Der Markt für Musik auf physischen Datenträgern, wie etwa CDs, ist auch 2008 erneut geschrumpft. Experten gehen im letzten Jahr von einem Rückgang von 6 bis 8% aus.

Dafür sind nicht nur illegale Downloads verantwortlich. Zwar schätzt der Branchenverband, dass noch immer 95% der aus dem Internet heruntergeladenen Musik aus illegalen Quellen stammen, doch gewinnt der Markt für digitale Musik laufend an Fahrt und gräbt physischen Datenträgern zunehmend das Wasser ab. In den USA werden bereits gegen 40% der Musik über digitale Kanäle bezogen. Bei der US-Plattenfirma Atlantic Records, einem Tochterunternehmen von Warner Music, schlugen im letzten Jahr die Download-Verkäufe erstmals den Absatz von CDs. Auch in der Schweiz entwickelt sich der Download-Markt rasant. 2007 betrug der Anteil legal heruntergeladener Musik 8,7%. 2009 rechnen Schweizer Branchenkenner bereits mit 14 bis 15%. Die Schweiz sei für Universal Music der achtgrösste digitale Markt, äusserte sich ein Sprecher von Universal Music Schweiz vor wenigen Tagen an einer Veranstaltung. Für ein weiteres Wachstum sind die Chancen intakt. Die gute Verbreitung von Kreditkarten, die hohe Dichte an Breitbandanschlüssen und die grosse Zahl von technologiebegeisterten Early Adopters spricht für eine weitere Durchdringung. Doch nicht nur der Online-Einkauf am PC gewinnt an Bedeutung. Bei Nokia werden bereits 35% der weltweiten Zugriffe auf den Musik-Shop direkt vom Handy aus getätigt. Auch hier zeichnet sich ein weiteres Wachstum ab.

Mehr Anbieter stehen zur Wahl

Der blühende Markt soll nicht kampflos Branchen-Primus Apple überlassen werden. Mit Ex Libris, «I-M» von Migros, Nokia, der Kooperation von Orange mit City Disc und Sony Ericssons Service «Play Now Arena» buhlt eine grössere Zahl von Konkurrenten um Kunden. Die Shops unterscheiden sich derzeit noch kaum durch den Preis. Der Download einzelner Stücke kostet bei den meisten Anbietern etwa 1.50 Fr., Alben schlagen mit etwa 15 Fr. zu Buche. Unterschiede machen sich in der Tonqualität bemerkbar. Die Musikstücke sind je nach Anbieter stärker komprimiert. Audiophile kaufen ihre Musik dort, wo weniger verlustreiche Verfahren verwendet werden, wie etwa bei iTunes oder Sony Ericsson. Ex Libris und Nokia gewichten dafür Schweizer Musiker stärker. Endlich zeichnet sich auch ein kundenfreundlicherer Umgang mit dem digitalen Rechtemanagement (DRM) ab. Ein per Download gekauftes DRM-geschütztes Musikstück konnte bisher nicht unbeschränkt kopiert werden. Einige Abspielgeräte verweigerten zudem die Wiedergabe von DRM-Dateien.

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Hürde DRM fällt

Vor kurzem wurde zudem bekannt, dass Apple bei iTunes auf DRM verzichtet. Die Songs sollen aber die E-Mail-Adresse des Kunden enthalten. Ein Stück kann so dem ursprünglichen Käufer zugeordnet werden.

Bei Ex Libris und «Play Now Arena» von Sony Ericsson wächst die Zahl der rechtefreien Tracks. Nokia ist bestrebt, im 2. Halbjahr nur noch DRM-freie Musik zu verkaufen.

Neue, attraktive Preismodelle

Nicht nur das Rechtemanagement, auch die Preismodelle werden kundenfreundlicher. Migros und Musicload, eine Tochter des deutschen Telekom-Riesen T-Mobile, bieten Streaming-Modelle an. Für eine monatliche Gebühr von 10 bis 15 Fr. lässt sich eine Musik-Flatrate lösen. Das in einigen europäischen Staaten bereits seit einigen Monaten erfolgreich praktizierte Tarifmodell «Comes with Music» von Nokia soll im Herbst auch in der Schweiz für Furore sorgen. Wer sich ein Nokia-Mobiltelefon der Kategorie «Comes with Music» kauft, hat das Recht, 12 bis 18 Monate lang unbegrenzt Songs zu beziehen. Die Musik ist nicht geschützt und kann auch nach Ablauf der Frist weiter angehört werden. Nokia übernimmt die Abgeltung der Rechteinhaber.Sony Ericsson bietet bereits in einigen Staaten ein Download-Abo an. Auch das «Play Now Plus» getaufte Angebot bietet eine unbegrenzte Zahl von Downloads und soll in wenigen Wochen in der Schweiz erhältlich sein.

Vorsicht vor den Russen

Noch immer bieten einige vorwiegend russische Download-Shops Musik zu konkurrenzlos günstigen Preisen an. Kunden sollten jedoch vorsichtig sein. Der Käufer gibt seine Kreditkartendaten in zumindest teilweise dubiose Hände. Zudem verzichten die Anbieter häufig darauf, die Rechteinhaber abzugelten, verkaufen also die Musik illegal. Trotz der unsicheren Rechtslage in einigen Staaten gehen Musikkonzerne gegen illegale Anbieter vor. Das kann für Kunden solcher Shops zur Folge haben, dass ihre einbezahlten Guthaben verfallen und sie ihre bereits gekauften Songs nicht mehr herunterladen können.