Etihad Regional hängt in der Luft. Die Schweizer Fluglinie Darwin Airline, die seit November vergangenen Jahres unter dem neuen Namen firmiert, wartet auf den Segen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Die Behörde soll den Kauf von 33,3 Prozent des Unternehmens durch Anteilseigner Etihad abnicken. Dafür muss Etihad Regional aber nachweisen, dass der arabische Anteilseigner weder die Geschäftsstrategie lenken noch die Konzernführung bestimmen kann, sagte Konzernchef Maurizio Merlo am heutigen Dienstag bei der Präsentation der Streckenpläne.

Etihad steht derzeit wegen seiner Expansionspolitik unter Druck. Das deutsche Luftfahrt-Bundesamt hat vergangene Woche 34 von 60 gemeinsamen Flügen mit Air Berlin im Winterfahrplan untersagt. 46'000 Buchungen sind von der Entscheidung betroffen. Die Behörde begründete ihre Entscheidung damit, dass Luftverkehrsabkommen mit Abu Dhabi durch die Etihad-Pläne verletzt würden.

Zentraler Bestandteil der Etihad-Strategie

Dabei sind die Kooperationsflüge wichtig für Etihad und seine Partner. Bei den sogenannten Codeshares können die Kunden die Flüge über beide Fluggesellschaften buchen. Etihad hat vergangene Woche ein neues Luftfahrtbündnisses gegründet, unter anderem mit Alitalia, Air Berlin und Etihad Regional. Die Fluggesellschaften verbinden über 250 Destinationen miteinander.

Anzeige

In der Schweiz sollen die Etihad-Pläne bis Ende Oktober begutachtet werden. Auch wenn die Regional-Airline bereits unter dem Namen der arabischen Mutter firmiert – bisher hält diese noch keine Anteile an der früheren Darwin. Und erst nach der Bazl-Zustimmung fliesst von Seiten der arabischen Airline auch Kapital.

Das wiederum ist prekär für die Regionalfluglinie Etihad Regional. Sie hat jetzt – noch bevor der Bescheid vorliegt – umfassende Expansionspläne angekündigt. Nachhaltig finanziert, wie Marketingchef Christian Schneider versichert. «Die Pläne sind für den Sommer 2015, wir hoffen durch das breitere Angebot auf einen entsprechenden Anstieg bei den Ticketbuchungen», sagt Schneider. «Auf diese Weise soll die Erweiterung gegenfinanziert werden.»

Internationale Flüge ab 49 Euro

Etihad Regional baut sein Streckennetz auf 37 Destinationen in Europa aus. Mit seinen zwölf Maschinen wird die Airline ab Sommer 2015 regelmässig Venedig, Prag und Pristina anfliegen. Der Sommerflugplan sieht auch saisonale Ziele vor, etwa zweimal wöchentlich eine Verbindung nach Palma de Mallorca. Das Angebot für Flüge nach Leipzig und Dresden wird aufgestockt.

Billigflieger Etihad Regional setzt dabei auf Wachstum bei Tiefpreisen. In einer Rabattaktion werden Flüge ab Genf für einen Preis ab 49 Euro, One way, offeriert. Gleichzeitig wird das Personal bis Ende des Jahres um 102 Mitarbeiter auf 320 Angestellte aufgestockt.

40 Prozent mehr Umsatz kalkuliert

Etihad Regional nimmt 2014 rund 90 Millionen Franken ein. Für 2015 erwartet Konzernchef Merlo eine Steigerung um rund 40 Prozent. Ein wesentlicher Punkt für das Gelingen der Strategie  ist für die Regional-Airline der Ausbau der möglichen Anschlussflüge. Ein Viertel der Passagiere nutzt bereits solche Verbindungen. Schneider sagt: «Wir gehen davon aus, dass diese Zahl noch erheblich steigen würde.»

Bisher ist das aber erst für wenige Strecken möglich – etwa die Flüge von Zürich über Genf und Abu Dhabi nach Sydney können heute über Etihad bereits durchgehend gebucht werden. Doch genau dieser Punkt ist heikel. Es könnte bei den sogenannten Codeshares mit Etihad sein, dass die Verflechtungen der beiden Airlines zu gross werden. Genau aus diesem Grund war bei Air Berlin ja das Luftfahrt-Bundesamt eingeschritten.

Anzeige

Air Berlin kooperiert mit Alitalia

Auch wenn die Verbindungen mit Etihad derzeit auf Eis liegen: Das Netzwerk rund um die arabische Airline verdichtet sich weiter. Air Berlin wird laut Nachrichtenagentur AWP ab Oktober seine Flüge gemeinsam mit Alitalia vermarkten, wie die Fluggesellschaft am Dienstag bekannt gab. Dann trete ein sogenanntes Codeshare-Abkommen für 412 wöchentliche Direktflüge zwischen Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz in Kraft.

Auch Etihad Regional setzt auf die Erweiterung mit europäischen Partnern: Neben einem bereits bestehenden Abkommen mit Alitalia will die Airline seine Kooperation mit Air France ausbauen. Eine entsprechende Vereinbarung soll bis zum März 2015 stehen.

Anzeige