Fortschrittliche Unternehmen haben den Aspekt der nachhaltigen Entwicklung schon längst neben dem ökonomischen Wachstum in ihre Zielsetzungen aufgenommen. Da erstaunt es kaum, wenn sich auch die Verantwortlichen im Kongresstourismus um Umweltschutz und Nachhaltigkeit bemühen. «Noch vor wenigen Jahren waren internationale Meetings zu diesem Thema spärlich besucht, heute werden sie überrannt», beobachtet Barbra Albrecht, Leiterin Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB).

Corporate Social Responsibility

Der Trend zu einem schonenden Umgang mit den Ressourcen kommt in der Firmenlandschaft unter dem Stichwort Corporate Social Responsibility stetig voran. Nun ergreift die Kongressorganisation von Schweiz Tourismus die Initiative und will mit einer Umfrage bei den rund 400 Partnerunternehmen das Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung stärken. Noch in der ersten Jahreshälfte 2008 sollen die Antworten auf einen umfangreichen Fragebogen in einer Datenbank gespeichert und online zugänglich sein.

Vorbildfunktion

Mit dieser ersten Auslegeordnung versucht das SCIB bei den Anbietern von Seminaren und Kongressen auch eine Wettbewerbssituation zugunsten von mehr Umweltbewusstsein zu schaffen. «Wir möchten die Schweiz als eine in Nachhaltigkeit führende Destination positionieren», sagt Barbra Albrecht. Angesprochen sind die Tourismusorganisationen in den Regionen, die Kongresszentren und alle Tagungshotels. Als Dachgesellschaft möchte das SCIB eine Vorbildfunktion übernehmen. Die eigenen Aktivitäten werden kritisch hinterfragt. Als kürzlich in Kalifornien ein Promotions-Lunch für mehrere hundert Kongressspezialisten anstand, wurde die Broschüre zur Schweiz als Live-E-Mail und nicht in Form einer gedruckten Broschüre verteilt. Anstatt den Wein auf langen Transportwegen aus dem Heimatland einzufliegen, wählten die Veranstalter einen Weinproduzenten mit Schweizer Wurzeln vom nahen Nappa Valley.

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Mit gleichartigen Best-Practice-Beispielen sollen die Tagungsveranstalter zu ökologischen Aktivitäten animiert werden. Der Fragebogen gibt Hinweise, wo der Hebel zugunsten einer vermehrten Social Responsibility anzusetzen ist. Dazu gehören etwa ISO-Zertifizierungen im Bereich Umweltmanagement, lokale Anbieter von Produkten, reduzierte Umweltbelastungen, der sparsame Umgang mit Energie oder Anreize für den Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln. «Es gilt jetzt die Hausaufgaben zu machen», ist SCIB-Leiterin Albrecht überzegt. Sie schaut nach England, wo bereits ein Nachhaltigkeitsstandard für den Kongresstourismus besteht. Der britische Zertifizierungsprozess dürfte sich in einigen Jahren zu einem internationalen Modell weiterentwickeln.

Strenge Umweltauflagen

Die Schweiz wäre bei einem solchen Rating nicht schlecht platziert. Das Tagungs- und Kongressland verfügt schon heute über strenge Umweltauflagen, operiert mit rigiden Abgasvorschriften und setzt ein striktes Recycling um. Trotzdem wird dem Nachhaltigkeitsgedanken nicht überall gleich konsequent nachgelebt. Beim Haushaltsabfall pro Kopf der Bevölkerung etwa liegt die Schweiz im europäischen Vergleich an der Spitze. Auch der Energieverbrauch nimmt noch immer beträchtlich zu. Einzelne Musterbeispiele sollen zum sorgsameren Ressourcenverzehr anregen. So kühlt Montreux das Musik- und Kongresszentrum bereits seit Jahren mit Wasser aus dem Genfersee.

Awards für die besten Lösungen

Das SCIB will die Partner auch zu Veranstaltungen einladen, um die Idee der Nachhaltigkeit mit praktischen Hilfestellungen voranzutreiben. Besonders kreative und originelle Umweltbemühungen sollen auch ausgezeichnet werden. An der Branchenmesse Imex in Frankfurt gibt es Awards für die besten Lösungen. Wer sich als Tagungshotel oder Kongresszentrum im Bereich von umweltfreundlichen, sozialverträglichen und ethischen Anlässen profilieren kann, der wird sich kaum wegen einer mangelnden Nachfrage beklagen. Private Unternehmen und öffentliche Organisationen messen dem ökologischen Verhalten einen hohen Stellenwert zu. Externe Seminare und Kongresse werden nach den gleichen Kriterien beurteilt.