Es sollte einer der neuen Ertragspfeiler der Post werden: Das Geschäft mit den Uniformen. Die Tochtergesellschaft Job Fashion, die zum Konzernbereich Paketpost gehört, stellte längst nicht nur die Berufskleider für die Post-Mitarbeiter her, sondern wollte im Markt mit Uniformen gross mitmischen. Sie gewann unter anderem die Ausschreibung zur Ausstattung von Firmen wie der Ruag oder den Verkehrsbetrieben der Stadt Bern.

Doch an die ganz grossen Aufträge kam die Post nicht: So ging der Konzern vor wenigen Tagen bei einem sehr grossen Auftrag in der Höhe von rund 2 Mio Fr. leer aus. Das Ziel, aus den aktuell erzielten rund fünf Umsatzmillionen in einigen Jahren 25 Mio Fr. zu machen, wurde vor diesem Hintergrund immer unrealistischer. Nun hat die Post ihre Expansion in diesem Bereich gestoppt, wie Konzernchef Jürg Bucher dem «Bund» bestätigt.

Kleider nur noch für die Post

Über die Gründe, die zum Ausstieg führten, sagt die Post indes nichts Konkretes. Gemäss Informationen der «Handelszeitung» gaben - neben den fehlenden Grossaufträgen - zwei Faktoren den Ausschlag für den Rückzug: Zum einen stellte sich immer mehr heraus, dass es unklar ist, ob für diese Geschäftstätigkeit der Post überhaupt eine gesetzliche Grundlage besteht. Dieses Risiko, so Post-Insider, habe der neue Chef nicht eingehen wollen.

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Zum andern wurde die Post aufgrund ihres Marktauftritts von Konkurrenten massiv öffentlich attackiert. Insbesondere kam es zu Vorwürfen, die Post gehe mit Dumpingpreisen in öffentliche Ausschreibungen und wende tiefere ethische und soziale Standards an als Mitbewerber. Die Branche spekulierte hinter vorgehaltener Hand über schlechte Arbeitsbedingungen der Zulieferer. Solche Gerüchte waren gerade für einen Bundesbetrieb inakzeptabel. Post-Sprecher Oliver Flüeler erklärt: «Punkto Zertifizierung bezüglich Umwelt und der Einhaltung sozialer und ethischer Standards ist die Schweizerische Post seit Jahren vielen Unternehmen und Anbietern im Wettbewerb voraus.»

Von Druck, der zum Ausstieg aus dem neuen Geschäftsfeld geführt hat, will man bei der Post nichts wissen. Flüeler: «PostLogistics hat entschieden, sich verstärkt auf die Kerngeschäfte Nachtlogistik, Kurier, Express & Paket, Transport- und Lagerlogistik auszurichten.» Im Bereich von Dienst- & Arbeitsbekleidung werde PostLogistics weiterhin Transport- und Lagerdienstleistungen anbieten, «auf das Angebot von weiteren Zusatzleistungen wie beispielsweise Beschaffung, Design und Pflege allerdings verzichten.» Dass die Post im Streit um ihre Strategie derart schnell einlenkt, zeigt vor allem auch, dass sie sich derzeit keinesfalls auf öffentliche Diskussionen rund um ihre Strategie einlassen will. Für Job-Fashion-Konkurrent Alfred J. Beerli, Chef der Firma workfashion.com AG, ist der Rückzug der Post eine äusserst gute Nachricht: «Das ist für uns Klein- und Mittelbetriebe ein grossartiger Erfolg.» Tatsächlich haben die Job-Fashion-Mitbewerber mit dem Textilverband in den letzten Wochen aktiv gegen den Ausbau der Post-Aktivitäten im Uniform-Business gekämpft. Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat sich in dieser Sache für die bestehenden mittelständischen Firmen engagiert. In der Branche geht man davon aus, dass am Ende aber nicht Konzernchef Bucher, sondern der neue Post-Präsident Peter Hasler den Entscheid zum Ausstieg aus diesem Geschäftsfeld gefällt habe.

Wachstumsfelder weiter unklar

Klar ist: Mit dem Rückzug aus dem Geschäft mit Dritten im Bereich Berufsbekleidung nimmt sich die Post nun per sofort aus dem Schussfeld. Unklar bleibt nach diesem Entscheid aber, wo denn der neue Post-Chef Bucher mit seinem Konzern künftig wachsen will. Bereits vor dem Uniform-Entscheid hat sich Bucher nämlich schon von Ausland-Engagements der Post im grossen Stil verabschiedet. Doch die Tatsache, dass das Inlandgeschäft der Post schrumpft, die bleibt.