Die Nachrichten wiederholen sich. Hier die gebeutelten Grossbanken, denen ganze Beraterteams den Rücken kehren und die, wie im Fall der UBS, weitreichende Kostensenkungsprogramme starten. Dort die Privatbanken, die neue Leute und Kundengelder im grossen Stil anziehen.

Doch nach zwölf Monaten hat die Subprime-Krise auch die renommierten kleineren Institute erreicht. Vorreiter für die anstehende Kostensparrunde ist Julius Bär als Nummer eins der Schweizer Privatbanken und die lange Zeit im Investment Banking erfolgreiche Zürcher Bank Vontobel.

Vontobel: «Shape» solls richten

Vontobel hat vor kurzem das Kostensenkungsprogramm «Shape» initiiert. «Mit Shape wollen wir fit bleiben und unsere Kostenbasis bis Ende Jahr spürbar verbessern», bestätigt Sprecher Jürg Stähelin auf Anfrage. «Verschlechtert sich die Lage, würden wir weitere Kostenmassnahmen prüfen.»

Die Bank reagiert auf die gedrückte Stimmung an den weltweiten Aktienmärkten. Im Juni 2007 übertraf der Index der grössten Schweizer Aktien, der Swiss Market Index (SMI), noch die 9500-Punkte-Grenze. Seit dem Allzeithöchst sank der SMI bis Anfang dieser Woche um fast einen Viertel auf noch gut 7200 Punkte. Dramatisch ist auch der Umsatzrückgang: Im August verzeichnete die Schweizer Börse SWX nur halb so viele Erträge wie im Vergleichsmonat 2007. Die Aktienkäufer streiken.

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Kurs- und Umsatzeinbruch hinterlassen erste Spuren in den Büchern der Banken. Einerseits bedeuten tiefere Kundenvermögen weniger Verwaltungsgebühren, die sich auf gut ein Prozent des Depotwertes belaufen. Andererseits schlägt die Flaute im Handel direkt auf die Erträge durch.

Bis Juni verdiente Vontobel unter dem Strich 115 Mio Fr., gut einen Drittel weniger gegenüber dem Vorjahr. Die Kosten-Ertrags-Relation schnellte von 62 auf 70% hoch. Gegenüber 2007 ist der Vontobel-Mitarbeiterbestand um fast 9% auf über 1300 Angestellte gestiegen, das verwaltete Kundenvermögen sank hingegen leicht auf 74 Mrd Fr. Beim Personal, dem grösstem Kostenfaktor, reagiert Vontobel. «Ein Stellenabbau mit Entlassungen ist momentan nicht geplant, natürliche Abgänge werden aber nur noch teilweise ersetzt», sagt Stähelin.

Bär hält sich bedeckt

Ähnlich soll das Bild bei Julius Bär sein. Hier werden laut einem ehemaligen Mitarbeiter angeblich Frühpensionierungen durchgeführt und Abgänge teilweise nicht ersetzt. Bei den Fondsprodukten von Beat Wittmann stehe ein grösserer Abbau bevor, und einige IT-Projekte würden gestoppt.

Auf Anfrage hält sich Julius Bär bedeckt. Die Expansion im In- und Ausland mit neuen Standorten und Personaleinstellungen würde fortgesetzt, sagt Sprecher Martin Somogyi. Gleichzeitig würden Leistungen des Personals überprüft. «Dies kann in Einzelfällen zu internen Neupositionierungen oder zur Trennung von Mitarbeitenden führen, wenn diese ihre vereinbarte Leistung selbst nach längerer Zeit nicht zu erbringen vermögen», sagt er.

Die Kosten-Ertrags-Relation stieg bei der Bank Bär, die zusammen mit dem Asset-Manager GAM den Konzern bildet, von 57 auf 59%, getrieben durch den Personalbestand, der sich sich um 13% auf über 3200 Vollzeitstellen erhöhte. Das verwaltete Kundenvermögen sank dagegen leicht auf 222 Mrd Fr. Wichtige IT-Projekte würden trotzdem wie geplant fortgesetzt, heisst es.

Sal. Oppenheim kostenbewusst

Von der Krise unberührt scheint die Schweizer Privatbankentochter der deutschen Sal. Oppenheim zu sein. Sie hat kein spezielles Kostensparprogramm initiiert, wie Direktionsmitglied Hanspeter Oes versichert. Aber: «Im jetzigen Umfeld sind wir kostenbewusster als früher.» In der Vermögensverwaltung will Sal. Oppenheim im Vorwärtsgang bleiben, Kundenberater würden eingestellt, ein Standort in Lugano eröffnet.

Die Bank Sarasin in Basel, mit rund 1100 Mitarbeitern und 81 Mrd Fr. verwaltetem Vermögen ähnlich gross wie die Zürcher Vontobel, will ebenfalls am eingeschlagenen Wachstumskurs festhalten. «Wir verhalten uns antizyklisch und verpflichten dieses Jahr bis einhundert neue Kundenberater», sagt Sprecher Benedikt Gratzl. Wer langfristig Kunden an sich binden wolle, müsse nachhaltig seine Strategie verfolgen und auch in schwierigen Märkten investieren statt bremsen.