Für die Planung der Pensionierung ist die persönliche und finanzielle Situation sehr wichtig. Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass der Versicherte für seinen Lebensunterhalt nach der Pensionierung einen gewissen Mindestbedarf festlegt. Von diesem Bedarf zieht er die AHV-Rente ab und kommt damit auf den Betrag, den er aus dem Pensionskassengeld finanzieren will. Als Beispiel können dies 3000 Franken pro Monat oder jährlich 36000 Franken sein. Bei einem heute gebräuchlichen Umwandlungssatz von 6,5 Prozent berechnet die Pensionskasse dafür rund 554000 Franken an Altersguthaben. Er kann diese Rente aus der Pensionskasse beziehen oder sich ein Kapital auszahlen lassen, das er dann entsprechend einteilt, um seinen Bedarf bis ans Lebensende zu decken. Die Frage ist, wie hoch das Kapital ist, das er dafür zurückstellen muss.

Wenn der Versicherte seine Rente aus der Pensionskasse bezieht, besteht ein gewisses Risiko, dass die Pensionskasse irgendwann die Rente nicht mehr bezahlen kann. Dies wird durch den Sicherheitsfonds bis zu einer recht grosszügig bemessenen Grenze rückversichert. Beim Kapitalbezug werden sämtliche Risiken vom Pensionierten getragen. Diese Risiken bestehen im Wesentlichen aus der Lebenserwartung und dem unsicheren Ertrag.

Möchte ein Einzelner sein Guthaben mit recht hoher Sicherheit so aufteilen, dass es bis zum Lebensende reicht, benötigt er ein 40-50 Prozent höheres Kapital, als wenn die Pensionskasse dies tut (siehe Grafik). Der Grund: Der Pensionierte muss zur Sicherheit davon ausgehen, dass er etwa 90 Jahre alt wird. Eine Pensionskasse hingegen kann mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass der Durchschnitt ihrer Neurentner nicht viel mehr als 80 Jahre alt wird. Sie kann Gewinne, die bei Personen entstehen, welche früh sterben, zur Deckung der Kosten derjenigen, die sehr alt werden, verwenden.

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Auch bei der Kapitalanlage kann die Pensionskasse mehr erwirtschaften. Die Anlagegebühren für einen einzelnen Versicherten sind zudem deutlich höher als diejenigen der Pensionskasse. Alles in allem kann man davon ausgehen, dass die Pensionskasse einen um etwa 1-2 Prozent höheren Ertrag pro Jahr erzielt, was einer 10-25 Prozent höheren Rente entspricht.Der Versicherte muss bei Kapitalbezug also ein mindestens 50 Prozent höheres Guthaben ansparen, als er es bei Rentenbezug benötigt. Im Vergleich dazu sind die steuerlichen Vorteile bei Kapitalauszahlung sehr bescheiden. Auch wenn man einberechnet, dass unverheiratete Personen bei Pensionskassen meist für die Ehegattenrente mitbezahlen.

Warum entscheiden sich trotzdem nicht wenige Versicherte für das Kapital? Ein Grund ist sicher, dass Pensionskassen nicht unglücklich darüber sind, wenn ihre garantierten Rentenleistungen nicht stetig steigen, da dies mit der Übernahme von materiellen Garantien verbunden ist. Umgekehrt verdienen Banken und Berater gutes Geld damit, die Ersparnisse der Rentner zu verwalten. Die Unabhängigkeit der Beratung durch Personen oder Institutionen, welche an der Geldanlage verdienen, ist also sehr in Frage zu stellen. Ein weiterer Grund ist auch der Umstand, dass die meisten Leute den Wert einer Rente deutlich unterschätzen.