TOURISMUS. Teurer Euro, Euro 08: Beste Voraussetzungen für Schweizer Ferienregionen, inländische Gäste in die Regionen zu locken. Aber wenn am 17. Januar 2008 die Ferien- und Gesundheitsmesse in Bern den Auftakt zur diesjährigen Ferienmesse-Saison macht, fehlen viele Schweizer Regionen. «Die ganze Welt vereint sich bei uns, nur die Schweizer Destinationen machen sich rar», stellt Daniel Wyss, Managing Director Wigra Expo, fest. Er ist verantwortlich für die Ferienmessen in Bern, Basel, Genf und die Zürcher Fespo. Prominentester Abwesender, der früher in Bern, Zürich und St. Gallen einen Stand hatte: Der Kanton Tessin.

Die Ausländer legen zu

Auch die St. Galler Ferienmesse registriert abnehmendes Interesse aus der Schweiz, wie Rolf Brun, Abteilungsleiter Fachmessen der Olma Messen St. Gallen, sagt. Seit 2006 stellt zum Beispiel Luzern Tourismus nicht mehr in St. Gallen aus, und auch Graubünden Ferien verzichtet auf Messeauftritte in der Schweiz. «Die Tourismusorganisationen verpassen eine Chance», ist Brun überzeugt. Tatsächlich fallen gut 50% der Logiernächte in der Schweiz auf Gäste aus dem Inland. Kommt hinzu: Die ausländische Konkurrenz schläft nicht. «Die Zahl der Aussteller aus Österreich, Deutschland und Südtirol ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, während jene aus der Schweiz abgenommen haben.»

Die Budgetverantwortlichen in den Ferienregionen fällen die Entscheide zum idealen Mix im Marketing gezielt: «Wir ändern unsere Strategie und fokussieren ab 2008 auf eine Veranstaltung, an der wir aber umso grösser auftreten und in die wir verhältnismässig viel Geld stecken», sagt zum Beispiel Patrick Lardi, Marketingleiter von Tessin Tourismus. 2008 habe man sich für die Muba in Basel entschieden. Denkbar sei in Zukunft aber auch ein Event wie das Zürcher Sechseläuten, aber auch eine der grossen Schweizer Ferienmessen.

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Wallis: Gegen den Trend

Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, kritisiert, dass die Schweizer Ferienregionen an den inländischen Ferienmessen ungebündelt auftreten. Zenhäuserns Vorschlag: Eine gemeinsame Pforte, hinter der sich die Vielfalt der Schweiz zeigt. Dass das Wallis – entgegen dem Trend – in diesem Jahr einen Messemarathon durch die halbe Schweiz macht, hat einen Grund, der Lötschberg heisst. «Wir stellen insgesamt an 17 Messen aus, in der Schweiz an deren fünf», sagt Zenhäusern. Wallis Tourismus hat dafür 500000 Fr. budgetiert.

Aber schon 2009 könnte die Omnipräsenz wieder vorbei sein. Zenhäusern: «Messen haben nicht mehr die gleiche Wirkung wie in den 1960er Jahren und weniger Gewicht im Marketingmix.» Tatsächlich ist das Internet auf der Überholspur (siehe Grafik). Informationssuche über Messen rangieren bei Ferienfreudigen weit hinten. Und Messen haben bei den Ausstellern das Image, teuer zu sein. Dem widerspricht Wyss vom Messeorganisator Wigra: «Eine Seite Zeitungsinserat kostet je nach Medium rund 24000 Fr., das bei hohem Streuverlust.» Eine Messe dagegen sei zielgerichtet. Dass Feriensuchende sich immer noch gerne an einer Messe informieren, zeigen die Besucherzahlen von 2007. Die Ferienmessen in Bern, Basel, Genf, Zürich und St. Gallen verzeichneten im Vergleich zu 2006 allesamt steigende Gästezahlen.

 

 

NACHGEFRAGT
«Der Messe-Auftritt hat nur beschränkten Nutzen»

Thomas Bieger, Leiter des Instituts für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen, zu Ferienmessen.

Vernachlässigen Schweizer Feriendestinationen die Schweizer?

Thomas Bieger: Nein. Sie nutzen einfach andere Marketinginstrumente. Der Schweizer Tourismusmarkt ist ein reifer Markt. Die Schweizer kennen die Schweiz, da hat der Auftritt an einer Messe nur noch beschränkten Nutzen.

Könnte das Fernbleiben von Grossen weniger bekannten Destinationen nutzen?

Bieger: Generell sind die Angebote in der Schweiz heute vielfach austauschbar. Preis und Qualität sind entscheidend. Verkaufsförderungsinstrumente wie Messeauftritte sind jedoch vor allem geeignet, Interesse zu wecken, Image zu bilden und Detailinformationen zu vermitteln.

Die grenznahe Konkurrenz nimmt an den Schweizer Messen vermehrt teil, obwohl sie das gleiche Produkt, ein Bergerlebnis, verkauft.

Bieger: Diese Destinationen sind weniger bekannt und es besteht ein höherer Erklärungsbedarf, der an Messen befriedigt werden kann. Zudem ist der Druck auf die Destinationsstrukturen und die Verknappung der Marketingbudgets im Ausland noch nicht überall so stark wie in der Schweiz.