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Service Public
«Die Post ist und bleibt im ganzen Land präsent»

Urs Schwaller: «Die Post ist nicht irgendein Unternehmen.»

Rücksichtsloser Abbau von Poststellen, Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland: Die Post muss sich derzeit von der Politik viel Kritik anhören. Präsident Urs Schwaller wehrt sich.

Von David Vonplon
am 12.10.2016

Im Parlament wurden zahlreichen Vorstösse lanciert, um die die Post von Ihren Abbauplänen im Service Public abzuhalten. Woher kommt dieses Missbehagen der Politik – und insbesondere Ihrer Partei, der CVP?
Urs Schwaller*: Die Post ist für die Schweizer nicht irgendein Unternehmen, sondern bietet Identifikation. Sie steht für Qualität und Vertrauen. Generell ist festzustellen, dass die bundesnahen Betriebewie die SBB, Swisscom oder die Postseit der Service Public Abstimmung unter erhöhter Beobachtung stehen. Auch werden an unser Unternehmen  als Arbeitgeberin mit 18‘000 Arbeitsplätzen im ländlichen Raum immer spezielle Anforderungen gestellt. In diesen ländlichen Regionen ist auch die CVP mit der entsprechenden Sorge um eine gute postalische Versorgung stark verankert.

Welche Konsequenzen hat die Einflussnahme des Parlaments auf das operative Geschäft der Post?
Die Post steht in Konkurrenz zu anderen Unternehmen in der Schweiz und in zunehmendem Mass auch aus dem Ausland. Politische Vorgaben und unternehmerisches Handeln müssen daher in Balance sein. In einem zu engen politischen Korsett und wenn politisch immer mehr in operative Bereiche eingegriffen wird, kann die Post weder ihre Services weiterentwickeln, noch innovativ sein. Weniger Service und höhere Preise für alle wären die Folge.

Parlamentarier wollen insbesondere den Abbau von Poststellen stoppen. Hat die Post ihr Filialnetz in der Vergangenheit allzu rigoros zusammengestrichen?
Zunächst: Die Post ist und bleibt im ganzen Land präsent. Für den Verwaltungsrat soll es keine ersatzlosen Schliessungen von bestehenden Poststellen geben und wir wollen die heute rund 3700 Zugangsmöglichkeiten in den nächsten Jahren sogar ausbauen.

Wollen Sie bei Ihren Abbauplänen also auf die Bremse stehen?
Eigenbetriebene Poststellen verlieren weiter an Bedeutung. Deren Umwandlung in neue  Formate  wird darum weitergehen. Die Post hat aber Verbesserungspotential, wenn es darum geht, die Kunden in den Städten und auf dem Land über die neuen Angebote und Zugangspunkte zu informieren. Wir müssen und wollen die Information und den direkten Kontakt mit den Kantonen und Regionen verstärken und erklären, welches die Pläne in den nächsten Jahren sind.

Auch die Aufsichtsbehörde Postcom hat unlängst das Vorgehen der Post bei der Schliessung von Filialen als «willkürlich» kritisiert.
Die Vorgaben, wie die Post bei einem Umbau einer Poststelle in eine Agentur vorzugehen hat, sind gesetzlich geregelt. Daran halten wir uns auch. Im Übrigen sind wir auch als Verwaltungsrat gefordert, die heutigen Defizite bei den Poststellen abzubauen und zu verringern. Bis heute bezahlt die Post nicht nur jährlich 200 Millionen an Dividenden an den Bund. Sie finanziert aus eigener Kraft auch mehr als 400 Millionen Investitionen pro Jahr.

Im Parlament sorgt für Kritik, dass die Post seit Mitte 2016 unlesbare Empfängeradressen von ihrer Tochterfirma in Vietnam bearbeiten lässt. Damit verlagere die Post Arbeitsplätze ins Ausland.
Dabei handelt es sich um keine Auslagerung von bestehenden Arbeitsplätzen aus der Schweiz. Die sogenannte Extraktionscodierung ist eine Arbeit, die in der Schweiz noch niemand erledigt, da sie hier nicht kostendeckend erbracht werden könnte. Dadurch gehen in den Logistikzentren in Chur und Sion keine Stellen verloren. Soweit es weniger Stellen im Zustelldienst braucht, würde dies über natürliche Abgänge aufgefangen.

Inwiefern wollen Sie im Parlament Ihre Überzeugungsarbeit verstärken -- insbesondere bei Ihren Parteikollegen?
Wir nehmen die Kritik ernst und werden den Dialog auch mit dem Parlament und den Kommissionen   sicher noch verstärken, zumal sich die Post weiter verändern wird. Vor allem aber müssen wir jetzt Transparenz über unsere Pläne bei der Netzentwicklung schaffen und die Bevölkerung bei den Umwandlungsprozessen vor Ort viel besser miteinbeziehen.

 

* Urs Schwaller ist seit dem 1. Mai 2016 Verwaltungsratspräsident der Post.  Der 64-jährige Jurist sass zuvor viele Jahre für den Kanton Freiburg im Ständerat und war CVP-Fraktionschef.

 

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