Die Finanzmärkte machen es dem privaten Investor und den Vorsorgeeinrichtungen nicht leicht: Das Anlegen der Gelder wird bei den tiefen Zinsen zur echten Herausforderung. Kurzzeitig lassen sich auch an den Aktienmärkten keine grossen Gewinne erzielen, anders als noch vor gut einem Jahrzehnt, als die Börsenkurse stetig aufwärts strebten. Entsprechend vorsichtig fallen die Anlageentscheide aus. Trotz garstigem Umfeld wäre es aber verfehlt, mehrheitlich in sogenannt risikolose Finanzinstrumente zu investieren. Auch mit solchen Vehikeln ist man gegen unliebsame Überraschungen nicht gefeit, wie etwa das Beispiel der griechischen Staatsanleihen eindrücklich vor Augen führt.

Wer seine Investments mit einem langfristigen Horizont tätigt, darf sich von zeitlich begrenzten Turbulenzen nicht beirren lassen. Das gilt speziell für Pensionskassen, die unter dem Eindruck einer Unterdeckung die Aktienquoten massiv zurückfahren, um einem weiteren Kursabsturz vorzubeugen. Dabei geht vergessen, dass gerade Aktien in guten Börsenzeiten hohe Renditechancen bieten. Über mehrere Jahrzehnte hinweg, und das sind für Vorsorgewerke normale Haltedauern, werfen Risikopapiere den höchsten Ertrag ab. Die markanten Schwankungen an den Märkten gleichen sich ebenfalls aus. Bereits nach einem Dutzend Jahren sind die Volatilitäten viermal kleiner. Wichtig ist bei einer einmal gewählten Anlagestrategie das Rebalancing: Die Aktienbestände müssen im Gefolge von tieferen Kursen konsequent ausgeglichen werden.

Die individuellen Investmentprodukte sind in der jüngsten Vergangenheit durch eine Reihe von Rentenversicherungen mit wählbaren Garantien ergänzt worden. Dabei steht der Kapitalschutz ganz weit oben. Immer mehr zeigt sich, dass die Anleger vor allem auf Sicherheit setzen und dafür mit einer niedrigen Rendite zufrieden sind. Die Risikoaversion jedenfalls ist weiterhin spürbar. Das stellt auch Anforderungen für die Versicherer. Sie müssen im Tiefzinsumfeld darauf achten, dass die versprochenen Leistungen nachhaltig zu erwirtschaften sind. Die ständige Anpassung der Preise, das sogenannte Repricing, ist ein untrügliches Zeichen für die Ungewissheit bei den Versicherern. Das sollten sich auch jene Pensionsberechtigten merken, die statt einer lebenslangen Rente die Kapitalauszahlung bevorzugen. Der Anlageprozess gestaltet sich für sie im jetzigen Umfeld ebenso schwierig. Patentrezepte gibt es in diesen turbulenten Zeiten keine, dafür lauern viele Absturzgefahren. Mit einer gesicherten Rente, selbst wenn sie durch demografische Faktoren geschmälert wird, lässt sich gut schlafen.

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