Die Schlacht um den Markt der Tablet-Computer ist fünf Monate nach Markteinführung von Apples iPad voll entbrannt. Die Verdrängung der Netbooks ist im Gange. Die Internetcomputer werden ausschliesslich durch die Berührung des Bildschirms bedient und haben keine eingebaute Tastatur. Am meisten Aufmerksamkeit erhält gegenwärtig der koreanische Elektronikkonzern Samsung, der mit der Präsentation des Galaxy Tab zugleich eine neue Geräteklasse definiert: Das Smart-Media-Gerät.

Samsung hat sein Galaxy Tab mit einem Display ausgestattet, das in der Diagonale 17,8 cm misst. Damit ist der Bildschirm etwa halb so gross wie jener des iPad. Aus Kostengründen wurde auf den Einbau eines Amoled-Displays verzichtet. Die leichte Bauart des Galaxy (380 g) garantiert Mobilität. Es ist unterwegs einfach in der Jackentasche zu tragen und zu benutzen.

Sony wartet vorerst ab

Der aktuelle Adobe Flash Player ermöglicht ein schnelles, vollständiges Betrachten aller Seiten des Internets. Er wird im Oktober zum Preis von rund 1050 Fr. verfügbar sein und auch über eine Telefon- und Videotelefonie-Funktion verfügen. Die eReader-Anwendung Readers Hub bietet Zugriff auf eine digitale Bibliothek an Zeitungen, Magazinen und 2 Mio Büchern. Gleichzeitig stellte Samsung den Media Hub vor, eine Schnittstelle zu Filmen und Videos, und den Music Hub, eine Anwendung, die Zugriff auf eine grosse Auswahl von Musikdateien ermöglicht.

Anzeige

Sony will zunächst den Markt beobachten. «Wir haben die Entscheidung noch nicht getroffen», sagt Konzernchef Howard Stringer. Sollte das japanische Unternehmen dieses Marktsegment überhaupt betreten, so will es ein Gerät verkaufen, das aus der Masse herausragt und einzigartig ist. Es gehe nicht allein um Hardware. «Die Frage ist, wie man Inhalte mit der Technologie zusammenbringt», sagte Kazuo Hirai, Executive Vice President. Sony will einzigartige Dienste auf diesem Gerät anbieten.

Anbieter Archos besetzt mit seinen Geräten das untere Marktsegment und wirbt damit, das erste Tablet für weniger als 130 Fr. anzubieten. Dabei handelt es sich um eine Musik- und Videospielstation mit Internetanschluss und 2,8-Zoll-Display. Insgesamt fünf Geräte hat das französische Unternehmen momentan im Portfolio. Das grösste Gerät verfügt über einen 1-Gigahertz-Prozessor und ein 10,1-Zoll-Display. Es ist nur 12 mm dick. Das teuerste Gerät soll im Oktober für etwa 460 Fr. in die Elektronikmärkte kommen.

Android im Vormarsch

Eher ein etwas gross geratenes Telefon als einen Tablet-PC bringt Dell mit dem Streak auf den Markt. Die Display-Diagonale misst 13 cm (fünf Zoll). Auch beim Streak handelt es sich um ein Gerät mit dem Betriebssystem Android.

Der Hardwarekonzern MSI hat den Prototyp seines WindTab, ein Gerät mit Windows7-Betriebssystem, entwickelt, das dann Anfang 2011 auf den Markt kommen soll. Die Firma arbeitet auch an Android-Lösungen. Zurzeit verhandelt MSI mit Partnern. Lenovo stellt eine Kombination aus Netbook und Tablet vor, das IdeaPad S10-35. Es verfügt über ein komplett drehbares Display, unter dem die Tastatur verschwindet. Das Start-up Interpad bringt zwei 10-Zoll-Geräte mit Android 2.2 auf den Markt: 660 g schwer. Die Home-Version für 520 Fr. geht über WLAN ins Web, mit der sogenannten Street-Version kann es sogar telefonieren.

Anzeige

Interpad setzt auf Unabhängigkeit von grossen Plattformen und hat ein User-Interface entwickelt und einen eigenen App Store aufgebaut. Die Tabs haben HDMI-Anschlüsse, Mikro-SD-Karten und Blutooth. Für weniger als 500 Fr.will ViewSonic sein 7-Zoll-Tab mit Android 2.2 auf den Markt bringen, mit dem per Blutooth-Headset auch telefoniert werden kann. Der Zehnzöller für weniger als 650 Fr. wird als Dual-Boot-Version mit Android und Windows7 angeboten.

Die Modellschlacht hat auch schon ein erstes Opfer gefunden. Das Internetunternehmen 1&1 kündigte vor wenigen Tagen an, den Verkauf seines SmartPad auslaufen zu lassen. Die 25 000 in Fernost bestellten Geräte sollen noch ausgeliefert werden. Danach ist vorerst Schluss. Wie es hiess, ist der Webdienstleister auf der Suche nach neuen Anbietern, nachdem das SmartPad zum Teil vernichtende Kritiken erhalten und die Erwartungen des Unternehmens anscheinend nicht erfüllt hat.

Anzeige