Die Spielregeln sind bekannt: Für einmal werden Aluverpackungen nicht gesammelt, zerquetscht und anschliessend dem Recycling zugeführt, sondern in kleine Kunstwerke verwandelt. Seit elf Jahren organisiert die Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling hierzulande einen einzigartigen Wettbewerb; die Igora fordert Hobbykünstler auf, aus gebrauchten Aluverpackungen Skulpturen zu entwerfen. Sie fördert damit die handwerkliche Kreativität und das künstlerische Flair, vermittelt gleichzeitig aber auch, dass Gebrauchtes nicht weggeworfen werden soll, sondern wieder zu neuem Leben erweckt werden kann.

Strassenkünstler lieferten Idee

Die Idee für diesen Schweizer Alu-Kreativ-Wettbewerb lieferten Strassenkünstler in Südamerika und Südafrika, die aus gebrauchten Aluverpackungen Geschirr, Möbel und Mützen herstellen, um so teilweise ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Mittlerweile ist die lebensnotwendige Erwerbstätigkeit in fernen Ländern längst bei uns ein beliebtes Hobby. Immer mehr Freizeitkünstler messen sich darin, mit gebrauchten Aluverpackungen künstlerisch tätig zu sein.

Markus Tavernier, Geschäftsführer der Igora-Genossenschaft, ist vor allem von der zunehmenden Begeisterung von Schulen, Jugendlichen und Kindern angetan: «Nur mit unserem Nachwuchs können wir nachhaltig die Kreativität und Kunst mit Aluverpackungen fördern.»

Die Schweiz in allen Facetten

Bei der diesjährigen 11. Durchführung stand das Thema «Schweiz» im Fokus des Wettbewerbes. 43 Erwachsene sowie 86 Kinder und Jugendliche reichten ingesamt 129 Kunstwerke ein. Riesig war denn auch die Freude bei den 49 Siegern, die vor wenigen Wochen an der Preisverleihung vor einem begeisterten Publikum in Knies Kinderzoo mit Goldvreneli und Sparschweinen belohnt wurden.

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Für den Jurypräsidenten Rolf Knie war die Arbeit nicht einfach: «Oft war bei der Prämierung die Entscheidung sehr schwierig. Denn die Teilnehmer sind sehr vielfältig an das Thema ‹Schweiz› herangegangen und haben erstaunliche Fingerfertigkeit und Kreativität bewiesen.»

Das Thema «Schweiz» wurde recht bunt umgesetzt, mit Skulpturen wie «Fondue-Tag im Bundeshaus», «Jass-Karten», «Rütlischwur», «Globi uf em Chuchichästli», «Schwing- und Älplerfest» und viele weitere. Ebenso vielfältig war das Feld der Teilnehmer: Es war ebenso jung wie alt, es stammte aus dem Wallis wie aus dem Bodenseegebiet.

Die Unterstufenschüler aus Dicken SG mit Lehrerin Christine Santschi stellten als Gruppenarbeit den «Säntispark» dar, mit einer beeindruckenden Schwebebahn aus gebrauchten Tierfutterschalen. Starke junge Nachwuchskünstler in Schulen waren auch aus dem Kanton Luzern vertreten. Aus Neuenkirch standen drei Jugendliche als Einzelkünstler auf dem Siegerpodest; aus Hochdorf und aus Littau gewannen zwei Gruppenarbeiten aus Schulen. An der Zürcher Goldküste widmeten sich vor allem die Küsnachter Kinder der Muse der Alukunst: Mit drei Gruppenarbeiten in der Kategorie Kinder überzeugten sie die Jury.

Das Metier der Alukunst beherrscht seit Jahren Nelly Frehner aus Birchwil ZH. Vor sieben Jahren liess sie sich vom Bastelfieber der besonderen Art fesseln, seither war sie jedes Mal unter den Gewinnern. Ihr diesjähriges «Schwing- und Älplerfest» kommt nicht von ungefähr, stammt doch ihr Mann aus dem Appenzellerland. Im bunten Kunstwerk liefern sich zwei Buben einen veritablen Hosenlupf, umgeben von Alphornbläsern, Geigen- und Handörgelispielern und einem Fahnenschwinger. Nelly Frehners Begeisterung hat mittlerweile auch auf ihre drei Enkel Dave Frehner (14), Roman Läderach (14) und Gregor Frehner (16) abgefärbt. Zusammen stellen sie jedes Jahr mit ihrem Grossmami Kunst aus leeren Aluverpackungen her. «Rütlischwur», «Alphornbläser» und «Euro 08 Schweiz» hiessen die drei Werke, die alle auf dem Podest standen.

«Wer einmal beim Alu-Kreativ- Wettbewerb dabei war, den lässt das Alufieber nicht mehr los», meint Alois Nauer aus Fahrweid AG. Mit seiner «Spanisch-Brötlibahn» war er dieses Jahr bereits zum 10. Mal dabei. Auch für 2009 wird er sich wieder Zeit zum Mitmachen nehmen. Seine langjährige Berufserfahrung als Flugzeugspengler kommt ihm bei seinem neuen Hobby sehr zugute. Er wünscht sich, dass auch junge Menschen diese schöne Bastelei entdecken. Er stehe gar Nachwuchskünstlern mit Rat und Tat zur Seite, meint Nauer.

Ein treuer und begabter Alukünstler ist auch Peter Leiggener aus Visp VS. Kreieren mit Aluverpackungen ist das liebste Hobby des Postauto-Chauffeurs. Schon bald kann er mit all seinen Kunstwerken eine eigene Ausstellung im Wallis auf die Beine stellen, denn jedes Jahr überrascht er mit verschiedenen Sujets, darunter immer auch eindrückliche Walliser Impressionen wie heuer das «Matterhorn», «Grande Dixence» und viele weitere.

Der Steinacher Severin Büeler zählt mittlerweile zu den versiertesten Alukünstlern. Mit seiner diesjährigen «Chästeilet» holte er die höchste Auszeichnung, Gold. Die Idee, dene «Chästeilet» in bunten Farben im Kleinformat zur Schau zu stellen, kommt nicht von ungefähr: «Ich habe einen grossen Bezug zu den Bergen und zu Traditionen. Deshalb hat sich der ‹Chästeilet› in buntem Alu als ideal erwiesen.»

23100 Franken Spende

Stolz ist Severin Büeler, dass für sein Werk bei der Versteigerung ein Höchstbetrag geboten wurde. 22 Kunstwerke gingen nämlich in eine von Dirk Boll, Direktor des Auktionshauses Christies’s in Zürich, erstmals durchgeführte Auktion. Das Interesse war riesig: 23100 Fr. gingen aus dem Verkauf der Kunstoriginale aus gebrauchten Aluverpackungen ein. Der Erlös fliesst als Spende an Pro Infirmis, die das Geld in die Integration behinderter Menschen investieren wird.