Fällt ein Dominostein, kann es über Nacht für die Banken noch kritischer werden. Beim Bankiertag im September hatte sich Präsident Pierre Mirabaud trotz allen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten stolz gezeigt, dass in der Schweiz, anders als in anderen Ländern, kein Steuerfranken zur Rettung einer Bank aufgewendet werden müsse. Tempi passati. Das staatliche Rettungspaket von knapp 70 Mrd Fr. für die UBS lehrt uns etwas anderes. Und niemand weiss, was uns in den nächsten Monaten an Hiobsbotschaften aus der Finanzwelt weiter bevorsteht. Kommt es zum Konkurs von wichtigen Marktplayern, wie im Fall von Lehman Brothers, sind weitere Beben programmiert.

Die landläufige Meinung, nur einige spekulative Investmentbanken seien von der Finanzmarktkrise betroffen, ist falsch. Die Milliarden-Abschreiber waren in dieser Bankengruppe einfach am grössten. Jetzt aber sind die Verwerfungen an den Kapitalmärkten auch bei den übrigen Geldinstituten zu spüren. Verunsicherte Kunden sind nicht mehr so einfach zufrieden zu stellen, auch wenn sie längst ihre Konten bei den vermeintlich am stärksten gefährdeten Grossbanken aufgelöst haben. Angst ist aber ein schlechter Ratgeber. Wenn es nämlich um die Qualität der Beratung geht, müssen sich die UBS und Credit Suisse nicht verstecken. Eine im Sommer durchgeführte Mystery-Shopping-Erhebung von Neumann Zanetti & Partner zeigt, dass die beiden Grossen mit ihren Beraterinnen und Beratern die Nase ganz klar vor den Kantonalbanken und den Raiffeisenbanken haben, die jüngst mit Neugeld von Kunden geradezu überhäuft wurden. Nun muss sich weisen, ob diese Institute das ihnen anvertraute Geld auch nachhaltig bewirtschaften und halten können. Wie effizient eine Bank künftig arbeitet, steht auch eng in Verbindung mit der gewählten Informationstechnologie. Derzeit trennen sich viele Geldinstitute von veralteten Informatik-Plattformen und wechseln zu einer neuen IT-Genera- tion. Langjährige Gemeinschaftswerke werden sukzessive aufgelöst und durch neue IT-Communities ersetzt, die technologisch von den inländischen Softwarehäusern Avaloq und Finnova vorangetrieben werden. Dieses «Swiss Branding» bei der Bankensoftware stärkt den Finanzplatz in der Krise. Das Banking ist allen Unkenrufen zum Trotz immer noch ein Markenzeichen mit Ausstrahlung. Die Entwicklung bleibt dank den Qualitätshochschulen ETH und HSG stark auf die Schweiz fokussiert. Die vielgelobten asiatischen Märkte spielen in diesem Kernbereich nur eine untergeordnete Rolle.