Das Diktum des ehemaligen deutschen Bundesarbeitsministers Franz Müntefering, der Finanzinvestoren pauschal zu «Heuschrecken» erklärte, ärgert die Private-Equity-Branche noch heute. «Privates Wagniskapital generiert doch keine Heuschreckenplage», entrüstet sich Maurice Pedergnana, Finanzprofessor und Geschäftsführer der Branchenvereinigung SECA, im Interview (siehe unten). «Schreckhaft wäre dagegen, wenn man für neue Ideen kein Geld mehr hätte.»

Tatsächlich hat sich seit 2005, als Müntefering seine Kapitalismuskritik äusserte, vieles geändert für Investoren in Privatmarktbeteiligungen. Auf die Boomjahre 2006 und 2007 mit ihren Mega-Buyouts folgte das Jammertal der Finanzkrise: Die Liquidität brach zusammen. Anleger forderten ihr Geld zurück, in den Anlage-Portefeuilles kam es zu Abschreibern. Und obwohl sich seither die Lage an den Finanzmärkten etwas entspannt hat, ist an eine Rückkehr zu den «guten alten Zeiten» nicht zu denken. Mega-Buyouts sind für Jahre vom Tisch, und Private-Equity-Fonds kämpfen sowohl um Investoren als auch um Investitionsgelegenheiten.

Doch das birgt gleichzeitig die Chance, auf gute, alte Werte zurückzukommen. Aufs Unternehmertum und auf kaufmännische Grundsätze beispielsweise. Private Equity, zumal jene in der Schweiz, zeigt, dass sie diese Chance zu nutzen weiss. So wird vermehrt mit strategischen Inves-toren aus der Industrie zusammengearbeitet. Die Fondsmanager werden selber Patrons, bleiben langfristig eingebunden, engagieren sich in Forschung und Entwicklung und stellen den Firmen auch Dienstleistungen zur Verfügung. Gleichzeitig erschliesst sich Private Equity das Thema Nachhaltigkeit: Cleantech und Socially Responsible Investments heissen die neuen Betätigungsfelder. Seit den Worten von Müntefering hat sich das Rad also einmal um die Achse gedreht: Nun veröffentlicht die Private-Equity-Branche ein Manifest zugunsten der Förderung von Cleantech. Und der dabei federführende SECA-Geschäftsführer Pedergnana ist wie Müntefering Sozialdemokrat. Die Heuschrecken von damals wandeln sich zu Gärtnern für aufstrebende Firmen und Ideen.

Anzeige

Bis jedoch die Zukunftsvisionen Realität werden, kämpften die Schweizer Private-Equity- Firmen ums Überleben. Nur, wer seine Renditeversprechen einlösen kann, wird von den misstrauischen Investoren künftig noch Geld erhalten. Das werde nicht allen gelingen, sagt Pedergnana. «Ich vermute, dass unter den Fondsmanagern daher in den nächsten zehn Jahren ein klarer Bereinigungsprozess stattfinden wird.»