Mit einer Rebfläche von 100 Hektaren ist Jean-Bernard Rouvinez, Chef der Rouvinez/Orsat-Gruppe, Sierre VS, der grösste Rebbauer der Schweiz. Er glaubt an die Chancen von regional produzierten Qualitätsweinen. Zudem seien die Liebhaber bereit, für einen guten Tropfen wieder tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Jean-Bernard Rouvinez: Selbstverständlich hat die wirtschaftliche Lage einen Einfluss darauf, wie viel Wein konsumiert wird. Aber noch wichtiger sind die sich ändernden Trinkgewohnheiten. So ist ein Glas Wein zum Mittagessen in einem Restaurant heute eher die Ausnahme als die Regel. Auch Überlegungen zum Lebenswandel wirken sich aus. Man verzichtet heute auf Alkohol zugunsten eines gesunden und sportlichen Lebens oder auch, weil beim Autofahren die Promillegrenze auf 0,5 Promille gesenkt worden ist.

Rouvinez: Global gesehen rechnen wir dieses Jahr mit einem Rückgang von 3 Prozent beim Weinverkauf. Der Einbruch bei Rouvinez fällt wahrscheinlich niedriger aus, da wir den Rückgang mit Marktanteilsgewinnen kompensieren konnten. Allgemein stellen wir fest, dass die privaten Konsumenten die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Schweizer Weine wieder zu entdecken begonnen haben. Dies gilt es zu fördern. Wir tun dies auf Fachmessen, an Degustationen und über Angebote für den Weintourismus.

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Rouvinez: Selbstredend spreche ich zuerst in eigener Sache. Die Konsumenten interessieren sich besonders für die einheimischen Weine, die wegen ihrer Qualität und der Publizität an Bekanntheit gewonnen haben. Das trifft bei uns im Wallis besonders auf die Rebsorten Petite Arvine und Cornalin zu. Andere Spezialitäten wie der Heida oder l’Humagne Rouge müssen noch stärker beworben werden. Die internationalen Rebsorten Pinot Blanc, Sauvignon oder Chardonnay behaupten ihre Marktanteile, besitzen im Wallis jedoch kein weiteres Entwicklungspotenzial mehr. Im Grosshandel behaupten sich der Fendant, der Dôle, Le Pinot Noir und der Œil de Perdrix als sichere Werte.

Rouvinez: Ja, für Qualitätsweine mit einem gewissen Renommee. Ich bin persönlich überzeugt, dass Qualitätsweine, gerade wenn sie regional und somit umweltfreundlich produziert werden, in der Schweiz einer guten Zukunft entgegenblicken. Die Verkäufe in der Gastronomie und an den Fachmessen deuten ausserdem darauf hin, dass gerade unsere teuersten Weine, so der Petite Arvine Château Lichten, der Cornalin Montibeux sowie der Le Tourmentin, am häufigsten bestellt werden.

Rouvinez: Als Familienbetrieb geben wir keine Kennzahlen bekannt. Uns ist wichtig, dass jedes Unternehmen unserer Gruppe seine Eigenheiten bewahrt und als individuelle Marke mit unterschiedlichen Kundschaften erhalten bleibt. So positionieren wir Orsat als Partner für den Grosshandel und Discountbetriebe. Rouvinez oder Imesch hingegen verkaufen ausschliesslich Weine aus ihren eigenen Weinbergen. Die Kunden sind Privatkonsumenten, Grossisten und Fachhändler.