschliesst. Wenn Anleger kaufen wollen, sollten sie sich an Sachwerte wie Agrarland, Gold, Silber oder hochklassige Antiquitäten halten. Cash sollte so gehalten werden, dass es jederzeit abrufbar ist. Wenn die Turbulenzen um den Dollar und das Rating der Vereinigten Staaten einen ersten Siedepunkt erreichen, wird es an den Aktienmärkten zu Kurseinbrüchen kommen. Das eröffnet dann die Chance, Titel erstklassiger Unternehmen wie Roche, Novartis, Nestlé, Exxon oder Unilever zu Tiefstpreisen zu kaufen. Auch Anleihen von Unternehmen sind dann nochmals billig zu haben.