In den ersten neun Monaten 2007 nahmen die Weissweinimporte in die Schweiz gegenüber dem Vorjahr um fast 20% zu. Ist heimischer Weisswein knapp, dass die Importe derart eklatant anziehen?

Bruno Sauter: Tatsächlich sind nach den mengenmässig bescheidenen Ernten von Chasselas und Riesling-Sylvaner der vergangenen zwei Jahre die Weissweinvorräte in der Westschweiz stark geschrumpft. Der Handel versucht deshalb, die Lücken mit ausländischen Gewächsen zu stopfen. Dies ist nur einer der Gründe für die relativ starke Zunahme der Importe von Weisswein. Ein weiterer liegt im Umstand, dass noch bis vor wenigen Jahren der Import durch die Kontingente stark eingeschränkt war. Es gab also gewissermassen einen Nachholbedarf. Der Anteil ausländischer Provenienzen am Angebot auf dem Schweizer Weissweinmarkt wuchs auch deshalb in den letzten Jahren etwas. Nach wie vor stammen aber zwei von drei in der Schweiz verkauften Flaschen Weisswein aus einheimischer Produktion.

Wird im Wallis, im Waadtland und in der Region Genf weniger Weisswein produziert? Oder wird das Angebot künstlich verknappt, um die Preise anheben zu können?

Sauter: Tatsächlich sind die Erträge in der Westschweiz zurückgegangen. Dies aber vor allem der besonderen klimatischen Verhältnisse wegen, welche die Befruchtung beeinträchtigten. Einen allerdings nicht beabsichtigten Beitrag dazu leisteten auch die vom Bund geförderten Umpflanzungs-Kampagnen von weissen auf rote Sorten. Was die Preisentwicklung betrifft, möchte ich doch bemerken, dass es gerade bei den Schweizer Weissweinen in den letzten zehn Jahren praktisch unmöglich war, die gestiegenen Produktionskosten abzuwälzen.

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Ist der Mangel an Schweizer Weissweinen auf der Expovina Thema?

Sauter: Erst dann, wenn ein Aussteller ausverkauft ist oder vom angebotenen Wein nichts mehr an Lager hat. Allerdings bin ich sicher, dass jeder die für die Expovina-Kundschaft in der Regel benötigten Mengen reserviert hat. Sollte diese Reserve nicht genügen, kann er seinen Kunden auf den Jahrgang 2007 vertrösten, der an unserer Frühlings-Ausstellung, der Expovina primavera, ein Thema sein wird.

Die Expovina bietet eine aussagekräftige Vergleichsmöglichkeit. Ein Drittel dieser 4000 Provenienzen hat Schweizer Abstammung. Wie schneiden die hiesigen Weine ab?

Sauter: Dieses Verhältnis entspricht übrigens haargenau dem Schweizer Weinmarkt. Gegen 40% der in der Schweiz konsumierten Weine sind einheimische. Die Schweizer Weine sind durchaus konkurrenzfähig! Unsere Weine sind stärker geworden. Und wie! Die hiesigen Produzenten bieten heute im mittleren und oberen Qualitätsbereich eine einmalige Sortenvielfalt an. Was früher nur in homöopathischen Kleinstmengen angeboten wurde, gehört heute zum Standardangebot. Ich denke dabei an Petite Arvine, Pinot gris oder Pinot blanc bei den Weissen und Cornalin, Humagne oder Syrah bei den Roten. Zudem dürfen wir stolz sein darauf, dass unsere Winzer unangefochtene Weltmeister in der Vinifikation von Chasselas sind. Sie verstehen sie es zudem, aus der Pinot-noir-Traube grosse Weine zu keltern, die Vergleiche mit dem Burgund nicht zu scheuen brauchen.

Trifft es zu, dass in Deutschland und in Grossbritannien Rosé stärker nachgefragt wird als früher?

Sauter: Ich habe davon vernommen, zweifle aber daran, dass wir in der Schweiz davon betroffen sein werden.
Was darf der Weinfreund an der diesjährigen Expovina 2007 nicht verpassen?

Sauter: Den Vergleich von Spitzenweinen aus dem Ausland und der Schweiz in der Degustation. Wo fände der Weinfreund eine bessere Gelegenheit dazu als an Bord der Expovina in Zürich?

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MEIN WEIN

Bruno Sauter: Expovina

4000 Weine auf 12 Zürichsee-Schiffen

Weltgrösste Degustationsmesse
An der Expovina stellen auf 12 Zürichsee-Schiffen in Zürich vom 1. bis zum 15. November 2007 über 170 Importeure rund 4000 Weine aus 26 Ländern von fünf Kontinenten vor. An Bord der «Weinschiffe» wird ein Überblick über Neuheiten, Klassiker und aktuelle Entwicklungen vermittelt.

Spezialtage
Erstmals stehen an der Expovina dieses Jahr bestimmte Tage im Zeichen der Weine und der Gastronomie eines Weinlandes oder einer Weinregion. Am 3. November ist die Weinstadt Wien zu Gast, am 7. November Bordeaux und am 10. November das Wallis. Nach wie vor ein Muss für den Weinliebhaber sind die verschiedenen Seminare.

www.expovina.ch