Die Deutsche Bahn (DB) tritt erstmals im indischen Schienengüterverkehr an. Die Deutschen planen mit dem indischen Stahlkonzern Jindal im kommenden Jahr die Gründung eines Joint Venture. Die DB soll die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, das den Stahltransport von Jindal mit Know-how aus Deutschland organisiert.

An den Einsatz bahneigener Züge in Indien ist vorerst nicht gedacht. Logistikvorstand Norbert Bensel kündigte an, die Investitionen sollen sich «zunächst im Rahmen halten»: «Aber was wir jetzt vorhaben, ist nur ein Anfang. Im nächsten Schritt wollen wir auf dem Subkontinent auch in anderen Bereichen aktiv werden.»

Starke Expansion ins Ausland

Der DB-Logistikchef hat vor allem die Automobilbau-Branche in Indien im Visier. Die Bahn soll vom Stahlboom und dem Ausbau der Autoindustrie profitieren und mit dem Markt wachsen, sagte Bensel. So könne die Bahn das Engagement deutscher Autofirmen wie Daimler oder Volkswagen auf dem indischen Subkontinent begleiten. Mit dem Logistikunternehmen Schenker ist die Deutsche Bahn bereits in Indien aktiv.

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Bensel kündigte zudem an, die Expansion der Bahn-Logistiksparte weiter voranzutreiben. «In Italien, Grossbritannien oder Ost- und Südosteuropa haben wir noch weisse Flecken. Und wer uns kennt, weiss, dass wir die ohne Hektik Stück für Stück abarbeiten», sagt das Management. Vor allem in Südosteuropa beobachte man die Entwicklung möglicher Bahnprivatisierungen genau. «Falls es sich lohnt, wollen wir die Stühle besetzen», sagt Bensel.

Im Schienengüterverkehr will die Bahn allein in Deutschland in den kommenden fünf Jahren 1,915 Mrd Euro investieren. Mit dem Geld sollen vor allem neue Lokomotiven und Waggons angeschafft werden. Unter anderem ist geplant, 15000 Wagen im Montanbereich zu erwerben. Für das Gesamtjahr 2007 rechnet Bensel trotz des Arbeitskampfes mit der Lokomotivführergewerkschaft GDL in der Logistik mit einem guten Ergebnis: «Wir stehen gut da. Aber ohne Streiks wäre die Entwicklung noch besser», sagt der Logistikchef. «Die Ziele, die wir uns für dieses Jahr gesteckt haben, werden wir erreichen.» Genaue Zahlen nannte er nicht.

In den ersten neun Monaten hat der Gütertransport mit 13,1 Mrd Euro Umsatz 7% mehr eingefahren als im Vorjahr. Die Zielmarge für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 3 bis 4% vom Umsatz werde in einigen Segmenten überschritten, in anderen nicht erreicht, heisst es. Bensel ist auch für das kommende Jahr optimistisch. «Wir schauen uns die Auswirkungen der Immobilienkrise in den USA genau an. Ich glaube nicht, dass die Entwicklung Richtung Rezession geht.»

Die infolge des Arbeitskampfes mit der GDL entstandenen Schäden für die Bahn – darunter Umsatzausfälle oder höhere Aufwendungen im Betrieb – waren von der Deutschen Bahn mit rund 150 Mio. Euro angegeben worden. Die Logistiksparte hat unter den Streiks aber weniger stark gelitten, als zunächst befürchtet.