Ihr Reingewinn nahm trotz der sinkenden Umsätze um 2,2% zu. Wie haben Sie das erreicht?

Owen Killian: Wir haben die Kosten im Griff. Unser Ziel ist es zwar, die Einnahmen zu steigern, doch das ist derzeit schwierig. Daher müssen wir verstärkt auf die Ausgaben achten, zuletzt haben wir deshalb mehr auf industrielle Produktion gesetzt, das hatte einen positiven Einfluss auf die Marge.

Das stimmt. Der Umsatz von Aryzta ist im vergangenen Jahr um 8% zurückgegangen. Weshalb?

Killian: Die Rezession wirkt noch immer nach und die Konsumenten kaufen weniger ein. Gerade beim Food-Service-Geschäft, also der Belieferung von Hotels und Restaurants, spüren wir den Rückgang. Doch der Einbruch ist komplett auf die wirtschaftlichen Umstände zurückzuführen. In Staaten, die von der Krise gebeutelt werden, etwa Irland und Grossbritannien, ging der Umsatz um rund 20% zurück. Unsere anderen Märkte waren hingegen nicht so stark betroffen.

Bereitet Ihnen die Lage in Grossbritannien und Irland keine Kopfschmerzen?

Killian: Aryzta ist wesentlich stabiler geworden. Denn durch die Akquisitionen, die wir in den letzten Monaten getätigt haben, erzielen wir nur mehr 15% des Umsatzes in Irland und Grossbritannien.

Aryzta hat mit Fresh Start Bakeries and Great Kitchens zwei gewichtige Akquisitionen vorgenommen. Folgen weitere?

Killian: Wir wollen uns im Marktumfeld optimal positionieren und organisch wachsen. Zukäufe müssen unsere geografische Diversifizierung verbessern, die Absatzkanäle ausweiten oder die Produktpalette vergrössern. Wir haben in den letzten Monaten bereits sehr viel gemacht, daher wäre es nicht überraschend, wenn wir im nächsten Jahr keine Zukäufe tätigen würden.

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Wie sind Sie von der Rally bei den Rohstoffpreisen betroffen. Gerade der Weizenpreis war zuletzt heftigen Schwankungen unterworfen?

Killian: Wir müssen die Preise anpassen und so das Geschäftsmodell schützen. Doch noch immer ist es so, dass der Kunde bei Backwaren viel für sein Geld erhält. Auch wenn sein Preis steigt, ist Brot noch immer der günstigste Bestandteil eines Sandwiches.

Wann wird sich die Lage normalisieren?

Killian: Das ist im Moment kaum abzuschätzen. Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, dass es ein, zwei Jahre lang keine Preissteigerung beim Weizen geben wird. Bedeutende Restbestände aus der Ernte von 2009 und die Anzeichen für einen guten Ernteertrag 2010 deuteten auf eine Entspannung. Es sah so aus, als ob mehr Weizen hergestellt als konsumiert wird. Das ist selten der Fall. Doch es ist ein sehr volatiler Markt, der vom schlechten Wetter und von den Bränden in Russland getrieben wurde.

Wie betrifft das Aryzta?

Killian: Auch wenn es scheinbar genügend Weizen gibt, fehlt uns der Weizen mit einem genügend hohen Proteingehalt für die Brotproduktion. Der Preisaufschlag beim Brot liegt daher über dem, was die Preisrally beim Weizen vermuten lässt.

Das heisst?

Killian: Es ist gut möglich, dass der Brot-Weizen längerfristig teuer bleibt. Zumindest so lange, bis bessere Ernten eingefahren werden. Auf lange Sicht steigt die Nachfrage ohnehin stark an. Das bedeutet auch, dass bei steigenden Preisen die Volatilität zunehmen wird.

Wie reagieren Sie darauf?

Killian: Wir müssen bei den Preisen reaktionsfähig sein. Wir haben 2008 die Preise erhöht, 2009 wieder gesenkt und nun werden sie wieder steigen müssen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Aryzta-Tochter Origin?

Killian: Origin war in letzter Zeit sehr erfolgreich. Das Unternehmen hat sich nun repositioniert und wird den Fokus auf integrierte Agronomie setzen. Wir glauben, dass dieses eine grosse Zukunft vor sich hat. Denn das Umfeld wird sich dahingehend verändern, dass die Produktion von Nahrungsmitteln strategischer ablaufen wird. Nahrungsmittelsicherheit wird ein grosses Thema werden. Wir wollen den Landwirten helfen, mit geringerem Aufwand zu produzieren und den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln zu reduzieren.