Coop wappnet sich für den Markteintritt von Lidl und den Wirtschaftsabschwung. Über 600 Markenprodukte werden seit Sonntag bei Coop um durchschnittlich 12% verbilligt.

Denn der deutsche Discounter Lidl ist stark im Angebot von Markenartikeln. Im Frühling will der Harddiscounter auf einen Paukenschlag mehrere Läden in der Schweiz eröffnen und Aldi wird seine 100. Filiale hierzulande feiern. Das wird die Preisschlacht weiter anheizen - zur Freude der Konsumentinnen und Konsumenten, die mit tieferen Preisen rechnen können. Migros und Coop werden alles tun, um ihre Kunden vom Fremdgehen abzuhalten. Doch Newcomer Lidl ist mit allen Wassern gewaschen. Noch vor seinem Markteintritt hat sich der Discounter bereits bei der Wettbewerbskommission über seine Konkurrenten beklagt, weil diese angeblich Druck auf Lieferanten ausüben würden, die auch Lidl beliefern wollen. Der harte Preiskampf wird den Druck auf die Markenartikelhersteller massiv verschärfen.

Der Kampf der beiden Detailhandelsriesen nimmt immer groteskere Formen an. Jede Aktion im Stellungskampf provoziert prompt eine Reaktion. Kaum hat Coop eine Senkung der Brotpreise angekündigt, zieht Migros nach. Und wenn Migros den Milchpreis senkt, lässt Coop verlauten, sie hätten das schon lange geplant. Nur durch eine Indiskretion sei die Migros ihnen zuvorgekommen und habe den Schritt bereits vollzogen. Weitere Differenzen zwischen Hansueli Loosli und Herbert Bolliger werden sich mit dem Eintritt von Lidl wohl häufen. Der Konsumabschwung wird ebenfalls zu tieferen Preisen führen. Nutzniesser des Konsumabschwungs ist in der Regel Migros, da die Konsumenten in einer Rezession mehr auf ihr Portemonnaie achten und deshalb im Dutti-Laden einkaufen. Dagegen ist Coop im Konsumaufschwung der letzten Jahren klar stärker gewachsen als der Zürcher Konkurrent. Doch nachdem Coop sein Image als teurerer Detailhändler vehement bekämpft hat, gilt diese Faustregel in der Zukunft vielleicht nicht mehr.

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Etwas Frauenpower bei Coop

Bei beiden Genossenschaften werden neue Führungspositionen besetzt. Als wichtige personelle Änderung bei Coop soll im April die Unternehmensberaterin Irene Kaufmann-Brändli zur Nachfolgerin von Anton Felder auf den Präsidentenstuhl des Verwaltungsrats gewählt werden. Damit gelingt es endlich einer Frau, in die Führungsriege von Coop aufzusteigen. Bei Migros wird Denner-Chef Philippe Gaydoul auf Ende Jahr zurücktreten. Dass Migros eine Frau als Denner-Chefin einsetzt, gilt aber als unwahrscheinlich.

Die Migros wird sich sputen müssen, um ihren Marktvorsprung weiter zu halten. Mit ihren Migrolino-Läden an den Tankstellen von Shell will Migros endlich auch vom Boom der Convenience-Shops profitieren - so wie das Coop mit Coop Pronto vormacht. Denn eines ist in der Branche klar: Die Wachstumsfelder 2009 werden die Convenience Shops und die Discounter sein.