Marco Bagutti kann die immer wiederkehrende Warnung vor stark steigenden Zinsen nicht mehr hören: «Wir verzichten auf Zinsabsicherungen», erklärt der Leiter Kapitalanlagen bei der Auffangeinrichtung BVG. Wie viele in der Pensionskassenbranche glaubt er nicht mehr an einen unmittelbar bevorstehenden Anstieg der Zinsen, stattdessen geht er von anhaltend tiefen Kapitalmarktsätzen aus.

Es ist das Horrorszenario der ganzen Branche. Die Pensionskassen suchen daher verzweifelt nach Zusatzrenditen. Das bieten nur noch riskante Anlagen. Die populären Schwellenländer- und Firmenanleihen sind nach ihrem steilen Kursanstieg anfällig für schmerzhafte Kurskorrekturen. Die Vorsorgeeinrichtungen müssen auf solche risikoreichen Anlagen ausweichen, weil der Markt für Schweizer Immobilien ausgetrocknet ist. Es finden sich keine Objekte mehr mit attraktiver Rendite. Aktien kommen als Alternative nur bedingt in Frage: Die Mehrzahl der Kassen deckt zwar ihre Verpflichtungen zu knapp über 100 Prozent. Um aber die Risiken von grossen Aktienengagements mit der nötigen Schwankungsreserve abzufedern, wäre ein Deckungsgrad von mindestens 115 bis 120 Prozent nötig, wie Vorsorgeexperten von Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers übereinstimmend erklären.

Doch die Pensionskassenmanager stecken nicht nur bei tiefen Zinsen in der Falle. Wenn die Zinswende kommt, drohen ihnen auf lang laufenden Obligationen ebenfalls herbe Verluste.

Schon jetzt können die Kassen ihre Leistungsversprechen kaum noch aufrechterhalten. So sind die obligatorischen Minimalleistungen nur durch Einschnitte im freiwilligen, überobligatorischen Teil finanzierbar. Davon machen die meisten von Baguttis Pensionskassenkollegen Gebrauch. Der Auffangeinrichtung BVG steht diese Möglichkeit nicht offen: Sie richtet sich an Betriebe, die sonst keine Pensionskasse finden, und versichert dort praktisch ausschliesslich das Obligatorium.

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«Sollen überobligatorische Leistungen nicht weiter gekürzt werden, sind über kurz oder lang höhere Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge nötig», erklärt Patrik Schaller, der bei Ernst & Young den Vorsorgebereich leitet. «Den Pensionskassen fehlt nämlich der dritte Beitragszahler.» Es fehlen attraktive Finanzanlagen, die mit lukrativen Erträgen die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ergänzen. Im Schnitt benötigen Pensionskassen Kapitalerträge von knapp 4 Prozent, um die Leistungen im bisherigen Umfang weiter zu garantieren.